Der kleine Ringgleis–Bruder

Braunschweig  Bürgerverein Braunschweiger Form: Das alte Postgleis am Hauptbahnhof soll zum Fuß- und Radweg werden.

Arndt Gutzeit (links) und Hans Fechtel auf dem Postgleis. Sie schlagen vor, dass die tote Trasse zu einem Fuß- und Radweg umgebaut wird.

Arndt Gutzeit (links) und Hans Fechtel auf dem Postgleis. Sie schlagen vor, dass die tote Trasse zu einem Fuß- und Radweg umgebaut wird.

Foto: Jörn Stachura

Wiederholt sich die Geschichte? Als vor 15 Jahren der Ringgleis-Umbau begann, ahnte niemand, welcher Schatz in Braunschweig schlummerte. Nun soll eine zweite tote Bahntrasse zum Fuß- und Radweg werden: das vergessene Postgleis. Der kleine Ringgleis-Bruder.

Damals wie heute ist es das Braunschweiger Forum, das den Umbau voran treibt. Der Verein für bürgernahe Stadtplanung geht sogar in die Offensive: Das Forum hat eine Dokumentation herausgegeben, die im Detail aufschlüsselt, wie ein großes Problem behoben werden könnte.

Denn so großartig die Ringgleis-Idee an sich ist, so gibt es ein gewaltiges Manko: Das Ringgleis führt in einem großen Bogen um den Hauptbahnhof herum. Was für eine kaum zu überwindende Hürde sorgt. Denn zwischen Ringgleis und Hauptbahnhof liegen die Gleise der Deutschen Bahn. Teure Brücken oder Tunnel müssten gebaut werden, wenn man diese Gleise überwinden wollte.

Doch Arndt Gutzeit und Hans Fechtel sagen: Es geht auch anders. Viel einfacher und viel, viel billiger. Denn nutzt man die alte Postgleis-Trasse und weitere brachliegende Anlagen der Deutschen Bahn, dann, so Fechtel, „erhält Braunschweig einen höchst attraktiven Fuß- und Radweg, der das Ringgleis mit dem Hauptbahnhof verbindet“.

Von diesem neuen Fuß- und Radweg würden nicht nur Bahnreisende, sondern viel mehr Braunschweiger profitieren. Gutzeit zählt auf: „An der Trasse liegen der Brawo-Park, das Marienstift-Krankenhaus, der Westermann-Verlag sowie die Internationale und die Christopherusschule. Für die Schüler entsteht ein sicherer Schulweg. Auf der rund zwei Kilometer langen Strecke gibt es noch nicht einmal eine Kreuzung.“ Ein Luxus, mit dem selbst der große Bruder, das Ringgleis, nicht aufwarten kann.

Der Rat der Stadt hat mittlerweile einen Prüfauftrag beschlossen. Das Problem: Die gute Postgleis-Idee hängt ganz und gar von der Zustimmung der Deutschen Bahn ab.

Und die muss nicht nur zustimmen, die tote Postgleis-Trasse zu nutzen. Auch andere Brachflächen werden benötigt, damit eine Verbindung vom Hauptbahnhof bis zum geplanten Ringgleis-Anschluss am Brodweg entsteht.

Das Problem sei, sagt Fechtel: „Das Gelände kennen nur Bahnbedienstete und Kleingärtner. Für alle anderen Braunschweiger ist das Gebiet ein weißer Fleck am Hauptbahnhof.“

Darum hat das Braunschweiger Forum die Dokumentation bereits an die Bauverwaltung und alle Ratsmitglieder verschickt. Fechtel sagt dazu: „Es finden sich dort drei Meter breite asphaltierte Wege, auf denen einst die Bahn-Mitarbeiter unterwegs waren. Es stehen sogar Lampenmasten. Das weiß nur niemand.“

Und es gibt Tunnel. Der wichtigste ist etwa 80 Meter lang, vier Meter breit und fünf Meter hoch. Ihn nutzten einst Züge, die Karten, Briefe, Päckchen und Pakete zur Hauptpost am Hauptbahnhof brachten. Der Tunnel führt unter der Bahnstrecke Richtung Gifhorn hindurch. Die Strecke ist in Betrieb. Der Regionalzug Erixx fährt dort zweimal stündlich. Kein Problem, meinen Fechtel und Gutzeit.

Um der Idee noch mehr Aufwind zu geben, wird das Braunschweiger Forum die Postgleis-Dokumentation auf ihrer Internet-Seite veröffentlichen.

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