Eintracht-Fans – Fanprojekt braucht Hilfe

Braunschweig  In der 1. Liga sind die Aufgaben dramatisch angestiegen. OB-Kandidaten sagen unisono Unterstützung zu.

Von links: Robin Koppelmann, Holger Herlitschke, Udo Sommerfeld, Ulrich Markurth, Wolfgang Büchs, Hennig Brandes, Karsten König.

Von links: Robin Koppelmann, Holger Herlitschke, Udo Sommerfeld, Ulrich Markurth, Wolfgang Büchs, Hennig Brandes, Karsten König.

Foto: Kleinschmidt

Braunschweig. Noch ist der Oberbürgermeister-Wahlkampf für die Wahl am 25. Mai nicht offiziell eröffnet – doch die Konturen sind bereits sichtbar. Es geht sachlich zu, Angriffe und Vorwürfe sind verpönt. Ein Beispiel gab es jetzt im Vip-Bereich des Stadions, wo der Fan-Rat und das Fanprojekt die fünf Kandidaten geladen hatten, um über Fußball, Eintracht und Politik zu diskutieren.

„Auch das Fanprojekt startete von der 3. in die 1. Liga durch. Es sind riesige Dimensionen.“
Karsten König, Leiter des Braunschweiger Fanprojekts

„Wahlkampfzeit ist Geschenke-Zeit“, so Moderator Robin Koppelmann ironisch. Aber da passten alle gut auf, keine allzu platten Versprechungen zu machen, die sich später doch nicht einhalten lassen. Deutlich wurde jedoch, dass das seit 2007 bestehende Fanprojekt in Braunschweig angesichts der gewaltigen neuen Aufgaben in der Ersten Liga personell unterbesetzt ist und zu wenig Geld bekommt.

Träger ist der Awo-Kreisverband. Die sogenannte Drittelfinanzierung wird zu gleichen Teilen von der Deutschen Fußball-Liga (DFL), Stadt Braunschweig und Land Niedersachsen getragen. „Auch das Fanprojekt ist ja von der 3. in die 1. Liga durchgestartet. Es sind riesige Dimensionen, die da jetzt auf uns zukommen“, sagte der Leiter des Fanprojekts, Karsten König.

Tatsächlich kommt der Fanarbeit als Sozialarbeit auch angesichts des ungeheuren Zuschauer- und Medieninteresses national und weltweit sowie des gestiegenen Konfliktpotenzials enorme Bedeutung zu. Doch in Braunschweig hat das Fanprojekt lediglich zwei Mitarbeiter.

„Wir stehen da auf der gleichen Förderstufe und sogar noch niedriger als Holstein Kiel“, kritisierte Ulrich Markurth (SPD). Eine dritte Stelle für das Fanprojekt müsse die Konsequenz sein, an der Stadt Braunschweig werde dies nicht scheitern. Da stimmte Hennig Brandes (CDU) zu, der ins gleiche Horn stieß: „Jeder der drei Partner wird sicherlich aufstocken.“

Thema war auch das immer noch nicht fertiggestellte Fanhaus. „Wir bauen das jetzt schon zu lange. Es hätte schon längst stehen müssen“, sagte Ulrich Markurth. Holger Herlitschke (Grüne) und Udo Sommerfeld (Linke) priesen das entstehende Fanhaus auf dem Stadiongelände als eine der wichtigsten soziokulturellen Einrichtungen der Stadt.

Wolfgang Büchs (BIBS) sagte: „Mit öffentlichen Mitteln werden Vip-Logen gebaut. Doch für die Fanszene werden nur ein paar Container zusammengeschoben.“ Dagegen wandte sich Hennig Brandes: „Von Klassenkampf im Stadion halte ich gar nichts. In der Bundesliga braucht ein Verein auch Vip-Logen.“

Klar, dass auch der Sicherheitsaspekt eine wichtige Rolle spielte, nicht nur wegen der anstehenden beiden Heimspiele gegen VfL Wolfsburg und Hannover 96. Einerseits wurde einmütig und mit Genugtuung registriert, dass vorm Braunschweiger Stadion rund um die „Wahre Liebe“ mittlerweile eine einzigartige Atmosphäre herrscht, die die Fans unterschiedlicher Lager nicht trennt, sondern zusammenbringt.

Über diesen Geist von Braunschweig staunt mittlerweile die Liga. Andernorts, so ein Zuschauer, gebe es oft seelenlose „Tempel“ ohne Atmosphäre und mit hermetischer Trennung. Kräftiger Beifall im Publikum und Zustimmung bei den Kandidaten – Eintracht gehört an die Hamburger Straße. Allerdings, auch das wird klar, die Anbindung über öffentliche Verkehrsmittel an die Innenstadt muss nachts nach den Spielen noch besser werden.

Und die Fans mit ihren Sprüchen? Da hatte Ulrich Markurth einen Wunsch: „Sprüche wie ’Scheiß Hannover’ gehören sich nicht. Die wollen wir nicht.“ Da nickten die Kollegen. Der Beifall im Publikum an dieser Stelle war nicht bemerkenswert.

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