Wenn der Blick aufs Handy gefährlich wird

Braunschweig  Experten raten dringend: Eltern müssen den Kindern sagen, wie lebensgefährlich es auf der Straße sein kann.

Wer auf das Handy schaut, kann nicht sehen, was im Straßenverkehr passiert. Deshalb rät die Polizei, das Telefon in der Tasche zu lassen.

Wer auf das Handy schaut, kann nicht sehen, was im Straßenverkehr passiert. Deshalb rät die Polizei, das Telefon in der Tasche zu lassen.

Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Ein Leser schreibt auf unserer Internetplattform Alarm38: „Mittlerweile sehe ich häufiger, dass Schüler derart fixiert auf ihr Handy sind, dass sie keine Verkehrsgefahren bemerken. Werden den Kindern die Gefahren der Handynutzung nicht von Eltern und Schule eingetrichtert?“

Der Leser schildert gleich mehrere Situationen, in denen er beobachtet hat, wie Kinder und Jugendliche vertieft in ihr Smartphone sich selbst und den Straßenverkehr gefährdet haben. So schreibt er beispielsweise: „Ein Schüler auf dem Fahrrad ist in einer unübersichtlichen Kurve einfach auf sein Handy starrend mitten auf der Fahrbahn stehengeblieben.“

Die Polizei hat bisher erst einen Unfall verzeichnet, bei dem ein Jugendlicher verletzt wurde – weil er auf sein Handy und nicht auf die Straße schaute. Demnach wollte ein 16-Jähriger im März die Hannoversche Straße in Lehndorf überqueren, übersah einen Lastwagen und lief in das Fahrzeug. Er wurde verletzt und musste ins Krankenhaus.

„Grundsätzlich ist es immer eine Gefahr, im Straßenverkehr auf das Telefon zu schauen. Darum sollte man das tunlichst vermeiden“, sagt Polizeisprecher Stefan Weinmeister. Das gelte natürlich nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern für alle. „Wir sehen aber auch, dass immer mehr Leute mit gesenktem Blick in der Stadt unterwegs sind“, so Weinmeister weiter.

Wie häufig fast etwas passiert, weiß er aber nicht. „Gefährliche Situationen werden uns ja nicht gemeldet“, so der Polizist. Wenn seine Kollegen unterwegs sind, um mit Schülern den sicheren Weg zur Schule zu üben, ermahnen die auch, das Handy in der Tasche zu lassen. Ein eigener Präventionspunkt sei das aber nicht.

So sagt es auch Medienreferent Stefan Schaper. Für den Awo-Kreisverband geht er in Schulklassen und berät Eltern zum Thema Mediennutzung. „Der Straßenverkehr wird in den Seminaren hin und wieder angesprochen, ist aber kein großes Thema“, sagt er. Bei seinen Vorträgen und Schulungen geht es eher darum, wie die Jugendlichen verantwortungsvoll mit privaten Informationen umgehen. Und um den Umgangston.

„Wir bringen den Schülern bei, dass der andere trotzdem da ist, auch wenn man ihn beim Chatten nicht sieht. Und dass beleidigende Aussagen ihn trotzdem verletzten“, erklärt der Medienreferent. Natürlich sieht er auch, dass Jugendliche wie Erwachsene sehr häufig auf das Display des Handys schauen. „Das ist schon ein Automatismus. Jemand schaut auf das Telefon, um zu sehen, wie spät es ist. Und wenn er es erstmal in der Hand hat, checkt er auch gleich noch Nachrichten und Mails“, sagt Stefan Schaper.

Viele Leser haben auf Alarm38 den Beitrag kommentiert. In einigen Kommentaren ist die Rede von einer „Handysucht.“ Petra Bunke, Leiterin der Jugend- und Drogenberatung (Drobs) Braunschweig, sagt dazu: „Vor zehn Jahren haben wir auf einer Konferenz davon gehört, dass es in Asien deutlich mehr Verkehrsunfälle gab, weil die Menschen statt auf die Straße auf das Handy schauten. Das wirkte für uns damals noch sehr fern. Aber auch hier ist das ein Problem der Zukunft, das immer stärker werden wird.“

Um aber tatsächlich von einer Sucht sprechen zu können, müssten mehrere Kriterien erfüllt sein (siehe Faktenkasten). „Wir müssen das Thema aber beratungstechnisch noch viel weiter ausbauen. Und die Eltern noch viel stärker einbinden“, so Bunke.

Auch Medienreferent Stefan Schaper sieht die Hauptverantwortung, Kindern und Jugendlichen den richtigen Umgang mit dem Handy beizubringen, bei den Eltern: „Die Kinder verbringen die meiste Zeit mit den Eltern. Wir sagen immer: Sei ein Vorbild!“

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