Jahrestag der Pogromnacht – Ärger um Kundgebungen

Braunschweig  Das Bündnis gegen Rechts fordert die Stadt auf, die Bragida-Demo zu verlegen. Beide wollen vors Rathaus. Die Stadt will am Dienstag entscheiden.

Die in der Pogromnacht 1938 gesprengte Synagoge in der Alten Knochenhauerstraße wurde 1940 abgerissen.

Die in der Pogromnacht 1938 gesprengte Synagoge in der Alten Knochenhauerstraße wurde 1940 abgerissen.

Foto: Braunschweigisches Landesmuseum

Zum Gedenken an die Reichspogromnacht ruft das Bündnis gegen Rechts für kommenden Montag zu einer Kundgebung auf. In der Nacht auf den 10. November 1938 wurde die Braunschweiger Synagoge von der SA und der SS gesprengt, jüdische Geschäfte wurden geplündert, jüdische Männer verhaftet und ins Konzentrationslager Buchenwald gebracht.

„Wir wollen an diesem Tag ein deutliches Zeichen setzen: gegen Antisemitismus, Rassismus, Islamfeindlichkeit und Hetze gegen Flüchtlinge“, kündigt Bündnis-Sprecher David Janzen an. Die Kundgebung soll ab 18 Uhr auf dem Platz der Deutschen Einheit vorm Rathaus stattfinden, erwartet werden rund 500 Teilnehmer.

Wer darf vors Rathaus?

Allerdings hat auch Bragida eine Versammlung für kommenden Montag angemeldet: Sie soll wie schon an den vergangenen Montagen ab 19 Uhr ebenfalls vorm Rathaus stattfinden. Die Anmeldung dafür ist etwas eher bei der Stadt eingegangen als die des Bündnisses gegen Rechts.

Janzen geht davon aus, dass die Stadt eine der Kundgebungen an einen anderen Ort verlegen wird: „Sollte die Stadt Bragida den Rathausplatz überlassen, wäre das ein fatales Signal! Wir werden den Rassisten, Flüchtlingsfeinden und Hassbürgern nicht die Straße überlassen.“

Wie die Stadtverwaltung mit den beiden Anmeldungen umgeht, steht noch nicht fest. Stadtsprecher Rainer Keunecke teilte am Montag mit, dass in Absprache mit der Polizei voraussichtlich am Dienstag eine Entscheidung fallen soll.

Verdi: Kein Platz für Neonazis

Zu Wort gemeldet hat sich auch Verdi-Bezirksgeschäftsführer Sebastian Wertmüller: „Dieser Tag ist ein Erinnerungstag an den Auftakt zur Vernichtung der deutschen und europäischen Juden vor 77 Jahren. Da haben Neonazis, Rechtspopulisten, Rassisten und Hooligans am zentralen Platz der Stadt nichts zu suchen – sonst übrigens auch nicht.“

Auch er fordert die Stadt auf, die Bragida-Kundgebung zu verlegen. „Braunschweig tut viel Gutes, wenn es um Flüchtlinge, um Toleranz und um ein friedliches Zusammenleben geht“, schreibt Wertmüller in einer Mitteilung. „Der Umgang mit dem Jahrestag der Reichspogromnacht 2015 gehört bisher nicht dazu.“

Bei der Kundgebung des Bündnisses gegen Rechts sind mehrere Redner vorgesehen, unter anderem ein Vertreter der Liberalen Jüdischen Gemeinde Wolfsburg/Region Braunschweig, Uwe Fritsch, Vorsitzender des VW-Betriebsrates in Braunschweig, und Dirk Bitterberg, Vize-Vorsitzender des Awo-Bezirksverbands.

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