Feinstaub-Glocke über der Stadt

Braunschweig  Seit Tagen werden sehr hohe Werte gemessen. Hilft ein Fahrverbot für Autos?

Fünf verschiedene Luftschadstoffe misst der Messcontainer am Altewiekring.

Foto: Peter Sierigk

Fünf verschiedene Luftschadstoffe misst der Messcontainer am Altewiekring. Foto: Peter Sierigk

Leser fragen auf unserem Internetportal Alarm38:

Was kann man tun gegen hohe Feinstaubwerte?

Feinstaubzeit in Braunschweig. Seit Tagen liegen die Werte über der Marke von 50 Milligramm. Auf unserem Internetportal Alarm38 sorgen sich Leser. Was kann man tun? Hilft ein Fahrverbot für Autos?

Feinstaub ist tatsächlich schädlich. Er kann schwere Atemwegserkrankungen auslösen, aber auch Atemwegserkrankungen verstärken. Doch fragt man Experten, dann scheint ein Fahrverbot nicht richtig zielführend zu sein. Denn grundsätzlich gilt: Braunschweig hat kein Feinstaub-Problem.

Man müsse unterscheiden, so Messexperte Andreas Hainsch, zwischen Grenzwert und Überschreitungstagen. Überschreitungstage sind Tage, an denen die Feinstaub-Belastung im Mittel bei mehr als 50 Milligramm je Kubikmeter Luft liegt. Doch, so Hainsch, 35 dieser Tage seien jährlich vom Gesetzgeber erlaubt. Sind es mehr Tage, ist der Grenzwert überschritten und Braunschweigs Luftreinhalteplan müsste umgeschrieben werden, um die Bevölkerung zu schützen.

Das war in der Vergangenheit nie nötig. Denn in den vergangenen Jahren pendelt sich der Überschreitungstage-Wert bei etwa zehn Tagen jährlich ein. In diesem Jahr werden es wohl mehr sein, denn bereits in den ersten sechs Wochen des neuen Jahres wurden zehn Überschreitungstage gezählt.

Die Werte selbst werden stündlich an zwei Stellen im Stadtgebiet gemessen. Einmal von der Messstation am Altewiekring. Diese Station wird auch Verkehrsmessstation genannte, weil sie Luftschadstoffe an einem Ort misst, der vom Verkehr hoch belastet ist.

Die zweite Braunschweiger Messstation befindet sich am Sender in Broitzem. Auch dort wird Feinstaub gemessen. Weil am Sender in Braunschweig aber praktisch keine Luftschadstoffe produziert werden, wird dort die sogenannte Hintergrund-Belastung gemessen. Also die Schadstoff-Werte, die die Luft mitbringt. All diese Werte werden an das Gewerbeaufsichtsamt Hildesheim übertragen, wo Hainsch sie auswertet.

Zur gegenwärtigen Situation sagt Hainsch: „Ein Fahrverbot hätte nur ganz geringe Auswirkungen.“ Grund sei: „Die Werte der Messstation in Broitzem zeigen: Auch dort lassen sich hohe Feinstaubwerte nachweisen.“ Der Grund: „Feinstaub ist kein lokales Phänomen. Feinstaub ist ein regionales Phänomen.“ In der gesamten Region werden nämlich hohe Feinstaubwerte gemessen.

Drei Gründe nennt Hainsch: „Nicht nur der Autoverkehr sorgt für Feinstaub, sondern auch das Heizen. Wegen der niedrigen Temperaturen wird stärker geheizt. Das lässt die Feinstaubwerte steigen.“

Außerdem: „In den vergangenen Tagen herrschten oft östliche Winde. Sie bringen Feinstaub aus Osteuropa mit.“ Der dritte Grund sei: „Im Augenblick findet nur eine geringe Vermischung der Luftschichten statt.“ Das sorge dafür, dass sich bodennah Feinstaub konzentriere und so für hohe Werte sorge. Dieses Phänomen sei sehr oft in den Wintermonaten zu beobachten. Ein Wetterwechsel, mehr Wind oder Regen, werde schlagartig die Feinstaubwerte fallen lassen. Ein Fahrverbot, sagt Hainsch, habe natürlich Einfluss. „Aber dieser Einfluss ist höchst gering. Die Hintergrund-Belastung, wie sie am Sender in Broitzem gemessen wird, ist einfach zu stark. Mit einem Fahrverbot wird es definitiv nicht gelingen, die Werte unter die 50-Mikrogramm-Marke zu drücken.“

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