Eintracht kündigt Verhaltenskodex für Fans an

Braunschweig  Ist Eintracht Braunschweig auf dem rechten Auge blind? Eine Fangruppe hatte das am Samstag behauptet. Der Verein wehrt sich.

Sebastian Ebel, Präsident von Eintracht Braunschweig.

Sebastian Ebel, Präsident von Eintracht Braunschweig.

Eine Fan-Aktion mit Folgen: Überregional berichten Zeitungen und Fachmagazine. Fanprojekt-Leiter Karsten König erhielt Anrufe von irritierten Kollegen aus der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte.

Die DGB-Jugend Region Südost Niedersachsen legte sogar noch einmal nach und teilte mit: „Hier werden eindeutig die falschen Leute kriminalisiert, und das Problem der rechten Strukturen unter den Fußballfans, das in der Publikation Kurvenlage beschrieben wird, schlicht verdrängt. Wir fordern den Verein auf, sich mit den Betroffenen rechter Gewalt zu solidarisieren und konsequent gegen rechte Strukturen vorzugehen.“

Eintracht-Präsident Sebastian Ebel, Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt und Fanprojekt-Leiter Karsten König betrachten die Kritik als haltlos. Ebel verwies auf Leitlinien, die galten und nichts von ihrer Gültigkeit verloren hätten.

• Das Eintracht-Stadion ist und wird kein rechtsfreier Raum.

• Verstöße werden vom Verein mit Stadionverbot geahndet. Es gelte das Motto: „Null Toleranz.“

• Das Verhältnis zwischen Verein und Fans ist von einem Miteinander geprägt.

• Eintracht Braunschweig setzt darauf, dass es eine „Selbstregulierung“ innerhalb der Braunschweiger Fanszene gibt, um Auswüchse zu verhindern.

• Eintracht Braunschweig stellt sich vor Fanrat und Fanprojekt.

Denn deren Arbeit sei für den Verein eminent wichtig. Ebel: „Man kann nicht alles über Verbote allein regeln. Akzeptanz lässt sich nur herstellen, wenn es eine begleitende Sozialarbeit gibt, und am Ende ein Konsens hergestellt wird.“ Und diese Arbeit leiste Eintracht Braunschweig. „Wir sind in der Pflicht und kommen ihr auch nach.“ Es sei kein Zufall, dass Eintracht-Fans im Stadion keine Pyrotechnik abbrennen, ergänzte Geschäftsführer Voigt.

Ebel erinnerte daran, dass der Verein zu einer Diskussion zwischen Fans und Sinti und Roma eingeladen habe. Dass Sally Perel, Autor des Buchs „Ich war Hitlerjunge Salomon“, mit Fans diskutiert habe. Unerträgliche Schmähgesänge seien anschließend verstummt und nie wieder laut geworden.

König berichtete, dass mittlerweile an einem Verhaltenskodex für Fans gearbeitet und es eine neue Stadionordnung geben werde. Andere Vereine, zum Beispiel Werder Bremen, hätten einen derartigen Verhaltenskodex für Fans bereits. Zu den Inhalten machte König keine Angabe: „Das wird mit den Fans abgestimmt.“

Wann dieser Kodex fertig sein wird, vermochte König nicht zu sagen. Geplant sei gewesen, den Kodex bis Saisonende im Sommer 2013 zu verabschieden. „Aber wenn es länger dauern sollte, dann dauert es eben länger.“

König betonte: „Am Verhaltenskodex wird seit Saisonbeginn gearbeitet. Es gibt keinerlei Zusammenhang mit der Aktion am Samstag.“

Ebel verwies darauf, dass die Fangruppe UB01, die im Stadion Rassismus und rechte Gewalt angeprangert hatte, vom Verein im Jahre 2008 mit einem zweijährigen Stadionverbot belegt worden sei: „Wegen Gewalttätigkeiten.“ Unklar ist, wer die Publikation Kurvenlage verfasst hat. Der Name der angeblichen Verfasserin ist falsch.

Reden Sie mit: Was sollte in einem Verhaltenskodex für Eintracht-Fans stehen?

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