Wer hat die besten Schul-Konzepte?

Braunschweig  Landtagswahl: Auf Einladung des Stadtschülerrats diskutieren sechs Kandidaten über Bildung.

Auf dem Podium saßen (von links): Gerald Heere (Grüne), Dana Guth (AfD, keine Braunschweiger Kandidatin), Oliver Schatta (CDU), Susanne Schütz (FDP), Ursula Weisser-Roelle (Linke) und Annette Schütze (SPD).

Auf dem Podium saßen (von links): Gerald Heere (Grüne), Dana Guth (AfD, keine Braunschweiger Kandidatin), Oliver Schatta (CDU), Susanne Schütz (FDP), Ursula Weisser-Roelle (Linke) und Annette Schütze (SPD).

Foto: Florian Kleinschmidt/BestPixels.de

Wenn’s um Bildung geht, fliegen in Niedersachsen oft die Fetzen. Um Antworten auf die großen Fragen zu bekommen, hatte der Stadtschülerrat vor wenigen Tagen eine Diskussion mit sechs Kandidaten für die Landtagswahl organisiert – unter anderem zu diesen Themen: Unterrichtsversorgung, Schulsozialarbeit und Inklusion.

Auf dem Podium saßen Gerald Heere (Grüne), Oliver Schatta (CDU), Susanne Schütz (FDP), Ursula Weisser-Roelle (Linke) und Annette Schütze (SPD). Sie gehören zu den insgesamt 20 Kandidaten, die in den drei Braunschweiger Wahlkreisen antreten. Die AfD hatte keinen ihrer hiesigen Bewerber geschickt, sondern die Spitzenkandidatin Dana Guth aus Göttingen.

Warum fehlen an Niedersachsens Schulen so viele Lehrer?

Starten wir mit der Unterrichtsversorgung – seit August wird darüber mal wieder besonders heftig diskutiert: Zum Schuljahresbeginn hatte die Landesschulbehörde einige Hundert Lehrer an andere Schulen abgeordnet, damit sie dort aushelfen. Viele Schulleiter reagierten empört. In Braunschweig sind der Behörde zufolge 26 Lehrer betroffen. 10 dieser Abordnungen seien bereits Mitte Juni verfügt und den Schulen mitgeteilt worden, heißt es. Max Weitemeier vom Stadtschülerrat fragte nun: „Waren die Abordnungen richtig?“

Annette Schütze (SPD) verteidigte das Vorgehen der rot-grünen Landesregierung: „Das so kurzfristig zu machen, ist unglücklich. Aber Abordnungen sind nichts Neues, und sie sind eine Notlösung.“ Warum der Lehrermangel so groß ist? Schlechte Personalplanung? Schütze: „Die schwarz-gelbe Vorgängerregierung hat Studienplätze abgeschafft. Wir haben wieder mehr Plätze eingeführt, aber es dauert, bis das greift.“

Gerald Heere, Landtagsabgeordneter der Grünen, räumte ein, dass die Abordnungen nach der Sommerpause schlecht organisiert worden seien. Grundsätzliches Ziel sei natürlich eine Unterrichtsversorgung über 100 Prozent. Im vergangenen Schuljahr lag sie laut dem Kultusministerium im Durchschnitt bei 98,9 Prozent. Das klingt zwar viel, bedeutet aber trotzdem, dass etliche Stunden ausfallen. Heere: „Wir haben aber auch mehr Schüler als erwartet.“ So mussten rund 35 000 junge Flüchtlinge in den Schulen integriert werden.

Um die Unterrichtsversorgung sicherzustellen, rät Susanne Schütz (FDP), vorübergehend Lehrerstunden aus dem Ganztagsangebot herauszunehmen. Im Gegenzug sollten die Schulen mehr Geld erhalten, um hochwertige Nachmittagsangebote einkaufen zu können. „Mathe und Englisch sind erstmal wichtiger als die Schach-AG“, sagte sie.

CDU-Kandidat Oliver Schatta forderte, die Bezahlung der Lehrer an das teils höhere Niveau anderer Bundesländer anzupassen und Lehrer von Verwaltungsarbeiten zu entlasten. Beides könne den Job attraktiver machen.

Stichwort Geld: Einer der Jugendlichen forderte, Investitionen genau zu prüfen. „Es wird an der falschen Stelle investiert, wenn Schulen Smartboards erhalten, die nicht funktionieren, oder wenn Lehrer gar nicht wissen, wie sie die Technik bedienen sollen“, sagte er. „Man sollte schauen, wo wirklich Bedarf besteht. Warum haben wir kaum Schulsozialarbeiter? Wir brauchen sie für die Kinder aus sozial schwächeren Familien, für die Flüchtlinge!“ Annette Schütze (SPD) verwies darauf, dass die Regierungskoalition mehr als 500 Stellen zusätzliche Stellen geschaffen habe – weitere sollen folgen. Laut dem Kultusministerium beschäftigt das Land zurzeit rund 1000 Sozialarbeiter an Schulen.

Sollen noch mehr Förderschulen geschlossen werden?

Von der Schulsozialarbeit war es in der Diskussion nicht weit bis zum Thema Inklusion: 2012 hatten CDU, FDP und SPD beschlossen, dass Eltern behinderter Kinder frei wählen können, welche Schule ihr Kind besuchen soll – eine Förderschule oder eine Regelschule. Zugleich wurde das Auslaufen der Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen besiegelt.

Eine junge Frau fragte die Kandidaten, wie es mit den Förderschulen weitergehen soll: „Es wird viel zu wenig für die Förderschulen gemacht. Sollen noch mehr Förderschulen geschlossen werden?“ Und Gunnar Senst, stellvertretender Vorsitzender des Stadtelternrates, schob in Richtung Schütze (SPD) und Heere (Grüne) hinterher: „Inklusion kostet, aber Sie haben die Ressourcen nicht bereitgestellt! Die Sonderpädagogen der Förderschulen reichen nicht aus, um die Kinder in der Fläche zu betreuen. Die Schulen werden alleingelassen!“

Heere und Schütze bestätigten, dass noch viel zu tun sei, verwiesen aber auch darauf, dass das Land allein in diesem Jahr mehr als 300 Millionen Euro in die Inklusion investiere. Und zu den Förderschulen: Beschlossen sei nur das Auslaufen der Förderschulen „Lernen“.

Wie stehen die anderen Parteien dazu? Die Linke will alle Förderschulen überflüssig machen und volle Inklusion durchsetzen: „Man darf besonders in der Bildung nicht alles unter einen Finanzierungsvorbehalt stellen. Es ist genug Geld da“, sagte Ursula Weisser-Roelle. CDU, FDP und AfD hingegen wollen alle Förderschulen erhalten und auch die Förderschulen „Lernen“ wieder aufleben lassen.

So viel in aller Kürze – ein Ritt durch Niedersachsens Bildungspolitik. Wer mehr wissen will, dem sei ein Blick in die Wahlprogramme empfohlen. Es lohnt sich.

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