Verkehrs-GmbH will zwei weitere "Emils" kaufen

Braunschweig  Die Fördergelder für zwei weitere Elektrobusse sind bereits beantragt. Am Hauptbahnhof wird eine dritte Ladestation gebaut.

Der Elektrobus Emil lädt am Hauptbahnhof seine Batterien auf, bevor es auf der Linie M19 um den Ring geht.

Der Elektrobus Emil lädt am Hauptbahnhof seine Batterien auf, bevor es auf der Linie M19 um den Ring geht.

Foto: Florian Kleinschmidt/BestPixels.de

Wo bleibt Emil? Die Elektrobusse der Verkehrs-GmbH stehen unter genauster Beobachtung der Fahrgäste. Zuletzt waren sie eher selten unterwegs. Doch bei der Verkehrs-GmbH ist man so zufrieden mit ihnen, dass zwei weitere Elektro-Gelenkbusse gekauft werden sollen.

Dass Braunschweig der Zeit voraus ist, trifft in Sachen Elektrobusse tatsächlich zu. Seit März 2014 ist der kleine Emil unterwegs, und seit Ende des vergangenen Jahres drehen die langen Emil-Gelenkbusse ihre Runden um den Ring. Kaum ein Grundschüler der Stadt, der nicht bereits vom kleinen Emil zur Schule gefahren wurde. Zum Vergleich: In Berlin fahren erst seit September Elektrobusse. Die Hannoveraner müssen sich noch bis Ende 2016 gedulden.

Doch dass Braunschweig Vorreiter ist und Prototypen im Einsatz sind, das habe natürlich auch Schattenseiten, sagt Frank Brandt. Er ist Emil-Projektleiter bei der Verkehrs-GmbH und erlebt hautnah, wie Fehler die Elektrobusse immer wieder zu unplanmäßigen Werkstatt-Aufenthalten zwingen.

Zuletzt funktionierte die Klimaanlage nicht richtig, die ein Überhitzen der Batterien verhindert. „Das Problem ist jetzt gelöst. Doch dann fiel auf, dass die Elektromotoren seltsame Geräusche von sich geben.“ Der Grund: Sie waren nicht optimal platziert. Die Motoren aller Busse wurden also ausgebaut und leicht versetzt wieder im Fahrzeug eingebaut. Brandt: „Das hört man. Es ist jetzt noch leiser im Innern der Busse geworden.“

Drei der vier Gelenkbusse drehen mittlerweile ihre Kreise. Den Vierten bremst ein bislang noch unbekannter Elektrofehler aus. Brandt: „Die Techniker messen sich gerade durch den Bus. Es ist wahrscheinlich eine der aberhundert Steckverbindungen, die nicht richtig funktioniert.“

Dennoch: Die Verkehrs-GmbH hat beim Land Fördergelder beantragt, um zwei weitere Elektrobusse zu kaufen. Im März soll es Antwort geben. „Aber wir müssen natürlich schauen, ob wir uns die Busse noch leisten können.“ Nicht nur die Stadt muss wegen der VW-Krise sparen, sondern auch die Verkehrs-GmbH.

Doch am Ziel werde nicht gerüttelt, sagt Brandt. Der Plan ist: Auf der Linie M19 soll rein elektrisch um den Ring gefahren werden. Dazu werden sechs Elektro-Gelenkbusse benötigt. Vier hat die Verkehrs-GmbH bereits.

Im vergangenen Frühjahr ließ sie allerdings die Gelegenheit verstreichen, mit Fördergeldern vom Bund die restlichen zwei Busse zu kaufen. Der Grund: „Wir bekamen zwar Fördergeld, haben es aber anders investiert“, berichtet Brandt. Denn es habe sich herausgestellt: „Wir haben nicht genug Ladestationen für sechs Elektrobusse.“

Mit den Fördergeldern des Bundes wurden darum Ladestationen statt Elektrobusse gekauft. Am Hauptbahnhof wird nun eine dritte Ladestation gebaut. Diese Ladestation soll möglichst noch im Dezember in Betrieb gehen. „Anderenfalls gibt es Wartezeiten für die Elektrobusse, und wir können im Normal-Betrieb den Fahrplan nicht halten.“ Die Arbeiten am Hauptbahnhof haben Priorität. Die Arbeiten an einer neuen Nachlade-Station am Weißen Ross sind zwar schon fortgeschritten, diese Station soll aber erst im Januar in Betrieb gehen.

Bei der Verkehrs-GmbH hat unteressen auch das Rechnen begonnen. Lohnen sich Elektrobusse? Sie sind schließlich teurer als Gelenkbusse. Brandt sagt: „In der Kalkulation ist der Kaufpreis nur ein Faktor.“ Wie steht es um die Wartungskosten? „Von Straßenbahnen, die auch mit Elektromotoren fahren, wissen wir, dass die 40 Jahre klaglos ihren Dienst tun. Motor- und Getriebe-Defekte, die bei Dieselbussen mit hohen Kilometerleistungen normal sind, sollten bei Elektrobussen kein Thema sein.“ Auch die Betriebskosten wollen verglichen werden. „Der Energieverbrauch eines Elektrobusses ist gering. Jährlich sparen wir 14 000 Euro gegenüber einem Dieselbus.“ Sind vier Elektrobusse unterwegs, ist nach fünf Jahren die Summe zusammen, die ein neuer Dieselbus kostet. In der Theorie jedenfalls.

Doch dass Emil auch auf anderen Buslinien im Stadtgebiet unterwegs sein könnte, daran wird bei der Verkehrs-GmbH zurzeit nicht gedacht. Brandt sagt: „Es ist nicht so, dass Emil konkurrenzlos wäre. Wir wissen noch nicht: Gibt es bessere Systeme?“

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