Protestkette aus 2000 Menschen

Braunschweig  Rund 2000 Teilnehmer, so schätzen die Veranstalter, demonstrierten am Samstagnachmittag gegen die Verarbeitung nuklearer Stoffe in Thune.

In der Menschenkette um das Industriegebiet Thune ließen Teilnehmer gelbe Luftballons fliegen.

In der Menschenkette um das Industriegebiet Thune ließen Teilnehmer gelbe Luftballons fliegen.

Foto: Karsten Mentasti

Mit einer dichten Menschenkette rund um das Industriegebiet Thune setzten die Teilnehmer ein Zeichen des Zusammenhalts im Protest gegen die Verarbeitung nuklearer Stoffe in der Nähe von Wohngebieten, Schulen, Kindergarten und Jugendzentrum.

Im Industriegebiet sind mehrere Firmen ansässig, darunter Eckert & Ziegler, die strahlende Materialien verwenden, die einerseits für medizinische Produkte benötigt werden. Andererseits werden dort auch radioaktive Abfälle bearbeitet, so dass sie als Atommüll in Zwischen- und später in Endlager gebracht werden können.

Die Bürgerinitiative Strahlenschutz Braunschweig (Biss) hatte zu der Menschenkette aufgerufen und unter anderem organisatorische Unterstützung von der AG Schacht Konrad erhalten. Einer Treckerkolonne aus Salzgitter schlossen sich in der Braunschweiger Innenstadt rund 200 Radfahrer an, die in einer langen Reihe nach Thune fuhren. Dort trafen zwischen 15.30 und 16 Uhr auch Fußgängergruppen von vier Sammelpunkten rund um den Standort der Nuklearfirmen ein, darunter aus Harxbüttel und dem Gewerbegebiet Waller See.

Viele der Teilnehmer an der Protestaktion trugen gelbe Warnwesten, Anti-Atom-Fahnen oder Schilder mit ironischen bis ernsten Aussagen wie „Unsere Kinder strahlen vor Glück“, „Keine verstrahlten Pausenhöfe“ oder „100000 Menschen im Umkreis von 5 km in Gefahr“. Und fast alle Glieder der Menschenkette hielten gelbe Luftballons, die sie um 16.15 Uhr gemeinsam fliegen ließen. Der Flughafen Braunschweig-Wolfsburg genehmigte dafür aus Sicherheitsgründen extra zehn Minuten lang keine Starts und Landungen.

„Ich glaube, dass das Urteil des Verwaltungsgerichts am Mittwoch, nach dem Eckert & Ziegler eine neue Chance auf kurzfristige Erweiterung der Hallenkapazitäten erhalten hat, viele aufgerüttelt hat“, sagte Peter Meyer, stellvertretender Biss-Vorsitzender.

Erfahrene Kundgebungs-Teilnehmer meinten, dass sogar deutlich mehr als die von Meyer genannten 2000 Menschen auf der Harxbütteler Straße, dem Gieselweg und entlang des Mittellandkanals sowie auf einem Feld das Industriegebiet umzingelt hätten.

„Wir wollten mit unserer Angabe nicht übertreiben“, sagte Meyer. Er bot der Stadt erneut aktive Mithilfe der Biss an, bei der Gestaltung des neuen Bebauungsplans für das Industriegebiet mitzuwirken mit dem Ziel, „dass die Stadt Eckert & Ziegler innerhalb von fünf bis zehn Jahren den Umzug auf ein anderes Gelände anbietet, das bessere Rahmenbedingungen für den Umgang mit radioaktivem Material bietet“.

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