Vor den Schranken staute sich der Verkehr

Warum die Eisenbahnbrücke an der Alten Frankfurter Straße 1960 gebaut wurde – Widerlager bilden Fundament für neue Radfahrerbrücke

Die Brücke kurz nach ihrer Fertigstellung 1960. 

Die Brücke kurz nach ihrer Fertigstellung 1960. 

GARTENSTADT. Entlang der Bahnstrecke, in Verlängerung des Ringgleises, soll ein Radweg entstehen. Zwei betagte Eisenbahnbrücken mussten, wie berichtet, weichen. Doch Teile leben weiter: Ihre Widerlager werden in die neue Rad- und Fußgängerbrücke integriert.

Der Rückbau der Brücken weckt Erinnerungen. Bei Heiko Krause etwa, der am Wochenende die Abrissarbeiten heimatpflegerisch dokumentierte. Und er hat daheim alte Aufnahmen, die das insgesamt sechsgleisige Brückenbauwerk kurz nach seiner Fertigstellung im Jahr 1960 zeigen (kleines Foto unten).

Eine andere Aufnahme zeigt die stark befahrene Alte Frankfurter Straße im Jahr 1958 (großes Foto rechts) – noch komplett brückenlos. "Der Bau der Eisenbahnbrücke war damals ein Meilenstein für Braunschweig", sagt Krause.

Die Brücke sei damals im Zusammenhang mit der Inbetriebnahme des neuen Bahnhofs (im Oktober 1960 eröffnet) gebaut worden. "Ihre Konstruktion war sehr aufwendig, da die Gleise in unterschiedlichen Winkeln und Höhen über die Frankfurter Straße geführt werden mussten." Für den Beton des Widerlagers wurde "lebhaft gefärbter Weserkies" verwendet, wie es damals hieß.

Das in drei parallele Öffnungen aufgelöste Bauwerk hatte eine lichte Weite von rund 27 Metern. Die Öffnungen zwischen den Gleisbetten waren gewählt worden, um Autofahrern auf darunter befindlichen Straße gute Sicht zu bieten.

Und darum wurde damals die Brücke gebaut: Der Autoverkehr auf der B 248 war in den 50er Jahren stark angewachsen, immer länger wurden die Warteschlangen an den häufig geschlossenen Bahnschranken. Heiko Krause: "Nicht genug, dass die Schranken durch ein- und ausfahrende Züge des damaligen Hauptbahnhofs oft geschlossen waren. Kurz vor der viel befahrenden Bundesstraße endete auch noch der Ablaufberg des Rangierbahnhofs ,Rüninger Feld’. Wenn rangiert wurde, waren die Schranken ebenfalls oft geschlossen." Der Rangierbahnhof Rüninger Feld befand sich ungefähr dort, wo heute der Real-Markt an der Otto-von-Guericke-Straße steht.

Doch wofür wurden die jetzt abgerissenen Brücken benötigt? "Die von Süden aus gesehen erste Brücke gehörte zum Verbindungsgleis vom Rangierbahnhof Helmstedter Straße zum Westbahnhof und verlief von da weiter als so genanntes Ringgleis. In der Blütezeit dieses Gleises versorgte es über 100 Firmen und Lagerhäuser." Unterbrochen wurde der "Güterring" aber schon 1972, weil die Eisenbahnbrücke über die Oker im Bereich Kraftwerk Mitte gesperrt wurde. Die letzten planmäßigen Zugbewegungen fanden Anfang der 90er Jahre statt (Großmarkt Broitzemer Straße).

Das zweite, höher gelegene Gleis war die Güterzufahrt zum Abrollberg des Rangierbahnhofs Helmstedter Straße. Auch dieses Gleis wurde ab Mitte der 90er Jahre nicht mehr befahren, da die Kennelhochbrücke für die schweren Lasten der Güterzüge nicht mehr zugelassen war. "Statt über den Abrollberg per Schwerkraft wurden die Güterwagen von der Ausfahrt aus in die Richtungsgleise gewuppt."

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