Den Toten Hosen gehen bei ihrem Konzert die Ideen nicht aus

Braunschweig   Die Punkrock-Veteranen spielen 8000 Fans in der ausverkauften Volkswagen-Halle schwindlig.

Drei Songs, meint Campino, wird die Menschheit irgendwann in einer goldenen Kapsel ins All schicken. Zwei davon haben die Toten Hosen in der Volkswagen-Halle bereits gespielt, und zu jedem gibt es eine Geschichte.

Den ersten singt nicht Frontmann Campino, sondern der Geiger des Streichquartetts, das die Band bei ein paar Nummern unterstützt (weil die Hosen ihren krachigen Stil kaum zügeln allerdings nur zart hörbar). Der Titel ist "T.N.T." von AC/DC, und der nun singende Geiger kommt ziemlich nah an Bon Scott heran. Stark.

Die zweite Nummer, erzählt Campino, musste er kürzlich in Peking singen. Dort war die Band auf kleiner China-Tour, anschließend seien sie in irgendeine Karaoke-Bar gegangen. Die einzigen Westler im Club. Und die schlaksige Langnase, forderten die Chinesen, solle "Hey Jude" singen. Das bringen die Hosen in Braunschweig dann auch, in der Strophe ziemlich holprig. Aber beim Mitschmetter-"Nanana"-Refrain sind sie dann wieder ganz in ihrem Element, getragen vom kräftigen Publikumschor.

Die dritte Nummer für die All-Gegenwart hat Andreas von Holst geschrieben. Der kräftige, markant zerknautschte Leadgitarrist der Hosen. Es ist natürlich "Eisgekühlter Bommerlunder". Und dazu ein belegtes Brot mit Schinken. Man kann das Echo förmlich im Weltraum hören: Schinken! Ei!

Yo, die fünf durchaus schartigen Mittfünfziger da vorn auf der Bühne haben offensichtlich Spaß an ihrer Arbeit, auch nach fast vier Jahrzehnten. Es ist schon der zweite große Zugabenblock, der da jetzt zu Ende geht, mit Konfetti-Kanonen und dem Hit "An Tagen wie diesen", der den Hosen 2014 einen dritten Frühling bescherte. Plus "You'll Never Walk Alone", in diesem Fall tatsächlich für den FC Liverpool, den Campino beim Champions-League-Finale in Kiew vor Ort unterstützen will. Die ganze Halle singt mit. Ausführliche Verbeugungen und Winken, 8000 Fans sind nach zwei durchgerockten Stunden satt und zufrieden, die ersten gehen.

Doch die fünf kommen nochmal zurück und schieben zwei alte, relativ unerhebliche Nummern hinterher. Kann man machen, muss man nicht machen. Offenbar bereitet es den Punkveteranos einfach Freude.

Die überträgt sich aufs Publikum. Es besteht überwiegend aus der Generation Hosen, also Leute 40 plus. Vermutlich tobt sich im proppenvollen Innenraum vor der Bühne das jüngere Volk aus. Angestachelt wird es von Zweieinhalb-Minuten-Krachern fast ausschließlich auf dem Gaspedal. Davon hat die Opel-Gang eine Wagenladung voll. Sie spielen einen Haufen alte Nummern wie "Liebeslied" und "Bonnie & Clyde", mischt aber auch einige neue darunter.

Er sorge sich immer, dass die Fans nur Hits wie "Hier kommt Alex" hören wollten, sagte Campino uns unlängst. Da wird ihm die Show in Braunschweig gefallen gaben. Auch aktuelle Titel wie "Unter den Wolken" und "Die Schöne und das Biest" kommen gut an.

Das muss man den altgedienten Hosen lassen: Ihnen gehen auch mit Mitte 50 die Ideen für Ohrwürmer, die sich in 150 Sekunden entwickeln, nicht aus. Es ist das immergleiche Strickmuster in anderen Farben. Dazu ein knackiger Beat und Texte gerade heraus, teils pathetisch, aber mit Haltung. Das hält die Sache frisch und ihre Sachwalter offensichtlich auch. Guter Abend.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Leserkommentare (1)