Die TU muss Labore mit sofortiger Wirkung schließen

Braunschweig  Die Brandschutzmängel im Uni-Gebäude Hans-Sommer-Straße 10 sind Ursache für die Schließung. Nun wird sogar über einen Neubau nachgedacht.

Doktoranden und Studenten müssen draußen bleiben: Ab sofort darf in den Laboren nicht mehr geforscht und experimentiert werden.

Doktoranden und Studenten müssen draußen bleiben: Ab sofort darf in den Laboren nicht mehr geforscht und experimentiert werden.

Foto: Peter Sierigk

Dass es bei Experimenten mit Chemikalien schnell pufft und raucht, weiß jeder aus dem Schulunterricht. Wenn der Brandschutz nicht ausreichend ist, kann es schnell gefährlich werden – aus diesem Grund sind die TU-Labore in der Hans-Sommer-Straße 10 mit sofortiger Wirkung geschlossen worden.

„Wir mussten so entscheiden. Alles andere wäre grob fahrlässig gewesen“, stellte TU-Präsident Professor Jürgen Hesselbach am Freitag klar. Bei einer Begehung mit Fachleuten der Feuerwehr und des Staatlichen Baumanagements Braunschweig war am Dienstag festgestellt worden, dass gravierende Brandschutzmängel einen weiteren Betrieb nicht zulassen. Die Labore dürfen bereis nicht mehr genutzt werden, die Büros können unter Auflagen noch für eine Übergangszeit von maximal drei Monaten besetzt sein.

Die Doktoranden sind in heller Aufregung. Sie mussten von einem Tag auf den anderen ihre Versuche abbrechen. Alle Chemikalien müssen schnellstmöglich aus dem Gebäude geschafft werden, empfindliche Messgeräte und komplizierte Versuchsaufbauten müssen für den Umzug vorbereitet werden. Die Frage ist: wohin? Unter Hochdruck wird derzeit an einer Übergangslösung gebastelt. Das Präsidium hat dafür eine Task Force eingerichtet.

„Forschung und Lehre können wir derzeit nicht betreiben. Unsere Studenten mussten wir nach Hause schicken – und Ergebnisse können wir auch keine liefern“, sagt ein Doktorand, der anonym bleiben möchte. Alles sei ungewiss. Viele wissenschaftliche Mitarbeiter machten sich Sorgen um ihre Stellen, erzählt er: Denn Projekten, die keine Ergebnisse produzieren, werde schnell das Geld abgedreht. „Natürlich leidet auch der Ruf unserer Institute“, fürchtet der junge Mann.

In dem Gebäude aus dem Jahr 1962 sind Arbeitsgruppen der Institute für Technische Chemie, für Physikalische und Theoretische Chemie sowie Seminarräume untergebracht. In Kürze sollte das Gebäude grundlegend saniert werden: Nicht nur der Brandschutz sei ungenügend, auch die energetische Bilanz, sagt TU-Präsident Hesselbach: „Hier im Winter zu arbeiten, ist eine Zumutung!“ Erst vor drei Monaten hatte er im Interview mit unserer Zeitung den baulichen Zustand vieler TU-Gebäude kritisiert: „Mehr als die Hälfte unserer Gebäude stammen aus den 1960er und 70er Jahren. Da haben wir einen immensen Sanierungsstau.“ Und er hatte gewarnt: „In eine marode Bude bekommen Sie keine Spitzenforscher!“

Dass der Sanierungsaufwand in der Hans-Sommer-Straße 10 deutlich höher ausfallen wird als ursprünglich angenommen, ist klar, seitdem die Arbeiten im gegenüberliegenden Elektro-Hochhaus begonnen haben, das aus der gleichen Zeit stammt. Mit dem Land Niedersachsen und dem Staatlichen Baumanagement wird nun überlegt, ob das Gebäude wie geplant saniert werden soll – oder ob ein Neubau eventuell die wirtschaftlichere Lösung wäre.

TU-Präsident Hesselbach sagt: „Die Kosten werden nun geprüft. Aber aus dem Bauch heraus würde ich sagen: Ein Neubau ist die einzige sinnvolle Lösung!“ Geld sei wegen der geplanten Sanierung vorhanden, und ein optimaler Bauplatz fällt ihm auch spontan ein: die freie Fläche neben dem BRICS, dem gemeinsamen Forschungszentrum von TU und Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung am Rebenring, das vor drei Monaten eröffnet wurde.

Zurück zu den jungen Forschern, die auf ihre Bachelor- und Doktorarbeiten hinarbeiten und für die die Labore unabdingbar sind. Sie können nachvollziehen, dass der Brandschutz nicht ausreichend war – niemand kennt die Arbeitsbedingungen in den Laboren schließlich besser als sie. Doch sie kritisieren, dass an den Zuständen nicht längst etwas geändert wurde. „Sehenden Auges ist man ins Verderben gelaufen – und hat dabei auch unsere Sicherheit aufs Spiel gesetzt“, sagt eine junge Forscherin.

Hesselbach verspricht: „Eine zeitliche Verzögerung wird es geben. Aber wir bemühen uns, bis spätestens Weihnachten Lösungen für die Lehre, den laufenden Institutsbetrieb und für die Promotionsprojekte zu finden. Wir sorgen dafür, dass niemandem ein gravierender Nachteil entsteht!“

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