Madame Julies Gespür für Sojabohnen

Braunschweig  Die 24-jährige TU-Studentin Julia Neumann hilft mit ihrem Einsatz Frauen in Ghana.

Die Braunschweiger Studentin Julia Neumann (links) leitet ein Hilfsprojekt in Ghana, das Frauen in Arbeit bringt.

Die Braunschweiger Studentin Julia Neumann (links) leitet ein Hilfsprojekt in Ghana, das Frauen in Arbeit bringt.

Foto: privat

Braunschweig. Noch ist Schonzeit für die Hähne in der Gemeinde Chereponi im Norden von Ghana. Aber nur bis August. Denn dann muss wieder einer von ihnen Federn lassen – als Gastgeschenk für Madame Julie, die „White Lady“ aus Braunschweig.

Madame Julie heißt eigentlich Julia Neumann und ist Soziologie-Studentin an der TU. 2008, nach dem Abitur, war sie das erste Mal in Ghana und knüpfte dort Kontakte – sie arbeitete in einem Waisenhaus. Im Sommer wird sie das fünfte Mal dort sein.

Warum sich die Chereponi-Bewohner freuen, sie zu sehen: Die 24-Jährige hat dort im Jahr 2010 ein bemerkenswertes Hilfsprojekt auf die Beine gestellt – das „Chereponi Women Empowerment Project“. Es bringt Frauen in Arbeit. Nur Frauen, wohlgemerkt.

Die Leute in Chereponi sind arm, hauptsächlich leben sie von Landwirtschaft. „Land gibt es genug, aber oft fehlen die Mittel, es zu bestellen“, sagt Julia Neumann. Ausstattung ist teuer, Saatgut auch.

In Chereponi ist besonders die Lage der Frauen schlecht. In der vorwiegend muslimischen Region sollen sie sich traditionell um Haushalt und Kinder kümmern, während die Männer das Geld verdienen. Die meisten landen so in finanzieller Abhängigkeit. Aber ohne ein Zweiteinkommen haben die Familien es schwer; es fehlt an regelmäßigen Mahlzeiten, Schulgeld oder Medizin. Julia Neumanns Projekt geht so: Der Star ist die Sojabohne, „eine sichere Pflanze, die dort benötigt wird“, so Neumann. Die Frauen im Projekt werden dabei unterstützt, Sojabohnen anzubauen. Sie erhalten Saatgut, Dünger – und Rat. Sie erwirtschaften sich so ein eigenes Einkommen, stärken damit sich und ihre Familie. Entwicklung mit Hilfe von Soja. „Das Projekt spricht sich immer weiter herum. Wir haben schon 50 Frauen in Arbeit gebracht“, erzählt die engagierte Studentin. 150 Frauen stehen auf der Warteliste.

Konflikte gab es: „Die Ehemänner müssen dem Projekt zustimmen und ihre Frauen zu den Feldern gehen lassen. Viele Männer waren skeptisch, ihre Autorität zu verlieren“, so Neumann. Mittlerweile freuten sie sich über die familiären Verbesserungen.

Der Clou ist die Einbindung der Frauen in alle Prozesse. Neumann: „Sie bekommen durch ihre Arbeit ein Selbstbewusstsein. Jede fühlt sich gleichberechtigt.“

Beginnt Ende Mai die Regenzeit in Ghana, werden die Felder gepflügt und gesät. Bis zur Ernte im Dezember kümmern sich die Frauen darum. Einen Teil der Ernte behalten sie, der Rest wird verkauft. Der Projektkreislauf enthält auch ein Darlehenssystem, mit dem Geld zurück ins Projekt fließt.

„Inzwischen sind wir drei Projektleiter, mit mir noch ein Student sowie ein angesehener Einheimischer, der die Koordination dort übernimmt“, sagt Julia Neumann. „Seit kurzem gehören wir zum Verein NEIA (Nachhaltige Entwicklung in Afrika).“

Über ihre Homepage sammelt sie Spenden. An der Uni hat sie ihr Projekt bisher nicht beworben. „Aber wenn jemand Interesse hat, spreche ich gern darüber.“

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