Miteinander reden, voneinander lernen

Braunschweig  200 Frauen diskutierten beim interreligiösen Frauenmahl über Toleranz und Misstrauen zwischen den Religionen.

200 Frauen tauschten sich beim interreligiösen Frauenmahl in der St. Petri-Kirche über ihren Glauben aus.

200 Frauen tauschten sich beim interreligiösen Frauenmahl in der St. Petri-Kirche über ihren Glauben aus.

Foto: Susanne Hübner

Stimmengewirr erfüllt die Luft. 200 junge und alte Frauen mit unterschiedlichen Hautfarben, mit und ohne Kopftuch, in europäischer oder asiatischer Kleidung sitzen und stehen in St. Petri und unterhalten sich angeregt.

Pfarrerin Kristina Kühnbaum-Schmidt ist froh, dass das Interesse an diesem ersten interreligiösen Frauenmahl so groß ist. „Es gehört Mut dazu, hier zu sein und mit anderen Religionen und unbekannten Menschen den Dialog zu suchen“, sagt sie. „Wer sich auf den Dialog mit anderen einlässt, dem kann es passieren, dass er innerlich verändert den Tisch verlässt“, so die nicht ernst gemeinte Warnung.

Gemeinsam zu essen und dabei Frauen anderer Glaubensrichtungen kennenzulernen und mehr über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den Religionen zu erfahren war das Ziel des Frauenmahls. Als Vorbild dienten die Tischreden des Reformators Martin Luther. Regelmäßig luden er und seine Frau Katharina von Bora Studenten und Freunde zum Essen ein, denen der Prediger von seinen Gedanken und Ideen erzählte.

Die Themen der Tischreden am vergangenen Montag in St. Petri: Worin sich die großen Religionen unterscheiden, welche Möglichkeiten des Dialogs es zwischen ihnen gibt und welchen Stellenwert Religion und Glaube noch in der Gesellschaft haben.

Renate Wagner-Redding von der jüdischen Gemeinde gab zu bedenken, dass es schwer sei, mit anderen Religionen in Harmonie zu leben, „wenn man wenig voneinander weiß“. Darum sei der heutige Dialog so wichtig. Um den jüdischen Glauben zu verstehen, müsse man die jüdische Geschichte kennen. Es handele sich um eine sehr heterogene Glaubensgemeinschaft, da sie sich aus Juden aus unterschiedlichen Ländern zusammensetze.

Die katholische Gemeindereferentin Christl Schneider erinnerte in ihrer Tischrede daran, dass die Frau in der katholischen Kirche immer noch einen schweren Stand habe. „Bisher habe ich noch keine überzeugende Antwort erhalten, warum Frauen weiterhin von gewissen Positionen ausgeschlossen sind“, kritisierte sie.

Die Sozialwissenschaftlerin Ulrike Vogel kam zu dem Schluss, dass ein Dialog zwischen den Religionen dann funktioniere, wenn der Wille vorhanden sei, Anknüpfungspunkte für gemeinsame Fragen zu sehen. Wer allerdings für sich beanspruche, sein Glaube sei der einzig Richtige, der verbaue sich diese Chance.

Die Organisatorinnen bewerteten den Abend durchweg positiv. „So viel ist klar: Das Frauenmahl hat die Kirche mit Leben gefüllt“, freute sich Kühnbaum-Schmidt.

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