Der andere Blick auf die Weststadt

Stadtteilheimatpfleger Edmund Heide stellt neue Chronik vor, die ungewöhnliche Schwerpunkte setzt

Stadtteilheimatpfleger Edmund Heide mit der neuen Chronik im Gemeinschaftshaus der Weststadt.   

Stadtteilheimatpfleger Edmund Heide mit der neuen Chronik im Gemeinschaftshaus der Weststadt.   

Foto: Rudolf Flentje

WESTSTADT. 50 Jahre Weststadt. Sonntag wird das Jubiläum rund um das Gemeinschaftshaus groß gefeiert. Pünktlich zum Jubiläum ist die neue Weststadt-Chronik fertig geworden. Eine Chronik, die in ihrer besonderen Art ohne Beispiel in Braunschweig ist.

Nachtschichten hat Stadtteilheimatpfleger Edmund Heide zuletzt eingelegt, um den Termin zu halten. Dabei hätte er es sich leicht machen können: Vor zehn Jahren ist schließlich erst die Chronik zum 40. der Weststadt erschienen. Aktualisieren, ergänzen – fertig wäre die neue Chronik. Heide meint allerdings: "Die Weststadt ist ja im Grunde ein 50 Jahre altes Neubaugebiet. Ihr wird man eigentlich mit einer Chronik nach klassischen Muster nicht gerecht."

Und so hat sich Heide dort umgesehen, wo Städte oder Stadtteile eine ähnlich kurze Geschichte haben: Wolfsburg, Salzgitter, Stadtteile in Bremen. Anregungen, die für eine Chronik sorgten, die es in ihrer Art in Braunschweig noch nicht gegeben hat.

Nachschlagewerk und Ratgeber in Chronik-Form

Und so endet bereits auf Seite 17 die historische Rückschau. Auf weitere 100 Seiten wird allerdings die Weststadt in all ihren Facetten beschrieben. Ja, sagt Heide dazu, diese Chronik sei nicht dazu bestimmt, in Schränken zu verstauben. Möglichst oft solle sie zur Hand genommen werden. Ein Helfer in Form einer Broschüre solle sie sein.

Nicht zufällig ist darum auf der Rückseite eine Karte des Stadtteils samt Straßennamen abgedruckt. Und auch die Schrift im Innern ist viel größer, als von Chroniken gewohnt. Heide erklärt das so: "Mehr als 40 Prozent der Weststätder sind älter als 65. Warum soll ich ihnen unnötig das Lesen erschweren?"

Aber auch Neubürger sollen in der Chronik Orientierung finden. Heide erklärt haarklein, was es mit den Nachbarschaften der Weststadt auf sich hat, wo überhaupt die 75 Flüsse liegen, die den Straßen des Stadtteils ihre Namen gaben, welche Service-Angebote und Besonderheiten die Nachbarschaft ausmachen und welche Freizeitmöglichkeiten der Westpark bietet. Selbst die Haltestellen der Buslinie 411 dort sind verzeichnet.

Dritte Ausgabe für das Jahr 2015 geplant

Heide scheut sich auch nicht, einen Blick über den Tellerrand zu werfen. Denn wenn er die Sportvereine des Stadtteils vorstellt, finden sich dort auch der TSV Timmerlah, der SV Broitzem und VfB Rot-Weiß aus dem Westlichen Ringgebiet. "Warum nicht?", fragt er. Die Nachbar-Vereine spielten eine gewichtige Rolle für den Stadtteil.

Wegen der kurzen Wege, aber auch wegen der guten Bus- und Straßenbahn-Verbindungen sei es, zum Leidwesen der Vereine der Weststadt, längst nicht selbstverständlich, dass die Sportler der Weststadt auch für die Vereine des Stadtteils antreten. Umgekehrt sei es allerdings auch so, dass Timmerlaher und Broitzemer in der Weststadt einkauften – das sichere den Einzelhandelsstandort.

Dass die Chronik schnell überholt sein könnte, will Heide zwar nicht ausschließen, aber für das Jahr 2015 plant er bereits eine Neuauflage. Dann, so hofft er, werde er den Weststädtern noch etwas näher kommen und die dritte Broschüre mit Erinnerungen und Erfahrungen der Weststädter würzen.

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