Was ist in Thune möglich?

Konflikt Eckert & Ziegler  Der große Streit beschäftigt Anwohner und Mitarbeiter, Firmen, Politik und Verwaltung

Blick aus der Luft auf das Gewerbegebiet in Thune.

Blick aus der Luft auf das Gewerbegebiet in Thune.

Foto: Heitefuß/Pilot: Starke

Es war eine besondere Stunde: Im Pressehaus hatten sie sich alle versammelt, Verantwortliche der Firma Eckert & Ziegler sowie der Unternehmen im Gewerbegebiet Thune, dazu Vertreter der Stadt und des Rates und etliche interessierte Bürger und Mitglieder der Bürgerinitiative Strahlenschutz (BISS).

Firmenchef Andreas Eckert und Thomas Huk von der BISS lieferten sich ein Rededuell, das es in sich hatte. Aber alles blieb sachlich, fair, wurde umfänglich dokumentiert. So geht das bei der Bürgerzeitung, die die Augenhöhe ihrer Leser einnimmt – und gleichzeitig alle Seiten zu Wort kommen lässt.

Am Konflikt indes ändert dies wenig, und der wird nicht nur auf Politik- und Verwaltungs-Ebene ausgetragen, sondern auch im Gerichtssaal. Die Fronten blieben auch nach dem Leserforum nicht nur verhärtet, sie wurden sogar noch härter.

Wenn der Journalist die Augenhöhe der Bürgerinitiative und betroffener Bürger einnimmt, dann sieht er:

•Sie wissen nicht, was alles an strahlendem Material in dem Unternehmen vorhanden ist, das radioaktive Medikamente herstellt und radioaktive Abfälle behandelt.

•Sie befürchten, dass es Auswirkungen und Schäden für die Umgebung und für die Menschen geben könnte.

•Sie glauben vielen Politikern und den Aufsichtsbehörden nicht mehr. Und befürchten, dass künftig strahlender Müll aus der Asse und Atomkraftwerken nach Thune kommt.

Wenn der Journalist die Augenhöhe der Mitarbeiter im Thuner Gewerbegebiet einnimmt, dann sieht er:

•Sie verweisen darauf, dass ihre Unternehmen seit vielen Jahren sicher arbeiten und einen wichtigen Beitrag zur Medizin und zur Entsorgung leisten.

•Sie wollen nicht Spielball der Politik und politischer Stimmungen sein.

•Sie wollen sichere Arbeitsplätze – in wirtschaftlicher und gesundheitlicher Hinsicht.

Vermitteln und ausgleichen muss auch die Stadt. Sie verhängte auf Beschluss des Rates eine Veränderungssperre, um ein von Eckert & Ziegler geplantes neues Gebäude „zur Messung, Konditionierung und sicheren Verpackung schwach radioaktiver Abfälle“ zu verhindern. Ein neuer Bebauungsplan wird zwingend aufgestellt. Der regelt, was in Thune möglich ist – und was nicht.

Und in einem ersten Entwurf sagt die Stadt: Bestandsschutz für alles Bisherige, aber für alles Neue Ausschluss der Abfallverarbeitung – egal welcher Art.

Im Resultat würde dies die Pläne des Unternehmens durchkreuzen, das sich indes nicht als Problem, sondern als Teil der Lösung sieht. Viele Bürger indes wollen nicht einmal den Bestandsschutz akzeptieren. Und so schwelt der Konflikt weiter, wird weiter gestritten, muss irgendwann entschieden werden.

Am Ende geht es vor Gericht. Schon klagt Eckert & Ziegler gegen die Stadt, weil diese sich gegen Ausnahmen von der Veränderungssperre sperrte.

Über den Bebauungsplan wird derzeit diskutiert. Auch die BISS ist nicht untätig, gab eine mehr als 20-seitige Stellungnahme im Rathaus ab. Ein Ende des Konflikts ist nicht absehbar. Es wird 2013 weiter ein Top-Thema sein – auch für die Bürgerzeitung. Das ist sicher.

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