Wolfsburg. Ingenieurskunst und Entschlossenheit sind gefragt, um das ehrgeizige Ziel umzusetzen: den Neubau der Berliner Brücke im laufenden Betrieb.

Die Zeit läuft – zwischen fünf und zehn Jahren geben die Planer der Stadt und Brückenkontrolleure dem Bauwerk Berliner Brücke noch. Wie berichtet haben jahrzehntelange Beanspruchung der Hauptachse in die Stadt ihre Spuren hinterlassen. Die Stadt hat jetzt unter Hochdruck in Arbeitskreisen Lösungsansätze erarbeitet. Ergebnis: Erstens ist eine auch zunächst in Erwägung gezogene Tunnellösung vom Tisch. Zweitens soll der Brückenneubau unter noch laufendem Betrieb auf der alten Brücke umgesetzt werden. Und drittens wird das alles nicht nur sehr teuer, sondern es sind dafür auch schnellstmöglich die politischen Beschlüsse erforderlich.

Die alte Brücke wird engmaschig kontrolliert

Mittwochnachmittag stellten Oberbürgermeister Dennis Weilmann, Erster Stadtrat Kai-Uwe Hirschheide und Wolfsburgs oberster Verkehrsplaner, Oliver Iversen, den Sachstand und die von der Verwaltung vorgeschlagene Marschrichtung vor. Weilmann unterstrich: „Die Berliner Brücke ist eine wichtige Verkehrsader. Mit der jetzt erarbeiteten Lösung können wir eine monatelange Vollsperrung vermeiden.“ Die Schäden an der Brücke würden sorgfältig kontrolliert, das Bauwerk sei noch gefahrlos zu nutzen, allerdings müsse zügig geplant und gehandelt werden. Es gelten bereits Geschwindigkeitsreduzierungen und für Schwerlastverkehr auch größere Abstände.

Tunnel würde noch viermal so teuer

Voruntersuchungen hätten ergeben, so Stadtbaurat Kai-Uwe Hirschheide, dass eine Tunnellösung wirtschaftlich nicht realisierbar sei. Die Kosten wären viermal so hoch wie bei einem Brückenneubau. In einem mittleren, zweistelligen Millionenbereich würden die Kosten für eine neue Brücke liegen. Man sei natürlich an allen Fördermöglichkeiten dran. Eine enge Zusammenarbeit sei zudem mit der Bahn (die Strecke nach Berlin ist betroffen) und mit dem Schifffahrtsamt (die Brücke geht über den Mittellandkanal) wegen Sperrungen von Bahn und Wasserstrecke erforderlich.

Brückenteile könnten im Baukastenprinzip zusammengefügt werden

Stichwort Mittellandkanal: Über den könnten möglicherweise die Elemente, die beim Bau der neuen Berliner Brücke maßgebliche Rolle spielen könnten, herbei transportiert werden, schilderte Verkehrsplaner Oliver Iversen. Im Baukastenprinzip werden die aus Stahlbeton hergestellten Fahrbahnteile angeliefert. „Stück für Stück werden sie zusammengefügt. Obendrauf kommen dann Betonplatten.“ Die Teile werden auf einem Untergrund aus Teflon und Rollen Stück für Stück an ihre Stelle geschoben. Anders als bisher wird die neue Brücke nicht aus einem, sondern aus zwei Überbauten bestehen. Iversen: „So können wir während der Bauphase wie jetzt zwei Spuren in jede Fahrtrichtung offenhalten.“

Auch an Fußgänger und Radfahrer soll gedacht sein

Stichwort Fußgänger und Radfahrer. Oliver Iversen: „Bisher gehen die Hauptströme auf der Westseite entlang. Im Zuge der Neugestaltung der Brücke könnte man auch die Anbindung von Fuß- und Radweg an die City verbessern, die Straße an der Vorburg miteinbeziehen.“ Nicht zuletzt habe die Stadt auch die Fanströme zu den Bundesligaspielen im Allerpark im Blick. Die bisherigen Unterführungen seien teils sehr unübersichtlich und nicht ungefährlich, hieß es zudem.

Stadtbaurat Kai-Uwe Hirschheide,Oberbürgermeister Dennis Weilmann und Oliver Iversen (Leiter Geschäftsbereich Straßenbau und Verkehr) stellen den Sachstand der bisherigen Planungen zur neuen Berliner Brücke vor.
Stadtbaurat Kai-Uwe Hirschheide,Oberbürgermeister Dennis Weilmann und Oliver Iversen (Leiter Geschäftsbereich Straßenbau und Verkehr) stellen den Sachstand der bisherigen Planungen zur neuen Berliner Brücke vor. © regios24/Lars Landmann

Stadtbaurat Kai-Uwe Hirschheide fügte hinzu, dass neben den verkehrlichen Ansprüchen auch die städtebaulichen und landschaftsplanerischen Aspekte eine wichtige Rolle spielen würden, nicht zuletzt auch mit Blick auf den St.-Annen-Knoten, Beginn und Ende der Berliner Brücke im Süden. Wie sollen die Anschlussstellen gestaltet werden, wie das Kanalufer angebunden werden, wie sich die Fuß- und Radwege darstellen?

Als nächstes hat der Bauausschuss das Wort

Damit alles im zur Verfügung stehenden Zeitkontingent zügig weiter ausgearbeitet werden kann, braucht die Verwaltung das Go der Politik. Als nächstes hat der Planungs- und Bauausschuss das Thema am 4. Mai auf dem Tisch. Der Rat der Stadt entscheidet abschließend am 17. Mai über den jetzt von der Verwaltung vorgelegten Planungsbeschluss.

Seit dem 11. April werden Kontrollarbeiten an der Berliner Brücke vorgenommen. Das Bauwerk wird engmaschig überprüft, um seine Restlebensdauer bestimmen zu können. Mit dem Problem maroder Brücken steht Wolfsburg längst nicht allein da. Dies ist seit Jahren ein bundesweites Thema. So ruhen auch die Hoffnungen im hiesigen Rathaus darauf, dass der Bund sich finanziell engagiert.

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Die SPD im Rat der Stadt unterstreicht derweil, dass bis zum Bau der neuen Brücke weitere große Projekte wie der Ausbau der Dieselstraße abgeschlossen sein sollte. Die Dieselstraße ist über den St.-Annen-Knoten einer der Zubringer auf die Berliner Brücke. Die Planung zum Ausbau der Dieselstraße solle nach Wunsch der SPD-Fraktion noch in diesem Jahr starten.

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