Abgeschoben?

Braunschweig  27 neue Mitarbeiter im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge fürchten um ihren Arbeitsplatz.

Beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge müssen sich all die registrieren lassen, die als Flüchtling nach Braunschweig gekommen sind und in Deutschland bleiben wollen.

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge müssen sich all die registrieren lassen, die als Flüchtling nach Braunschweig gekommen sind und in Deutschland bleiben wollen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Als die Not am größten war und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) vor der Bewältigung der Flüchtlingskrise zu kapitulieren schien, kamen neue Mitarbeiter. Allein in Braunschweig waren es 27. Männer und Frauen wie Sabine Krause und Thilo Glas. Doch nun heißt es: Danke, das war’s.

Befristete Beschäftigung – bei Verdi im Gewerkschaftshaus, wo wir uns treffen, werden die Arbeitsplätze von Glas und Krause als prekär bezeichnet. Nach zwei Jahren kann es weitergehen – oder auch nicht.

Glas und Krause haben das gewusst. „Doch es hieß: ’Wenn Ihr keine goldenen Löffel klaut, dann seid ihr drin im Öffentlichen Dienst.‘ Außerdem gab es auch niemanden, den man sonst auf dem Arbeitsmarkt gefunden hätte.“

Glas und Kraus, es sind nicht ihre tatsächlichen Namen, gehörten zu den letzten Verfügbaren, die die Arbeitsagentur fand. Berufsrückkehrerinnen, Schwerbehinderte, Umschüler. „Alle mit kaufmännischem Hintergrund und bereit für das Ungewisse.“

Schnell musste es Anfang 2016 gehen: „Vorstellungsgespräch, kurz die politische Einstellung abgeklopft, drei Tage später war ich nicht mehr Umschüler, sondern Mitarbeiter des Bamf-Braunschweig im mittleren Dienst.“

Die damalige Arbeitsstelle nennt Braunschweigs Verdi-Geschäftsführer Sebastian Wertmüller „ein Amt im Ausnahmezustand. Zu groß die Aufgabe, zu gering die Personalstärke und mit dem ehemaligen Arbeitsagenturchef Frank-Jürgen Weise ein neuer Mann an der Spitze, der energisch das Steuer herumwarf. Weise fehlte allerdings der Bamf-Stallgeruch. Alles neu, alles anders. Viele Reibungspunkte.“

Denn mehr Personal reicht nicht, wenn Zeit, Räume und Sachmittel fehlen. In Braunschweig hieß das: Vier Mitarbeiter, die sich gleichzeitig einen Schreibtisch teilten. „Mobile Büros“ entstanden, die da aufgeschlagen wurden, wo gerade Platz war. Keine echte Einarbeitung. Enthusiasmus und Eigeninitiative mussten das ausgleichen.

Warum macht man das als neuer Mitarbeiter mit? „Weil die Arbeit wichtig und so unglaublich abwechslungsreich ist, dass man einfach gern im Bamf arbeitet.“ Und dann klaut man natürlich auch keine goldene Löffel.

Doch die „Formsache“ namens „Entfristung“ und die Übernahme in ein festes Arbeitsverhältnis beim Bamf-Braunschweig war keine Formsache. „Ein erster Plan wurde vom Arbeitsgericht gekippt. Doch auch der aktuelle Plan sieht nicht vor, dass wir uns auf Stellen in Braunschweig bewerben dürfen. Anderenorts ist das möglich. Doch dann müssten wir hier alles aufgeben und neu anfangen.“

Das Bamf wurde um eine Stellungnahme gebeten, hat aber noch nicht geantwortet.

Bamf-Mitarbeiter waren auch schon bei Braunschweigs Bundestagsabgeordneten Carola Reimann (SPD) und baten um Hilfe. Was tun? Auch Reimann weiß es nicht: „Uns war klar, dass eine vernünftige Lösung her muss. Der Haushaltsausschuss hat die Mittel zur Verfügung gestellt, damit 2100 zusätzliche Stellen beim Bamf geschaffen werden. In einem solch großen Umfang hat es das noch nie gegeben.“

Doch wenn einst 3600 Mitarbeiter befristet eingestellt wurden, reichen die 2100 neuen festen Stellen natürlich nicht. Reimann sagt: „Wir hatten gehofft, dass das dennoch halbwegs passt. Denn es wurden nicht ausschließlich neue Mitarbeiter eingestellt. Viele der zusätzlichen Bamf-Mitarbeiter waren bereits im Öffentlichen Dienst beschäftigt und werden nach Ende der zwei Jahre wieder an ihren ursprünglichen Arbeitsplatz zurückkehren.“

Warum das in Braunschweig aber ganz und gar nicht klappt und alle zusätzlichen Mitarbeiter fürchten, nie wieder beim Bamf-Braunschweig arbeiten zu können, kann sich Reimann nicht erklären: „Das Bamf-Braunschweig ist keine Behörde, die erst kürzlich aus dem Boden gestampft wurde. Ich bin fest davon ausgegangen, dass die Bamf-Personalpolitik dafür sorgt, dass auch in Braunschweig zusätzliche Stellen geschaffen werden, damit die befristet arbeitenden Bamf-Mitarbeiter hier bleiben können.“

Doch es ist anders gekommen. Warum der Standort Braunschweig offenbar übergangen wird, will Reimann beim Bamf nun in Erfahrung bringen. Die Erfolgsaussichten? Sie sagt: „Man fingert nicht mal so eben in der Bamf-Personalpolitik herum.“

Den neuen Bamf-Mitarbeitern bleiben nur die Zuschauerrolle und die Hoffnung. Glas sagt: „Es beginnen bald die Weiterbildungskurse, die wir eigentlich zu Beginn unserer Arbeit hätten erhalten müssen. Wahnsinn! Könnten Sie mit vollem Herzen dabei sein, wenn Sie wissen, dass es keine Perspektive beim Bamf gibt?“

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