Konflikt unter Eintracht-Fans nach Bericht im Internet

Braunschweig  Die Polizei verhinderte am Samstag eine Eskalation zwischen politisch motivierten Eintracht-Fans. Hintergrund war offenbar ein Bericht im Internet.

Schnappschuss in die Zuschauermenge – die überwiegende Mehrheit der Eintracht-Fans hat mit Gewalt nichts am Hut. Symbol-

Schnappschuss in die Zuschauermenge – die überwiegende Mehrheit der Eintracht-Fans hat mit Gewalt nichts am Hut. Symbol-

Foto: Mottl/regios24

Als Eintracht-Fans bezeichnen sich beide Seiten, doch beim Spiel gegen den VfL Bochum am Samstag drohte ein Streit zwischen verfeindeten Braunschweiger Fan-Gruppierungen im Stadion zu eskalieren. Polizei und Ordnungskräfte mussten eingreifen, vorm Stadion flogen Steine und Flaschen.

Hintergrund der Auseinandersetzung soll laut Polizei eine Veröffentlichung im Internet gewesen sein. Die 80 Seiten starke Broschüre mit dem Titel „Kurvenlage – Rechte Aktivitäten in der Fanszene von Eintracht Braunschweig“ sei offenbar von einigen Besuchern als Provokation verstanden worden.

Veröffentlicht hat die Broschüre die „Initiative gegen rechte (Hooligan-)Strukturen“. Besonders brisant: Im Kapitel „Rechte Fußballfans und Hooligans bei Eintracht Braunschweig“ werden mehrere Gruppen genannt, von denen die Verfasser behaupten, sie seien „durch rechte Gewalt und Aktivitäten in Erscheinung getreten“. Zahlreiche Beispiele sollen die Vorwürfe belegen. Personen werden namentlich genannt und zum Teil auch im Bild gezeigt.

Ordnungskräfte und Polizei verhinderten Schlägerei

„Möglicherweise wurde dies als Provokation aufgefasst“, räumte Martin Schmidt von der Initiative am Montag ein. Er und andere Mitglieder der Initiative wären am Samstag „in friedlicher Absicht“ ins Stadion gegangen. Doch schon beim Eintritt seien sie mit dem Satz „Ihr kommt hier nicht lebend raus!“ begrüßt worden.

Die Initiative wollte nach eigenen Angaben einige Ultras auf ihrem Weg in die Nordkurve, Block 15, begleiten. Zusammen waren es laut Polizei rund 80 Personen. Schmidt: „Wir haben die Ultras zum Schutz begleitet, da es in der Vergangenheit vorgekommen ist, dass sie im Anschluss ans Spiel vorm Stadiongelände geprügelt wurden.“

Polizeisprecher Joachim Grande berichtet, dass 25 bis 30 Personen aus der Südkurve die „Konfrontation gesucht“ hätten. Ordnungskräften und Polizei sei es gelungen, eine Auseinandersetzung im Stadion zu unterbinden. Noch während des Spiels wurde ein Trennzaun aufgebaut und den betroffenen Nordkurven-Besuchern empfohlen, nach dem Spiel nicht einfach das Stadion zu verlassen, sondern sich – begleitet von der Polizei – von einem Bus Richtung Innenstadt fahren zu lassen.

Flaschen und Steine flogen auf Polizisten

„Es drohte die Gefahr von körperlichen Übergriffen“, begründet Polizeisprecher Grande dies. Und richtig: Vor der Shell-Tankstelle an der Hamburger Straße versammelte sich wie berichtet eine Gruppe von rund 30 Personen, die von der Polizei als C-Fans bezeichnet werden – als gewaltbereite Fans. Als die eigentlichen „Gegner“ nicht kamen, richtete sich die Gewalt schließlich gegen die Beamten. Grande: „Es kam zu Flaschen- und Steinwürfen.“ Zwei polizeibekannte Personen seien festgesetzt worden, gegen einen wurde Anzeige erstattet.

Die Eintracht bezog am Montag in einer offiziellen Stellungnahme Position: „Wir distanzieren uns seit vielen Jahren von jedweder Form von Rassismus und Extremismus im Stadion.“ Es gebe einen engen Austausch zwischen dem Verein, dem Fanrat, dem Fanprojekt und den zuständigen Behörden. Dies habe innerhalb der Fanszene zu einer hohen Sensibilität gegenüber Rassismus und Extremismus geführt. Wer sich im Stadion gesetzeswidrig verhalte, erhalte „kompromisslos Stadionverbot“.

In dem Schreiben, unterzeichnet von Eintracht-Präsident Sebastian Ebel und Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt, heißt es weiter: „Wir werden es nicht zulassen, dass wir in einer sportlich außerordentlich erfolgreichen Zeit als politische Plattform missbraucht werden.“

Karsten König vom Fanprojekt wollte sich am Montag nicht näher zu den Hintergründen äußern.

Polizeisprecher Grande kündigt an: „Wir werden die Szene sehr sorgfältig im Auge behalten, in Gaststätten wie im Internet.“ Niemand müsse Sorge vor gewalttätigen Auseinandersetzungen im Stadion haben, betont er.

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