Denkmäler als Zierde der Stadt

BZ-Radtouren, Folge 17 (und Schluss): Vom Burgplatz zum Hauptschulgarten und zurück

 

 

Warum erst nach Göttingen fahren, um den legendären "Gänselieselbrunnen" zu bewundern? Den gibt es auch in Braunschweig – ihn und noch viele andere Kunstdenkmäler, die auf Plätzen, an Straßen oder Gebäuden das Bild der Stadt verschönern. Meist hastet man achtlos an ihnen vorbei, ohne auch nur zu ahnen, welche Schätze Braunschweig auch außerhalb seiner Museen zu bieten hat.

"Nur" 15 Kilometer lang ist die Radrundtour von der Innenstadt im weiten Bogen nördlich zum Hauptschulgarten und zurück. Sie sollten sich aber genügend Zeit nehmen: Mehr als 20 Kunstwerke, seien es Brunnen, Denkmäler oder andere Plastiken, warten darauf, entdeckt zu werden.

1.Start und Ziel der Rundtour ist selbstverständlich der Burgplatz mit seinem Löwen. Wer Braunschweig hört, denkt sofort an diese Skulptur, die als erste freistehende Plastik nördlich der Alpen als Machtsymbol der Welfen schon seit dem 12. Jahrhundert Weltgeltung besaß.

2.Johannes Bugenhagen (er lebte von 1485 bis 1558) führte die Reformation in Braunschweig ein und hielt in der Brüdernkirche 1528 seine Antrittspredigt. Folgerichtig wurde im an dem Gotteshaus ein Denkmal errichtet. Die im Krieg demontierte Plastik wurde 1970 durch eine von der Hamburger Bildhauerin Ursula Querner-Wallner geschaffene Bronzestatue östlich der Brüdernkirche ersetzt.

3.Eine eher unscheinbare Gedenktafel erinnert an Wilhelm Bracke (1842 bis 1880), einer der Urväter der Braunschweiger Sozialdemokratie.

4.Versteckt in der Grünanlage vor der Öffentlichen Bücherei verbirgt sich "Die Kauernde", 1967 geschaffenen von dem bekannten Bildhauer Paul Egon Schiffers.

5.Seit 1906 ist der Eulenspiegelbrunnen Mittelpunkt des Bäckerklints. Er wurde von dem Braunschweiger Bildhauer Arnold Kramer geschaffen und überstand als einziges Bauwerk im Quartier die Bombenangriffe des 2. Weltkrieges.

6."Sitzender Junge" heißt die 1962 am Spielplatz Hohetorwall aufgestellte Plastik von Anny Funke-Schmidt. Sie war eine der bedeutendsten Bildhauerinnen des Nachkriegs-Braunschweigs.

7.Ein "Denkmal" ganz anderer Art ist die "Friedrich-Wilhelm-Eiche" an der Ecke Petritorwall/Am Neuen Petritor. Hier lagerte der von Napoleon entmachtete Herzog Friedrich Wilhelm mit seinen Getreuen vor dem Gefecht bei Ölper 1809 .

8.1880 wurde das dem berühmten, in Braunschweig geborenen Mathematiker Carl Friedrich Gauß gewidmete Denkmal am Anatomieberg, dem heutigen Gaußberg, eingeweiht.

9.Jürgen Weber, aus Braunschweigs Kunstlandschaft schwerlich wegzudenken, schuf 1970 das sehenswerte Hochrelief, sinnigerweise an der Mensa hin zum verkehrsreichen Rebenring: "Dämon Auto".

10.1930 wurde das von Jakob Hofmann geschaffene Siegfrieddenkmal im gleichnamigen, neugeschaffenen Viertel eingeweiht; 1943 für Rüstungszwecke eingeschmolzen und 1987 neugegossen, kehrte es 1988 zurück an seinen ursprünglichen Standort am Burgundenplatz.

11.Der Hauptschulgarten am Dovesee gilt mittlerweile nicht nur für Insider als eine der schönsten Ruhe-Oasen Braunschweigs. Doch auch der Kunstinteressierte kommt hier voll auf seine Kosten: Zwischen den liebevoll angepflanzten Gartenanlagen stoßen Sie überall auf geheimnisvolle, in Stein gehauene Tiere, märchenhafte Gestalten und Skulpturen, die zu entdecken schon einige Stunden in Anspruch nehmen.

12.Farbe in die etwas tristen Bauten der einzelnen TU-Institute nördlich der Hans-Sommer-Straße bringen einige Kunst- bzw. Industriedenkmäler: So schmückt sich das "Institut für Landmaschinenbau" mit einem Schlepper aus dem Jahre 1926, schräg gegenüber das "Institut für Verbrennungskraftmaschinen" mit einer von Kurt Edzard entworfenen Gedenktafel an Heinrich Büssing.

13.Gelungene "Kunst am Bau" wird dem Architekten und Zeichner Rolf Lederbogen bei seinem Wandrelief am Eingangsbereiches des TU-Institutes für Chemie, Pharmazie und Biowissenschaften am Hagenring attestiert: Es zeigt einen Ausschnitt aus der Entwicklung der chemischen Zeichensprache.

14.Nördlich des Staatstheaters wird dem Komponisten und ab 1855 fast 30 Jahre lang die Stelle des ersten Capellmeisters am braunscheigisch-herzoglichen Hoftheater innehabenden Franz Abt gedacht. Nimmermüde Gesangsvereine waren es, die Gelder sammelten, um ein Denkmal zu stiften, das schließlich 1897 enthüllt werden konnte. Wie so viele andere Denkmäler wurde es Opfer des 2.Weltkrieges und 1960 ersetzt durch eine schlichtere Plastik Paul Egon Schiffers.

15.Im Zuge der Umgestaltung des Platzes vor dem Staatstheater entstand eine Brunnenskulptur mit floralen Blattmotiven, aus denen in den Blättern verborgenen Düsen Wasser sprüht. Ein nicht unumstrittener Brunnen, benannt nach ihrem Schöpfer Emil Cimiotti.

16.Etwas abseits gelegen fristet das "Besenmännchen" an der Mauernstraße ein unverdientes Mauerblümchendasein. Der Bildhauer Jakob Hofmann schuf die Skulptur 1939 als Symbol für die Altstadtsanierung. Sie wurde an der Langen Straße im Herzen des damals dringendst bedürftigen Sarnierungsgebietes aufgestellt. Nach Diebstählen und Beschädigungen wurde eine Kopie der Figur als Symbol der Trümmerräumung und des Wiederaufbaus zum 100-jährigen Bestehen der Braunschweigischen Baugenossenschaft 1987 vor ihrem Verwaltungsgebäude an der Mauernstraße neu errichtet.

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