Julia rettet „Päcken für Braunschweig“

Braunschweig  Die Schülerin setzt die Aktion fort. Ab dem 23. Oktober werden Weihnachts-Pakete für arme Kinder gesammelt.

Ein paar Monate lang sah es so aus, als stünde die schöne Aktion „Päckchen für Braunschweig“ vor dem Aus. Zehn Jahre lang hatte der Asta der TU die Aktion mit viel Engagement koordiniert und in all’ den Jahren mehr als 20 000 Weihnachts-Pakete für bedürftige Kinder in Braunschweig gesammelt.

Doch die Organisation ist immens arbeitsaufwendig, und vor einem Jahr hatte der Asta bekanntgegeben, die Aktion nicht fortzusetzen. Ein Nachfolger wurde gesucht. Viele Monate vergeblich. Nun sorgt eine Schülerin dafür, dass es weitergeht mit den „Päckchen für Braunschweig“. Julia Swiatkowski ist 15 Jahre jung und keine Unbekannte in Braunschweig: Seit fünf Jahren schon engagiert sie sich beim Deutsch-Polnischen Hilfsverein (Poldeh) als Sprachpatin für aus Polen zugewanderte Kinder. Bei der Verleihung des Gemeinsam-Preises unserer Zeitung wurde ihr dafür in diesem Jahr der Sonderpreis für Jugendprojekte des Braunschweiger Doms verliehen.

Die Schülerin der Raabeschule hatte sich schon im vergangenen Jahr bei „Päckchen für Braunschweig“ engagiert, war an ihrer Schule von Klasse zu Klasse gegangen und hatte für die Aktion getrommelt. Als die Hilfsaktion vor dem Aus stand, hat sie sich sehr dafür eingesetzt, dass ein Nachfolger gefunden wird – am Ende sprang sie selbst in die Bresche. Es ist ihr eine Herzenssache: „Als meine Oma mit mir das erste Päckchen packte, war ich fünf Jahre alt. Seitdem habe ich jedes Jahr mitgebracht“, erzählt sie. Stets gab sie die Pakete selbst beim Asta ab. „Ich durfte mir damals auch mal den Keller ansehen, in dem die Pakete gesammelt wurden“, erinnert sie sich.

Durch ihr Engagement als Sprachpatin hat sie auch Kontakt zu Familien, die in Armut leben. Das treibt sie an, hat ihren Blick geweitet für die Probleme anderer: „Ich weiß, dass ein Päckchen nichts an der Situation der Familien ändert. Aber die Kinder freuen sich – und die können doch am allerwenigsten für ihre Lage“, findet Julia Swiatkowski.

Viel Zeit und Kraft hat die junge Frau in den vergangenen Monaten investiert, um die Aktion organisatorisch auf neue Beine zu stellen: Lagerräume mussten gefunden werden, Sponsoren, Annahmestellen und Helfer. Besuche beim Notar und beim Finanzamt waren nötig, bis schließlich der Verein „Päckchen für Braunschweig“ gegründet werden konnte. Dass Julia noch nicht volljährig und damit auch noch nicht geschäftstüchtig ist, machte die Sache nicht leichter. So kommt es, dass zu den Gründungsmitgliedern des Vereins nun auch ihre Eltern sowie Martin und Meike Kreihe von der Zwergenlunch GmbH gehören, die Julia voll unterstützen.

Ab dem 23. Oktober werden also wieder Päckchen angenommen. Zusammen mit Schülern ihrer eigens gegründeten AG an der Raabeschule betreut Julia die Sammlung: „Wir schauen in jedes Päckchen, sortieren den Inhalt nach und sorgen dafür, dass auch wirklich alle Pakete schön verpackt sind“, sagt sie. Der letzte Check sei wichtig: „Es kommt vor, dass jemand Mandarinen oder andere Lebensmittel in den Schuhkarton legt. Das ist gut gemeint, doch bis Weihnachten sind die Sachen verdorben.“ Auch wird geprüft, ob der Inhalt altersgerecht ist. Lange Gesichter unterm Tannenbaum sollen schließlich vermieden werden.

Die Pakete werden Hilfsorganisationen wie Awo, DRK und Caritas, Parkbank oder Diakonisches Werk übergeben, die die Verteilung wie gewohnt übernehmen. „Sie wissen, welche Familien die Unterstützung gut brauchen können“, ist die Initiatorin überzeugt.

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