Schon wieder anonyme Spende gefunden

Braunschweig  Im Briefkasten des evangelischen Kindergartens der St. Stephanus-Gemeinde in Haudberg steckten heute 10 000 Euro.

Sie können ihr Glück noch gar nicht fassen: Die Leiterin des Kindergarten St. Stephanus, Tina Höf, mit den Kindern.

Sie können ihr Glück noch gar nicht fassen: Die Leiterin des Kindergarten St. Stephanus, Tina Höf, mit den Kindern.

Foto: Flentje

Das Geld steckte in einem normalen weißen, länglichen Briefumschlag. „Im ersten Moment dachte ich, das sind Prospekte“, erzählt Tina Höf mit einem Lachen in der Stimme. Erst auf den zweiten Blick erkannte die Leiterin der Kindertagesstätte St. Stephanus, was ihr da beim Post holen in die Hände gefallen war. 10 000 Euro in zwanzig 500-Euro-Scheinen hat ein anonymer Spender ihrer Einrichtung gestern zukommen lassen.

Die Erzieherin und ihre Kollegen können ihr Glück indes noch gar nicht fassen. „Ich dachte wirklich erst, das ist ein Scherz“, erinnert sie sich. Sie hielt die Scheine gegen das Licht und holte erst eine Kollegin, dann den Pastor und schließlich noch den Kassierer hinzu. Der erste Gedanke, der dann im Raum stand, war der, dass da jemand ihre Arbeit anerkenne. „Das hat uns natürlich sehr gefreut“, meint sie. Die erste spontane Handlung: der Gang zur Bank. Dort bleibt das Geld erstmal, bis in der nächsten Vereinsversammlung dann gemeinsam entschieden wird, wofür die evangelisch frei-kirchliche Gemeinde das Geld verwenden will.

Zweite Spende diese Woche

Es ist bereits das zweite Mal in dieser Woche, dass jemand anonym einer sozialen Einrichtung oder einem Mensch in Not, Geld hat zukommen lassen – ohne dabei irgendwelche Hinweise auf sich selbst zu hinterlassen. Im Gegensatz zu sonst befand sich dieses Mal aber nur das Geld in dem Briefumschlag. Kein Hinweis darauf, warum der Unbekannte gerade jetzt und gerade diesem Kindergarten das Geld zukommen ließ. Bei den anderen anonymen Spenden lag fast immer noch ein Zeitungsartikel aus der Braunschweiger Zeitung bei, der Hinweise darauf gab, warum der Spender sich für diese Einrichtung, diesen Menschen oder dieses Projekt entschieden hatte. „Über uns gab es aber keine Berichte“, sagt Tina Höf. Gut gebrauchen können sie die Spende dennoch. Die Gelder von Stadt und Land reichen zwar für den Alltagsbetrieb, aber nicht, um größere Sprünge zu machen. „Was wir genau mit dem Geld machen, wissen wir noch nicht“, sagt die Kindergartenleiterin. Es sei aber denkbar, dass ein Teil in ein Projekt in Bosnien fließt, das die Gemeinde seit Jahren unterstützt. In der Stadt Novisad soll mit Hilfe der deutschen Gelder ein Kindergarten für Roma-Kinder gebaut werden. Die großzügige Spende könnte dazu beitragen, dass sich das Projekt schneller realisieren lässt.

Wer ist der anonyme Spender?

Im Moment kreisen die Gedanken der Mitarbeiter vor allem um eins: Wer ist der unbekannte Spender? Warum verteilt er seit Monaten immer wieder diese hohen Beträge? Hat er vielleicht nicht mehr lange zu leben, und will zuvor sein Geld möglichst sinnvoll unter seine Mitmenschen bringen? „Ich habe auch ein bisschen Angst um diesen Menschen“, gesteht Tina Höf. „Warum hat er uns das Geld nicht einfach so gegeben? Wir hätten auch sicher kein großes Trarara drumherum gemacht, wenn er das nicht will.“ Sie hofft, dass es dem edlen Spender gut geht. Und, dass er die Zeitung liest und weiß, wie dankbar sie ihm sind. „Er oder sie kann sich sicher sein, dass das Geld auf jeden Fall den Kindern zugute kommt“, sagt sie. „Schon immer hatten wir einen guten Draht nach oben“, und blickt gen Himmel. „Das verrückte ist, ich habe erst vor kurzem mit unserem Herrn darüber gesprochen, dass so ein bisschen Geld wirklich nicht schlecht sei“, meint sie dann noch und lacht. „Aber so viel wäre nicht nötig gewesen.“

Bereits gespendetes Geld sinnvoll ausgegeben

Nicht nur die Gemeinde St. Stephanus, auch die Stadt freut sich sehr, dass der unbekannte Spender wieder zugeschlagen hat. „Es scheint sich hier um jemanden zu handeln, der sich viele Gedanken darüber macht, wie er sein Geld möglichst sinnvoll spenden kann“, sagt Sozialdezernent Ulrich Markurth. „Das finde ich ganz toll, da es hierbei stets Projekte trifft, die es wirklich nötig haben.“ Auch Markurth lässt die Neugierde nicht los, wer sich hinter den Wohltaten verbirgt. „Es muss auf jeden Fall ein Braunschweiger sein“,meint er. Nur wer? Diese Frage lässt auch Staatsanwältin Ann-Kathrin Meyenburg, Vorstandsmitglied der Braunschweiger Opferhilfe, nicht mehr los. Die Opferhilfe war der erste Empfänger einer anonymen Spende im November 2011. Seitdem konnte die Stiftung einen Teil des Geldes bereits glückbringend einsetzen. „Wir haben uns finanziell an einem neuem Spielgerät im Frauenhaus Salzgitter beteiligt und einen Selbstbehauptungs-Kurs mitfinanziert“, zählt sie auf. Von dem Geld wurde auch mehreren Opfern von Straftaten Therapien mitfinanziert, wenn die Kassen diese nicht mehr übernehmen. „Durch die Spende ist es uns möglich, Menschen in einer krisenhaften Zeit aufzufangen“, sagt die Staatsanwältin.

Die Opferhilfe versuche, so Meyenburg, das Geld etwas aufzuteilen, um noch lange die Möglichkeit zu haben, Menschen damit zu helfen. Im Gegensatz zum Sozialdezernent ist sich die Staatsanwältin aber keineswegs sicher, dass alle Spenden von derselben Person kommen. „Wahrscheinlicher ist, dass durch den Erstspender und die darauffolgende Berichterstattung andere animiert wurden, es gleich zu tun“, vermutet sie. „Denn wenn es nur einer wäre, müsste er oder sie schon sehr sehr reich sein.“

Seit der ersten anonymen Spende vor einem Jahr erhielt die Opferhilfe zweimal 10 000 Euro. Bei der Stadtverwaltung gingen 50 000 Euro ein. Das Geld wurde an das Naturhistorische Museum, das Lessinggymnasium, die Awo-Kita Stöckheim, „Löwe für Löwe“ und die Stadtbibliothek weitergeleitet. Das Geld, das Anfang der Woche im Briefkasten unserer Zeitung gefunden wurde, ging an den seit einem Schwimmunfall schwer behinderten 14-jährigen Tom Neumann. Die 10 000 Euro, die Jugendreferentin Anne Hofmann im Briefkasten der Kajune (Katholisches Junges Netzwerk in der Region Braunschweig) fand, geht an die Sternsinger.

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