Muss das Ringgleis asphaltiert werden?

Braunschweig  Radfahrer ärgern sich über Schlaglöcher und Rinnen. Doch häufiges Ausbessern gilt als günstigere Variante.

Ein Nutzer unseres Internetportals alarm38 kritisiert:

Das Ringgleis ist eine Zumutung bei dem Winterwetter! Eine schnelle Begutachtung ist angesagt.

Die Antwort recherchierte Jörn Stachura

Ist das Ringgleis eine verschlammte Buckelpiste? Die Klagen über die Fahrbahn sind fast so alt wie das Ringgleis selbst. Wer verstehen will, warum die Fahrbahn nicht asphaltiert ist, muss die Geschichte des Ringgleises bemühen.

Das Ringgleis war nie ein städtisches Vorhaben. Im Jahr 2001 haben Mitglieder des Braunschweiger Forums und Anwohner auf eigene Faust die Absperrungen zwischen Kreuzstraße und Madamenweg entfernt, Büsche weggeschnitten und Sand auf dem Schotter der Gleise verteilt. So sollte ein sicherer Fuß- und Radweg für die Kinder des Quartiers entstehen. Das Ziel: Niemand mehr sollte entlang des Rings radeln müssen.

Mit Geldern aus dem Förderprogramm Soziale Stadt wurde das Projekt befördert. Grundproblem war aber: Es gab nie genug Geld, um alle Projekte im Sanierungsgebiet zu finanzieren. Ganz oben auf der Prioritätenliste stand die Sanierung der Spielplätze. Der „sichere Fuß- und Radweg für Kinder“ war wichtig, die Verlängerung ganz wichtig, doch der Fahrbahn-Standard, der dem in unseren Parks entspricht, schien ausreichend.

Erste Zweifel gab es daran bereits im Jahr 2007. Der „sichere Fuß- und Radweg für Kinder“ war mittlerweile in die Kategorie Freizeit-Weg aufgestiegen. Denn je länger das Ringgleis wurde, desto mehr Radfahrer genossen die Fahrt durch Braunschweigs Hinterhof.

Der Radfahrerclub ADFC ging folgerichtig auf Inspektionstour und stellte fest: Die wassergebundene Decke mag in Parks eine tolle Sache sein, auf der Ringgleis-Trasse aber nicht. Anders als Asphalt muss die Ringgleis-Decke regelmäßig gepflegt werden. Pflege ist teuer – aber weitaus billiger, als die Strecke von der Gartenstadt bis zum Eichtal zu asphaltieren. In der Politik fand sich niemand, der diese Investition unterstützen wollte. Wir befinden uns immer noch in der Zeit der Sparhaushalte.

Im Jahr 2010, damals wuchs das Ringgleis bis über die A 391 hinaus, legte die Stadt einen Masterplan für das Ringgleis vor. Der „sichere Fuß- und Radweg für Kinder“ sollte zu einem Braunschweiger Alleinstellungsmerkmal werden. Ein Leuchtturm-Projekt. Der Fuß- und Radweg soll sich um die gesamte Stadt ziehen. Wie bekannt, ist das Ringgleis seither nicht um einen Meter länger geworden. Kein Geld. Allerdings wurde ein gesamtstädtischer Arbeitskreis Ringgleis gegründet. Bürger und Verwaltung diskutieren über die Zukunft des Ringgleises. Und auch dort reißt die Kritik an der Ringgleis-Fahrbahn nicht ab.

Doch Geld für eine asphaltierte Ringgleis-Decke will niemand zur Verfügung stellen. Im Westlichen Ringgebiet gibt es im Sanierungsbeirat – dort befinden Bürger und Politik gemeinsam über die Verwendung von Fördergeldern – einen breiten Konsens: Eine neue Fahrbahndecke hat keine Priorität. Es gibt im Sanierungsgebiet Wichtigeres.

Geld haben zwar auch die Grünflächenplaner im Rathaus. Doch auch die haben andere Prioritäten. Ihr Etat ist für die Verlängerung des Ringgleises vorgesehen. Das Thema Geld spielt in den Debatten allerdings nicht die einzige Rolle. Denn inzwischen ist ein anderes Problem aufgetaucht: Der „sichere Fuß- und Radweg für Kinder“ ist zur wichtigsten Nord-Süd-Verbindung für Radfahrer geworden. Neue Fahrradstraßen kreuzen. Nicht nur Freizeit-Radler sind dort unterwegs, sondern längst auch ganz viele Berufstätige. Das neue Argument gegen Asphalt lautet: Wird asphaltiert, wird noch schneller gefahren. Das gefährdet Senioren und Kinder. Ein Argument, das schwer von der Hand zu weisen ist. Denn vom Ringgleis sollen alle etwas haben – nicht nur Radfahrer in Zeitnot. Doch das Raser-Argument verliert mittlerweile an Zugkraft. Reinhard Manlik, planungspolitischer Sprecher der CDU, zählt auch zu den Genervten und meint: „Auch ohne Asphalt wird dort schnell gefahren. Mit Asphalt könnten wir die Pflegekosten sparen.“ Geld für Ringgleis-Asphalt steht freilich auch im nächsten Haushalt nicht zur Verfügung.

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