Polizeibeamter betrieb illegale Hanf-Plantage

Braunschweig  Eine Zivilstreife nahm in Braunschweig einen Polizeibeamten mit 40 Gramm Marihuana fest. Der Beschuldigte ist Mitglied eines Mobilen Einsatz-Kommandos.

Das Symbol-Foto zeigt eine Plantage für Cannabis-Pflanzen, die Polizeibeamte 2012 in einer Wohnung in Baden-Württemberg fanden.

Das Symbol-Foto zeigt eine Plantage für Cannabis-Pflanzen, die Polizeibeamte 2012 in einer Wohnung in Baden-Württemberg fanden.

Foto: dpa/Archiv

Die Polizeibeamten, die einen des Drogenhandels Verdächtigen überprüfen wollten, erlebten eine faustdicke Überraschung: Der 30-Jährige zückte seinen Dienstausweis und stellte sich ihnen als Kollege vor. Damit versuchte er offenbar, wie sich später herausstellte, den Verdacht im letzten Moment doch noch von sich zu lenken.

Nach Informationen unserer Zeitung ließen sich die Braunschweiger Beamten, die den Bereich Holwedestraße und Königsstieg auf Drogenhandel observiert hatten, davon jedoch nicht beeindrucken. Der Kollege hatte 40 Gramm Marihuana dabei. Die weitere Überprüfung ergab schließlich, dass der Polizeibeamte im Keller seines Wohnhauses in Gifhorn eine Hanf-Plantage in größerem Stile betreibt. Daraus wird Marihuana hergestellt. Mehr als 60 Pflanzen, Rauschgift und die technische Ausstattung dieses Drogen-Kellers wurden sichergestellt.

Zunächst hatte die Braunschweiger Polizei in ihrer Pressemitteilung nicht erwähnt, dass es sich bei dem Festgenommenen und geständigen Beschuldigten, gegen den jetzt ermittelt wird, um einen Polizeibeamten handelte. Polizeisprecher Joachim Grande erklärte dies auf Nachfrage unserer Redaktion damit, dass dies auch zum Schutz des Beschuldigten geschehen und mit der Staatsanwaltschaft abgestimmt gewesen sei.

Grande sagte, die Polizei sei sehr betroffen über den Vorgang, dass ein Beamter unter diesem schwerwiegenden Verdacht jetzt Beschuldigter sei und gegen ihn ermittelt werde. Gleichzeitig, so Grande, seien es Polizeibeamte gewesen, die ihm das Handwerk gelegt hätten. Der Polizeisprecher bestätigte unserer Zeitung Informationen des Norddeutschen Rundfunks, nach denen der 30-jährige Beschuldigte im Polizeidienst Mitglied eines Mobilen Einsatz-Kommandos (MEK) ist. Er sei jetzt vom Dienst suspendiert, befinde sich jedoch auf freiem Fuß.

Nach unbestätigten Informationen unserer Zeitung aus Polizeikreisen soll der 30-Jährige bis vor rund sechs Jahren selbst im Fachkommissariat Betäubungsmittel für die Bekämpfung von Rauschgiftkriminalität zuständig gewesen sein. „Er wusste, was er da tat – und verliert jetzt alles“, sagt ein Insider. In Polizeikreisen herrsche Entsetzen.

Der Festnahme erfolgte bereits am vergangenen Freitag. Polizeisprecher Joachim Grande sagte, die observierende Zivilstreife habe Anhaltspunkte für Drogenhandel auf offener Straße gehabt und sei von der weiteren Entwicklung dieses Falles ebenfalls überrascht gewesen. Den festnehmenden Beamten sei der Kollege nicht bekannt gewesen.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Leserkommentare (87)