Katholische Studenten zwischen Tradition und Moderne

Braunschweig  Bei der Cartellversammlung mit 1200 Teilnehmern wurde an Werte appelliert und über gesellschaftliche Probleme diskutiert.

„Unter Freunden studieren“ stand in großen Lettern an der Stadthalle, wo der Cartellverband (CV) der katholischen deutschen Studentenverbindungen sich mit rund 1200 Teilnehmern am Wochenende zur Cartellversammlung traf.

„Wer keine längerfristige Einkommenssicherung hat, tut sich schwer damit, eine Familie zu gründen.“
Wolfgang Braun, Sprecher des Cartellverbandes.

Am Wochenende spazierten viele bunt bemützte Alte Herren und Studenten in Damenbegleitung durch die Stadt. Trotz Regens bevölkerten sie auch die Innenstadt und genossen das bunte Rahmenprogramm mit Abschlussgottesdienst am Sonntag in St. Aegidien.

Aus der ganzen Bundesrepublik waren die Studenten und Akademiker als Delegierte in die Löwenstadt gekommen, um an drei Tagen Beschlüsse zu fassen und aktuelle Probleme rund um Studium und Gesellschaft zu diskutieren. Mit rund 30 000 Mitgliedern ist der CV der größte katholische Akademiker-Verband Europas.

Es gibt ihn seit mehr als 150 Jahren. Seine Ursprünge liegen in Süddeutschland. Prominente CVer sind unter anderem der Showmaster Thomas Gottschalk und ZDF-heute-journal-Chef Claus Kleber.

Zentrales Thema der diesjährigen Cartellversammlung waren der demographische Wandel und die Frage der Vereinbarkeit von Studium, Beruf und Familiengründung. „In unserer auf Singles ausgerichteten Gesellschaft ist es immer noch schwer, sich dem Zwang zu dauernder Berufstätigkeit für beide Partner zu entziehen“, sagte Pressesprecher Wolfgang Braun.

Verschärft werde das Problem durch die zunehmende Unsicherheit beim Berufsstart junger Uni-Absolventen, etwa infolge befristeter Arbeitsverhältnissen, was eine Familiengründung immer schwieriger mache. „Wer keine längerfristige Einkommenssicherung hat, tut sich schwer damit, eine Familie zu gründen“, sagte Braun. Die Politik sei gefordert, Studieninhalte so zu gestalten, dass der Berufseinstieg weitgehend ohne Stolpersteine gelinge. Die Festrede in der Stadthalle hielt am Samstagabend Volker Kauder, Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Untereinander nennen sich die Freunde übrigens „Cartellbrüder“, was mit ihren vier Prinzipien Amicitia (Lebensbund), Scientia (Bildung und Wissenschaft), Religio (Bekenntnis zur römisch-katholischen Kirche) und Patria (Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung ) zusammenhängt.

Ein enges Netzwerk in Studium und Beruf und die Internationalität seiner Mitglieder sind wichtige Aushängeschilder, die dem CV im vergangenen Jahr mehr als 500 Neumitglieder beschert haben.

Enge Verbindungen pflegt der Verband ins europäische Ausland, nach Japan und auch nach Afrika, wo Cartellbrüder als Diplomaten, Missionare und Entwicklungshelfer arbeiten. Die Braunschweiger CV-Niederlassung in der Schleinitzstraße 8 ist ein Treffpunkt für Vertreter aus Kultur- und Wissenschaft, was sich auch auf der diesjährigen Cartellversammlung zeigte.

Cartellbrüder aus vielen Ländern gaben sich dort die Klinke in die Hand, tauschten sich in geselliger Runde aus, ließen Kontakte neu aufleben, die seit dem Examen etwas eingeschlafen waren.

„So eine Cartellversammlung bietet immer auch die Gelegenheit, Cartellbrüder von früher zu treffen“, meint Pressesprecher Wolfgang Braun. Im Gegensatz zu einem Verein, der sich nur über gemeinsame Aktivitäten, etwa eine Sportart definiere, sei das Verhältnis der Cartellbrüder, getragen vom gemeinsamen katholischen Glauben, verlässlicher und vor allem auf Dauer angelegt.

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