Wenn ein Welpe zum Bettelhund wird

Braunschweig  Ein Leser sorgt sich um das junge Tier und befürchtet, dass der Halter sich nicht angemessen kümmern kann.

Der Welpe kaut auf einem Hundeknochen herum. Leser fragen sich: Ist die Fußgängerzone ein Aufenthaltswort für so ein junges Tier?Foto: Norbert Jonscher

Der Welpe kaut auf einem Hundeknochen herum. Leser fragen sich: Ist die Fußgängerzone ein Aufenthaltswort für so ein junges Tier?Foto: Norbert Jonscher

Ein Leser aus Braunschweig fragt:

Warum kümmert sich niemand um den jungen Welpen in der Fußgängerzone?

Die Antwort recherchierte Norbert Jonscher

Tiere ziehen immer. Mit traurigen Augen hocken sie auf ihren Schmusedecken in der Stadt und erweichen die Herzen der Passanten, öffnen die Portemonnaies. Wogegen nichts einzuwenden ist. Nur, dass am Ringerbrunnen neuerdings ein Welpe zum Betteln eingesetzt wird, daran stören sich Leser im Internet-Portal Alarm 38 unserer Zeitung.

Einer schreibt: Regelmäßig, wenn man durch die Innenstadt geht, sieht man einen Bettler mit einem schlafenden Hund (vermutlich Beagle). Neuerdings befindet sich ein 6 bis 8 Wochen alter Welpe bei den Zweien. „Alle drei schliefen tief und fest. Der kleine Welpe atmete ganz flach.“

Was tun? Keine der kontaktierten Behörden (Polizei, Ordnungsamt) hätten sich zuständig gefühlt. „Man läuft als Bürger vor eine Wand.“ Abgesehen von der traurigen Zukunft, die ein Tier als Bettelbegleitung hat, liegt die Vermutung nahe, dass sich nicht in notwendiger Weise um einen Welpen gekümmert werden kann (Spezialfutter, Impfungen, Wurmkuren).

Wir haken nach bei der Polizei. Und die bestätigt: Es sei alles okay. Zum einen sei Betteln an sich nicht verboten, wie übrigens auch das „Zurschaustellen etwaiger körperlicher Einschränkungen, selbst wenn diese nur vorgetäuscht sind“, ebenso wenig wie das „Vorzeigen mitleiderregender Tiere, um die Spendenbereitschaft zu erhöhen in dem Glauben, dass das gespendete Geld für die Tiere ist“, so Polizei-Sprecher Joachim Grande.

Sache der Polizei sei es lediglich zu überprüfen, ob Tierschutzbestimmungen verletzt sind und ob das Tier gesund ist und keine Krankheiten hat.

Frage an Tierheim-Leiterin Verena Geißler: Ist etwas dagegen einzuwenden, dass ein so junger Hund zum Betteln eingesetzt wird und stundenlang in der Fußgängerzone sitzt? Antwort: ein klares Jein. Natürlich sei eine Fußgängerzone nicht die ideale Umgebung für einen Hund. Die Tiere müssten stets die Möglichkeit haben, sich auch mal zu lösen und zu bewegen. „Wenn ein Tier acht Stunden nur auf einem Fleck sitzt, ist das schon bedenklich.“

Schließlich komme es auch auf die Witterungsverhältnisse an. Große Hitze und starke Kälte seien hier natürlich problematisch. Und dann, so Geißler, sei das Alter des Welpen entscheidend. „Es ist wichtig, dass der Welpe nicht zu früh von seiner Mutter weggenommen wird. Der Kontakt zur Mutter in den ersten Wochen ist enorm wichtig für die Sozialisierung.“

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Leserkommentare (31)