Grüne wollen Eckert & Ziegler eindämmen

Braunschweig  Mit der „Geheimniskrämerei“ beim Braunschweiger Nuklearunternehmen Eckert & Ziegler muss Schluss sein. Das fordern die Grünen im Landtag. Sie wollen das Strahlenrisiko unabhängig bewerten lassen.

Das Betriebsgelände von Eckert & Ziegler: Die Grünen wollen Genehmigungen für den Umgang mit radioaktiven Stoffen deutlich nach unten korrigieren.

Das Betriebsgelände von Eckert & Ziegler: Die Grünen wollen Genehmigungen für den Umgang mit radioaktiven Stoffen deutlich nach unten korrigieren.

„Die Bearbeitung radioaktiver Abfälle in unmittelbarer Nähe zu Wohngebieten birgt zusätzliche Risiken“, meinte Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel. „Bis jetzt sind keine Verstöße oder Grenzwertüberschreitungen bekannt“, räumte die Braunschweiger Landtagsabgeordnete Gabriele Heinen-Kljajic zur Tätigkeit des Unternehmens im Stadtteil Thune zwar ein.

Dass die Firma offen für Aufträge am Standort werbe, habe jedoch Furcht und Ängste ausgelöst. Eckert & Ziegler sei in einem Umfang tätig, der nicht in ein Wohngebiet passe, so Heinen-Kljajic. Seit 2001 seien fast 110.000 Gebinde mit radioaktiven Abfällen angeliefert worden. Die Genehmigungen für den Umgang mit radioaktiven Stoffen müssten deutlich nach unten korrigiert werden, so die Grünen. Sie befürchten, dass die Firma umfangreiche Erweiterungen am Standort durchsetzen will, um beispielsweise auch Asse-Müll zu behandeln.

Die Behörden stellten offenbar die Wirtschaftsinteressen der Firma vor den Schutz der Bevölkerung, sagte Wenzel weiter. Bei der Berechnung der Strahlendosis am Zaun des Geländes hätten die Behörden zum Beispiel „Rechentricks“ zugelassen. Statt wie vorgeschrieben von einem Jahresaufenthalt einer Person am Zaun, also von 8760 Stunden, auszugehen, seien nur 2000 Stunden angesetzt. Eckert &Ziegler habe sich bis heute auch geweigert, komplette Listen des Inventars auf dem Gelände vorzulegen. Die Grünen hatten eine umfangreiche Anfrage zu Eckert & Ziegler an die Landesregierung gerichtet. Diese sieht keinerlei Verstöße oder Unregelmäßigkeiten bei Eckert & Ziegler.

Firmenchef Andreas Eckert sieht eine wahltaktisch motivierte Kampagne der Grünen. „Den Grünen in Braunschweig laufen die Wähler weg“, so Eckert. Ihr kürzlich erhobener Vorworf, über Braunschweig sei Material für fünf Atombomben gelaufen, sei irreführend und Angstmache. Es sei um das Einsammeln von alten Plutoniumquellen aus der DDR zur Abgabe an die USA gegangen. Die kleinen Kapseln seien in keiner Form für den Bau von Bomben geeignet gewesen. Sie hätten zu Gesteinsuntersuchungen und Messungen gedient. Zur Debatte um die Strahlendosis am Zaun sagte Eckert unserer Zeitung: „Das betrifft nur einen einzigen von rund 15 behördlichen Messpunkt“ und liege am Verlauf eines Zaunes. Das Unternehmen könne aus Wettbewerbsgründen nicht alle Details seiner Bestände offenlegen. Landes-, Bundes- und zum Teil auch internationalen Behörden lägen aber alle Angaben vor.

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