Entgelterhöhung

VW-Tarifabschluss: 8,5 Prozent mehr Geld, 3000 Euro zusätzlich

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Einigung in der dritten Verhandlungsrunde: VW und Gewerkschaft fanden in der Nacht zu Mittwoch einen Kompromiss.

Einigung in der dritten Verhandlungsrunde: VW und Gewerkschaft fanden in der Nacht zu Mittwoch einen Kompromiss.

Foto: Hauke-Christian Dittrich / dpa

Wolfsburg.  VW lobt: Der Abschluss gewährleiste Planungssicherheit und Stabilität. Die IG Metall spricht von einem wichtigen Beitrag in schwierigen Zeiten.

5,2 Prozent mehr Geld zum 1. Juni 2023, weitere 3,3 Prozent mehr zum 1. Mai 2024, 3000 Euro steuerfreie Einmalzahlung in zwei Schritten: Nach mehr als 16 stündigen Verhandlungen steht die Einigung zum VW-Haustarif für etwa 125.000 Beschäftigte. Das teilten IG Metall und Volkswagen mit. Es war die dritte Verhandlungsrunde. Der neue Tarifvertrag läuft über die im Vergleich recht lange Zeit von 24 Monaten.

Die Entgeltbausteine im Überblick:

• 5,2 Prozent mehr Geld ab 1. Juni 2023.

• Weitere 3,3 Prozent ab 1. Mai 2024.

• 2000 Euro steuerfreie Inflationsausgleichsprämie im Februar 2023.

• Weitere 1000 Euro steuerfreie Inflationsausgleichsprämie im Januar 2024.

Zusätzlich vereinbarten die IG Metall und Volkswagen, dass die Wandlungsmöglichkeit „freie Tage statt mehr Geld“ bei der tariflichen Zusatzvergütung nun vollständig für alle Beschäftigten geöffnet wird. Nach Angaben der IG Metall können sie künftig zwischen drei Möglichkeiten wählen: Nur Geld über die 27,5 Prozent Extrazahlung im August. Oder Geld und freie Tage werden hälftig aufgeteilt in 13,75 Prozent plus drei freie Tage. Zudem besteht die Möglichkeit, die Zusatzvergütung komplette in sechs freie Tage zu wandeln.

Eine von VW angestrebte Anpassung der bisherigen Altersteilzeitregelung wird es demnach nicht geben. Nach Angaben der IG Metall wird der entsprechende Tarifvertrag zu den bisherigen Bedingungen bis Ende 2027 verlängert.

Wie die Gewerkschaft ferner mitteilte, wird VW weiterhin jährlich 1400 Ausbildungsplätze anbieten. Ergänzend kämen ein VW-Master und weitere Stipendien hinzu. Das entspricht der Forderung von VW. Das Unternehmen drängte in der Tarifrunde darauf, die Ausbildungsplätze flexibler verteilen zu können, um dem Fachkräftemangel zu begegnen.

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Verbesserungen wurden auch für dual Studierende vereinbart: Der Zuschuss zu den Semesterbeiträgen wird von 350 Euro auf 395 Euro erhöht. Die IG Metall hatte die komplette Übernahme der Beiträge gefordert. Das Geld soll nun so rechtzeitig überwiesen werden, dass die Studentinnen und Studenten nicht mehr in Vorleistung gehen müssen. Die leistungsorientierte Einmalzahlung für dual Studierende und Auszubildende wird von 467 Euro auf 500 Euro erhöht.

Thorsten Gröger, IG Metall-Verhandlungsführer und Chef der Gewerkschaft in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, sagte, im Zusammenspiel mit politischen Entlastungsmaßnahmen wie der Strom- oder Gaspreisbremse sowie weiteren Einmalzahlungen vom Staat entstehe ein Gesamtpaket, das „die Wucht der Inflation eindämmt“. „Tarifpolitik alleine kann die Dynamik der Teuerungen nicht vollständig auffangen, aber mit unserem Abschluss leisten wir in historisch schwierigen Zeiten einen Beitrag, damit die Beschäftigten besser durch die Krise kommen“, betonte er.

Von VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo hieß es: „Uns ist in schwierigen Zeiten ein richtig solider Abschluss geglückt. Die Kolleginnen und Kollegen erhalten rasch spürbar mehr Geld. Außerdem sind zentrale VW-Themen wie Altersteilzeit und mehr freie Tage geregelt.“ Die bei VW stark ausgeprägte Mitbestimmung zeige, „dass wichtige Belange unserer gut organisierten Belegschaft auch in der Krise nicht ins Hintertreffen geraten“.

Zufriedenheit auch bei VW. In einer Stellungnahme des Autobauers sagte Arne Meiswinkel, VW-Verhandlungsführer und Personalvorstand der Marke VW: „Wir haben innerhalb der Friedenspflicht einen Abschluss erzielt und schaffen damit sowohl für Beschäftigte als auch für das Unternehmen nachhaltige Planungssicherheit und Stabilität.“

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