Wenn wir Eckert & Ziegler wären ...

Braunschweig  Antworten der Bürgerinitiative Strahlenschutz BISS auf Fragen der Leser zum Leserforum „Atommüll in Thune?!“

Dr. Thomas Huk von der Bürgerinitiative Strahlenschutz BISS am Mikrofon beim Leserforum Thune unserer Zeitung.

Dr. Thomas Huk von der Bürgerinitiative Strahlenschutz BISS am Mikrofon beim Leserforum Thune unserer Zeitung.

Foto: Rudolf Flentje

Nach unserem Leserforum „Atommüll in Thune?!“ setzen wir den Abdruck der Fragen unserer Leser und der Antworten fort. Heute Antworten, die uns von Dr. Thomas Huk und Peter Meyer von der Bürgerinitiative Strahlenschutz BISS in Thune erreichten.

Wie würden sich die Kritiker an Stelle der Firma Eckert & Ziegler Nuclitec (EZN) gegenüber der Bevölkerung verhalten, wenn sie alle erforderlichen Genehmigungen hätten, alle auferlegten Grenzwerte und Einschränkungen einhalten würden und ihr Unternehmen vor der Konkurrenz schützen müssten? Zu welchen Kompromissen wären Sie bereit?“

Diese Frage unterstellt teilweise Sachverhalte, die auf EZN nicht zutreffen: Die Strahlenschutzverordnung nennt einen unmissverständlichen Grenzwert von 1 Millisievert pro Jahr, den die Firma nicht (!) einhält (2000-Stunden-Regelung und Nichtberücksichtigung der Neutronenstrahlung). Ferner fordert die Strahlenschutzverordnung ein Minimierungsgebot, das man hier offensichtlich nicht würdigt.

Andernfalls dürften bei angeblich so geringen Aktivitäten die Messwerte nicht jene an Atomkraftwerken oder am Zwischenlager Gorleben übersteigen.

Aber um die Frage dennoch zu beantworten:

Gegenüber der Bevölkerung würden wir das Gespräch suchen, berechtigt geforderte Informationen geben, unsere Pläne offenlegen. Wir würden uns bemühen, die Sorgen wirklich zu verstehen.

Wir würden nicht den Bürgern Rachebedürfnisse vorwerfen und diese als „Taliban“ und „Laienhysteriker“ diffamieren. Wir würden die Stadt, in der wir uns wirtschaftlich angesiedelt hätten, nicht als „Stadt des Ressentiments“ bezeichnen.

Kompromisse, zu denen wir bereit wären, würden von den Zielen abhängen. Würden wir eine gute Nachbarschaft von Betrieb und Anwohnern anstreben und hätten wir aufrichtig den Strahlenschutz auf unserer Agenda, so würden wir die Umgangsgenehmigungen auf eigene Initiative sehr stark absenken lassen (und dies natürlich auch der Presse wirksam präsentieren).

Kurz: Wenn die neue Genehmigung nicht mehr erlaubt als das, was ich aktuell schon mache, so wäre der Vorwurf der Erweiterung haltlos.

Außerdem würden wir dafür sorgen, dass freiwillig deutlich heruntergesetzte Grenzwerte verpflichtend festgeschrieben und eingehalten werden, zum Beispiel auf 0,1 Millisievert (mSv) pro Jahr – ohne künstliches Herunterrechnen.

Wir würden uns angesichts der sehr ungeeigneten Lage des Standortes neben Wohngebiet und Schulen spätestens dann, wenn aus Kapazitätsgründen ein Neubau zu planen ist, nach einem sehr viel besser geeigneten Standort umsehen, der weit ab von Menschen liegt.

Wir würden dazu Gespräche mit Behörden und Politik suchen, um über Möglichkeiten der Verlagerung von Genehmigungen zu verhandeln, dabei aber stets die Öffentlichkeit informieren, da uns stets die Brisanz und das große öffentliche Interesse der Thematik bekannt wäre.

Reden Sie mit: Was sagen Sie zu diesen Vorschlägen der BISS? Sollten sie nicht aufgegriffen werden?

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