Stratmann zieht Museumsplan durch

Landesmuseum soll Unterabteilung des neuen Instituts werden – Spekulationen über neuen Institutsleiter

Annette Schwandner, Leiterin der Kulturabteilung im Ministerium. Sie war mehrere Jahre in Baden-Württemberg tätig – dort soll der zweite Bewerber herkommen.    

Annette Schwandner, Leiterin der Kulturabteilung im Ministerium. Sie war mehrere Jahre in Baden-Württemberg tätig – dort soll der zweite Bewerber herkommen.    

Foto: Dartsch

BRAUNSCHWEIG. Im Museumsstreit ist noch nichts entschieden. Doch offenbar will Kulturminister Lutz Stratmann Fakten schaffen und seine Pläne durchziehen – ungeachtet der Proteste im Braunschweiger Land.

Sein Ministerium sucht bereits intensiv nach einem Leiter des neu zu gründenden Instituts für Denkmalpflege und Archäologie.

Anfang Juli hatte das Ministerium für Wissenschaft und Kultur bekannt gegeben, die Museumslandschaft neu zu gestalten. Geplant ist, in Hannover ein Institut für Archäologie und Denkmalpflege zu gründen. Darin aufgehen sollen das Braunschweigische Landesmuseum, das Amt für Denkmalpflege in Hannover und das Museum für historische Küstenforschung Wilhelmshaven.

Mehrfach hat das Ministerium betont, das Braunschweigische Landesmuseum solle dem Institut nicht unterstellt werden. Geplant sei lediglich eine "Verknüpfung". Jenseits dieser Wortklauberei wird das Landesmuseum in einer aktuellen Kabinettsvorlage jedoch ausdrücklich als "Abteilung einer Abteilung" des neuen Instituts aufgezählt.

Gabriele Heinen-Kljajic, Landtagsabgeordnete der Grünen aus Braunschweig, sagt: "Die von Kulturminister Stratmann noch im Juli zugesagte Eigenständigkeit des Braunschweiger Landesmuseums wird nach dieser Kabinettsvorlage eindeutig aufgegeben." Stratmanns Versprechen, das Landesmuseum behalte seine Eigenständigkeit, sei damit hinfällig, so Heinen-Kljajic. Sie schlussfolgert: "Wenn die Braunschweigische Landesgeschichte in einer Unterabteilung einer Abteilung eines womöglich in Hannover ansässigen Landesinstituts stattfinden soll, kann von Eigenständigkeit wohl kaum die Rede sein."

Kurt Neubert, Pressesprecher des Ministeriums, bestätigt derweil, dass das Ministerium nach einem Leiter des neuen Instituts Ausschau hält. Es seien bereits Gespräche geführt worden. Mehr will er vorerst nicht verraten – keinen Namen, keine Fachrichtung, keine Wirkungsstätten.

Gerüchten in der Kunst- und Museumsszene zufolge soll die Stelle angeblich Harald Meller angeboten worden sein – Meller ist Landesarchäologe von Sachsen-Anhalt und Direktor des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle. Bundesweit berühmt wurde der Archäologe durch seine Erforschung der Himmelsscheibe von Nebra. Das Präsentationskonzept der Himmelsscheibe wird stets als positives Beispiel für die Präsentation der Schöninger Speere aufgeführt. Meller soll aber abgelehnt haben.

Neben Meller ist noch ein weiterer Name in Umlauf: Reinhard Roseneck. Der niedersächsische Landeskonservator leitet das frisch eröffnete Höhlenerlebniszentrum in Bad Grund sowie das Kloster Walkenried für die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz. Zuvor war er Museumsdirektor im ehemaligen Erzbergwerk Rammelsberg in Goslar – musste 2005 aufgrund roter Zahlen jedoch zurücktreten. Roseneck gibt sich überrascht über die Gerüchte über seine Person: "Davon weiß ich absolut nichts. Keine Ahnung, woher diese Gerüchte kommen."

Ein Kandidat komme aus Niedersachsen, ein weiterer aus Baden-Württemberg, so die Spekulationen. In Baden-Württemberg war Annette Schwandner – Abteilungsleiterin Kultur im Ministerium – tätig, bevor sie nach Hannover wechselte.

Ministeriumssprecher Kurt Neubert schweigt. Auf die Frage, warum bereits ein Leiter gesucht wird, obwohl das Institut noch gar nicht gegründet wurde und bisher nicht einmal ein Konzept vorliegt, sagt er: "Es ist sinnvoll, das Konzept gemeinsam mit dem neuen Institutsleiter auszuarbeiten."

Der Leiter des neuen Instituts soll zugleich neuer Direktor des Amtes für Denkmalpflege werden – die derzeitige Direktorin Christiane Segers-Glocke geht Ende September in den Ruhestand.

In der niedersächsischen Museumslandschaft zeichnet sich ein Generationswechsel ab: Neben Segers-Glocke gehen in absehbarer Zeit auch die Direktoren der Landesmuseen in Braunschweig, Hannover und Oldenburg in den Ruhestand. Ein idealer Zeitpunkt für eine Umstrukturierung – das räumt auch Ministeriumssprecher Neubert ein: "Der Generationswechsel hat damit durchaus zu tun."

Abgesehen vom Museumsstreit hat Wissenschafts- und Kulturminister Lutz Stratmann noch weitere Baustellen im Braunschweiger Land zu bearbeiten:

Schöninger Speere: Offen ist, wo die ältesten Jagdwaffen der Menschheit ausgestellt werden sollen. Vermutlich wird am Fundort in Schöningen ein Erlebniszentrum gebaut.

NTH: Die Niedersächsische Technische Hochschule sollte Stratmanns Vorzeigeprojekt werden – aktuell steht ihre Gründung aber auf der Kippe.

In zwei anderen Angelegenheiten herrscht inzwischen Klarheit. Die Stelle des Generalintendanten des Braunschweiger Staatstheaters wurde gestern neu vergeben. Und die Bauarbeiten für den Anbau des Herzog-Anton-Ulrich-Museums haben schon begonnen. Gesamtkosten: 26 Millionen Euro.

FAKTEN:

Laut Kabinettsvorlage soll das Braunschweigische Landesmuseum den Status einer Abteilung des neu zu grün-denden Instituts für Archäologie und Denkmalpflege erhalten. In der Vorlage werden alle geplanten Abteilungen aufgezählt, unter Punkt fünf heißt es dort wörtlich:

"Braunschweigisches Landesmuseum – Archäologisches Museum des Landes Niedersachsen mit einer klar definierten Abteilung Landesgeschichte unter Beachtung der Vorgaben aus Artikel 72 der Niedersächsischen Verfassung."

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