Tausende ziehen in Kostümen durch Wolfenbüttel

Wolfenbüttel  Ein Höhepunkt des dreitägigen Altstadtfestes soll auch in diesem Jahr der große Festumzug durch die Innenstadt am 19. August sein.

Eine der Gruppen, die sich bereits für den Umzug beim diesjährigen Altstadtfest in Wolfenbüttel vorbereiten, ist das Herzoglich Braunschweigische Feldkorps. Den Mitgliedern ist das große Interesse an Braunschweiger Geschichte gemeinsam.

1815 ist auch für das Braunschweiger Land ein bedeutendes Datum. Napoleon wurde in der Schlacht von Waterloo geschlagen. Und der Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig starb in jener Schlacht. Aufgestellt wurde sein Feldkorps 1809, um an der Seite Österreichs in den Koalitionskriegen gegen Napoleon kämpfen zu können. „Wir interessieren uns besonders für die lokale Geschichte jener Zeit“, erzählt Nils Radunz bei unserem Besuch am Vereinssitz in Lehre. Neben den Soldaten der 1. Leichten Kompanie der Avantgarde und des 2. Linienbataillons gibt es im Verein auch zivile Darstellungen.

Beim Umzug wird richtig exerziert

Für die Teilnahme am Umzug zum Altstadtfest im Sommer wird richtig exerziert. „Nach dem Reglement gab es im Feldkorps drei Schrittfolgen, in den denen die Soldaten marschierten“, erzählt André Colars. Im ordinären Schritt habe sich der Soldat mit 76 Schritten in der Minute zu bewegen. „Dabei wird immer der ganz Fuß aufgesetzt“, so Colars. Im geschwinden Schritt sind 108 Schritte pro Minute gefragt, im Trag schließlich 160. „Das entspricht einem moderaten Laufschritt“, erklärt er. Beim gewöhnlichen Schritt wird dabei der freie Arm nicht bewegt, im zweiten Tempo darf er leicht mitschwingen. Kurven werden nicht einfach im Kreis gelaufen. Auf Kommando dreht sich jedes Glied der Marschkolonne in die neue Marschrichtung. „Das kann für das Publikum schon mal verwirrend sein, wenn der Peloton auf sie zu kommt und die Truppe vor ihnen im rechten Winkel in die neue Richtung läuft“, weiß Colars. Das alles ist gar nicht so einfach und will geübt sein, soll es zur Parade vor dem Publikum in der Stadt doch gut aussehen.

Die Kostüme und Accessoires sind teuer

Auch die Kleidung muss akkurat sitzen. „Vor Veranstaltungen gibt es natürlich eine Musterung“, berichtet Radunz. Und wehe, es findet sich ein Stäubchen auf der Uniform, dann gebe es ein geharnischtes Donnerwetter, sagt er mit einem Augenzwinkern und wienert seine Stiefel.

Das sei natürlich nicht ernst zu nehmen, schließlich spiele man die Rolle des Soldaten und der damaligen Zeit nur. Das jedoch mit enorm hohen Ansprüchen. Die Kleidung, die Ausrüstung, das Verhalten in der Kleidung jener Tage, alles muss stimmen. Schließlich soll ein getreues Bild der gespielten Zeit erzeugt werden. Das ist nicht ganz preiswert. Die Gewehre kosten über 1000 Euro, für einen handgefertigten Hut beim Handwerker kommen schnell 400 Euro zusammen. Da ist Pflege alles. „Wir wollen ausprobieren, wie sich das angefühlt hat, mit genagelten Stiefeln zu marschieren, die Kleidung zu tragen und ein Stück weit so zu leben“, erzählt Colars. Im Seeliger Park konnte vor zwei Jahren die ganze Bandbreite des Korps im Biwak erlebt werden. Da gab es dann auch lautes Böllern mit der Vereinskanone und den Gewehren der Infanteristen. Das gibt es beim Umzug natürlich nicht, ebenso kein Exerzieren mit dem Gewehr. „Das würde den ganzen Umzug nur aufhalten“, sind sich die beiden einig.

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