Autofahrer würgt 15-Jährigen und stößt ihn in den Straßengraben

Gegen Tochter des Beschuldigten wird nach Gerichtsprozess wegen Falschaussage ermittelt

Wegen Nötigung und Körperverletzung ist ein 49 Jahre alter Autofahrer vom Amtsgericht verurteilt worden. Der Mann hatte die Fassung verloren, weil ein junger Radrennfahrer auf der Straße und nicht auf dem Radweg fuhr.

Während er auf der Rautheimer Straße aggressiv wurde gegen den 15-Jährigen, saß seine 18 Jahre alte Tochter weiter auf dem Beifahrersitz im Auto. Während der Verhandlung wurde sie als Zeugin gehört. Sie versicherte dabei, dass ihr Vater nicht handgreiflich geworden sei.

Zeugen der Tat, ein Ehepaar, das die unschöne Szene aus einiger Entfernung beobachtet hatte, und ein Gesundheitsgutachten widerlegten die Angaben der jungen Frau und die ihres Vaters. Der hatte vor Gericht gleichfalls beteuert, den Jungen nicht angefasst zu haben.

Der Richter glaubte beiden nicht. Jetzt drohe, so Gerichtssprecher Rolf Nitschke, der Tochter zu allem Überfluss auch noch eine Anklage wegen uneidlicher Falschaussage und dem Vater möglicherweise wegen Anstiftung zur Falschaussage. Für uneidliche Falschaussage sieht das Gesetzbuch eine Mindeststrafe von drei Monaten Haft vor.

Wie ist es zu diesen ungewöhnlichen Verstrickungen gekommen? Der Autofahrer ärgerte sich über den trainierenden Radrennfahrer, weil der auf der Straße und nicht auf dem Radweg seine Kilometer abspulte. Er kurbelte die Scheibe herunter und wies den jungen Mann zurecht. Der konterte mit wohl frechen Worten.

Radrennfahrer fühlte sich abgedrängt

Das brachte den Mann offenbar völlig aus dem Gleichgewicht. Er fuhr zweimal mit seinem Auto sehr dicht an den Radfahrer heran. Gerichtssprecher Nitschke erklärte: "Der junge Mann musste den Eindruck gewinnen, dass er abgedrängt werden sollte." Und tatsächlich zeigte sich der Sportler beeindruckt, fuhr über den Grünstreifen auf den Radweg.

Doch damit war die Sache noch nicht erledigt. Wenig später wartete der noch immer erregte Autofahrer auf den Schüler und stellte sich ihm in den Weg. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er dann den Jungen gewürgt und in den Straßengraben gestoßen hat. Der 15-Jährige hatte zu dem Zeitpunkt nur einen Fuß aus den Klickpedalen frei bekommen. Er stürzte samt Fahrrad hinab.

Trotz der Aufregung hatte er sich das Kennzeichen des nicht aus der Stadt stammenden Autos gemerkt. Das Ehepaar, das den unschönen Vorfall beobachtet hatte, eilte zu Hilfe. Der junge Mann hatte deutliche Würgemale erlitten.

Das Strafmaß für die Tat: 55 Tagessätze zu je 35 Euro und ein einmonatiges Fahrverbot.

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