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VW’s American Dream: Mit taffer Managerin aus der Nische

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Neeru Arora ist neue Vizepräsidentin der Volkswagen Group of America. Dazu verantwortet sie die Zukunftsressorts Digitales und Informationstechnologie. Klarer Auftrag: Arora soll die USA für VW unter Strom setzen.

Neeru Arora ist neue Vizepräsidentin der Volkswagen Group of America. Dazu verantwortet sie die Zukunftsressorts Digitales und Informationstechnologie. Klarer Auftrag: Arora soll die USA für VW unter Strom setzen.

Foto: Volkswagen AG

Wolfsburg.  Auch in den USA bietet die Transformation bei VW Frauen Karrierechancen. Eine sitzt jetzt an einer wichtigen Schaltstelle.

Attacke USA: Mit massiven Investitionen in die Elektromobilität, einer spektakulären Werbe-Partnerschaft mit Disney-Channel („Obi Wan-Kenobi“) und einer neuen starken Frau im Management will Volkswagen die alte Liebe der Amerikaner zur Marke VW wachküssen. Das wird schwer, denn die aktuellen Absatzzahlen sind mal wieder schlecht.

Und klar ist auch, dass die Wende wohl erst dann gelingen wird, wenn VW mit einem eigenen Pick-up in einem der beliebtesten Segmente in den USA antritt. Dafür haben die Wolfsburger sich die traditionsreiche Firma Scout gekauft, die sie mit einem elektrischen Pick-up wiederaufleben lassen wollen. Ein größerer Marktanteil in den USA soll der nicht unriskanten Abhängigkeit vom chinesischen Markt aus Sicht der Volkswagen-Strategen mittelfristig entgegen wirken.

Für die Managerin wird extra eine neue Position geschaffen

Entscheidendes beitragen zum Neustart zwischen Atlantik und Pazifik soll nun Neeru Arora. Die IT-Expertin ist neue Vizepräsidentin der Group of America und operativ zuständig für die Digitalisierung und Informationstechnologie in den USA und der Region Nordamerika.

„In dieser neu geschaffenen Position wird sich Arora auf die Entwicklung einer umfassenden Digital- und Datenstrategie konzentrieren, die es der Volkswagen Group of America ermöglicht, ihren Wettbewerbsvorteil inmitten der digitalen Transformation der Automobilindustrie auszubauen und aufrechtzuerhalten. Die Schaffung der neuen Position des Chief Information Officer erfolgt in einer Zeit, in der die Automobilindustrie einen beispiellosen Wandel durchläuft, vom autonomen Fahren und Elektrofahrzeugen bis hin zu intelligenten Fabriken und vernetzten Autos. Arora wird dem Group Management Committee und dem Board of Management für die Region Nordamerika von Volkswagen beitreten, um die nahtlose Umsetzung seiner strategischen Vision zu schaffen und sicherzustellen“, heißt es auf der Unternehmensseite.

„Wir müssen einen unverwechselbaren Kundennutzen bieten“

Arora arbeitete die vergangenen vier Jahre für Volkswagen Credit. Das Unternehmen wurde 1981 als konzerneigener Finanzdienstleistungsbereich der Volkswagen Group of America gegründet und ist mit Volkswagen of America, Audi of America und Ducati North America verbunden. Zuvor hatte sie eine Reihe von Führungspositionen in den Bereichen Technologie und Wirtschaft bei McKinsey & Company, UBS und dem Chicago Board of Trade inne.

„Da unsere Fahrzeuge immer stärker in die digitalen Ökosysteme integriert werden, müssen unsere digitalen Erlebnisse über mehrere Berührungspunkte hinweg nahtlos sein – im Auto, in mobilen Apps, auf dem Desktop und bei den Händlern. Unsere vernetzten Fahrzeugdaten werden es VW ermöglichen, einen unverwechselbaren Kundennutzen zu bieten und neue Möglichkeiten zur Umsatzgenerierung zu eröffnen“, sagte die neue Super-Frau des US-Ablegers nach ihrer Ernennung.

VW investiert 7,1 Milliarden Dollar in den USA

Volkswagen hat viel vor in den USA und lässt sich das auch viel kosten. 7,1 Milliarden US-Dollar werden investiert, um die Produktpalette, Forschung und Entwicklung sowie die Fertigung in Nordamerika zu fördern, einschließlich einer konzertierten Investition in Software und digitale Lösungen. Als Teil davon plant Volkswagen, noch in diesem Jahr Over-the-Air (OTA)-Updates und neue Software-Features wie Plug&Charge für den ID.4 SUV bereitzustellen. Volkswagen arbeitet auch mit CARIAD SE, dem Softwareunternehmen des Volkswagen-Konzerns, zusammen, um die Gründung seiner nordamerikanischen Tochtergesellschaft mit Softwareeinheiten in Seattle, WA, und in der kalifornischen Bay Area zu unterstützen.

Ziel ist es, den digitalen Fußabdruck des Unternehmens in Amerika zu stärken. „In den letzten vier Jahren bei Volkswagen Credit hat Neeru gezeigt, wie starke Führung und Voraussicht die Marktmöglichkeiten der Automobildigitalisierung zum Tragen bringen können. Sie ist die richtige Führungspersönlichkeit zur richtigen Zeit, um Volkswagen in die Zukunft zu führen“, kommentiert Scott Keogh, Präsident und CEO der Volkswagen Group of America, die Berufung von Arora.

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Bisher trifft VW den Geschmack der Amerikaner noch nicht

Aktuell führt VW weiter ein Nischendasein in den USA, dem zweitgrößten Automobilmarkt der Welt. Im Vergleich der beiden Halbjahre 2022 und 2021 stand ein Absatzrückgang von 32,2 Prozent zu Buche. Ganz klar erkennbar ist, dass nur zwei Modelle gut laufen. Es sind der Atlas und der Atlas Cross Sport sowie der Tiguan und dessen in Mexiko gebaute Variante Taos. Insgesamt verkaufte VW in diesem Jahr bislang gut 143.000 Einheiten. Große Hoffnung setzt man auf den nun in Chattanooga produzierten Elektro-SUV ID.4, der aber ebenso wie die europäischen Modelle Golf GTI, Passat und Arteon noch kein Verkaufsschlager ist. Der Jetta hält sich halbwegs passabel.

Das Unternehmen beschäftigt in den Vereinigten Staaten etwa 8000 Mitarbeiter und verkauft seine Fahrzeuge über ein Netz von etwa 1.000 unabhängigen Händlern. Der Markteintritt in die USA war einer der Grundpfeiler für den Nachkriegserfolg von Volkswagen. Die aus Sicht der US-Kunden originellen Wolfsburger Modelle Käfer und Bulli waren klassenübergreifend beliebt und genossen zeitweise sogar Kultstatus. Doch dieser Kredit ist längst aufgebraucht.

Obwohl im zweiten Anlauf die Ansiedlung einer eigenen Fabrik in Chattanooga/Tennessee gelang, fehlt VW einfach ein starkes Modell, das im Vergleich mit den US-Herstellern und den anderen Mitbewerbern wirkliche Strahlkraft entwickelt. Mit Scout soll das jetzt gelingen. Bis der Elektro-Pick-up da ist, dauert es aber noch. Keogh und seine neue Top-Managerin Arora setzen so lange auf den ID.4 – made in the USA.

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