Die Basketball-Liga überzeugt ihre Klubs, die Pause zu verlängern

Braunschweig.  Die Saison der Löwen-Basketballer wird nicht abgebrochen, die Liga pausiert erstmal weiter bis 30. April, und das neue Thema heißt Gehaltsverzicht.

Schön wär’s, mal wieder den Ball in den Händen zu halten: Für Braunschweigs Ex-Nationalspieler Lucca Staiger und seine Kollegen geht die Hängepartie mit der Saisonunterbrechung noch fünf Wochen weiter.

Schön wär’s, mal wieder den Ball in den Händen zu halten: Für Braunschweigs Ex-Nationalspieler Lucca Staiger und seine Kollegen geht die Hängepartie mit der Saisonunterbrechung noch fünf Wochen weiter.

Foto: Florian Kleinschmidt / Florian Kleinschmidt/BestPixels.de

Diese Entscheidung kam dann doch überraschend. Die Basketball-Bundesliga bricht ihren Spielbetrieb wegen der Ausbreitung des Coronavirus nicht vorzeitig ab. Die Liga-Führung und die 17 Standorte wollen stattdessen ihre Zwangspause verlängern, in der Hoffnung, doch noch irgendwann die Saison zu Ende bringen zu können. Der am Mittwoch in einer Videokonferenz gefasste Beschluss, die Spiele zunächst bis zum 30. April auszusetzen, bedeutet für Braunschweigs Löwen-Korbjäger und ihre Kollegen fünf weitere Wochen in der Warteschleife.

Damit habe er eigentlich nicht gerechnet, bekennt Kapitän Thomas Klepeisz, diese Entscheidung sei schwer nachzuvollziehen aus Spielersicht. „Wahrscheinlich ist der wirtschaftliche Aspekt einfach zu groß, das ist ja eine ziemlich komplexe Situation“, mutmaßt er. „Aber das macht es für uns Spieler nicht leichter.“

Klepeisz: „Der Ball fehlt“

Nach den zwei Wochen zwischen Heim-Fitness und Jogging-Runden will er sich nicht vorstellen, mit dem Bewegungsdrang eines Top-Athleten nun noch mehr als einen Monat in einer solch zermürbenden Lage auszuharren. Die Möglichkeit, mit dem Ball zu arbeiten und zu werfen fehle ihm extrem, sagt der 28-Jährige. Wenn dies in Braunschweig nicht in absehbarer Zeit möglich sei, überlege er, für ein paar Wochen heim nach Österreich zurückzukehren. „Da habe ich nämlich einen Korb im Garten und kann die Zeit sinnvoller nutzen.“ Gespräche mit Geschäftsführer Sebastian Schmidt am Donnerstag und Freitag sollen weiteren Aufschluss bringen, wie es mit den Löwen-Spielern weitergeht.

Auch Schmidt hatte vor der Liga-Konferenz gesagt, er halte einen Saisonabbruch für das Realistischste . Viele seiner Geschäftsführer-Kollegen hatten sich ähnlich geäußert – zumal sie Verträge vieler Import-Profis bereits aufgelöst hatten – einige hatten sogar ausdrücklich ein sofortiges Ende gefordert. Doch nach der Videoschalte klang das durch die Bank anders. Er habe für die jetzige Lösung gestimmt, berichtete Schmidt. „Aufgrund der juristischen Bewertungen, die wir gehört haben, war die Entscheidung klar“, sagte der Braunschweiger. Solange es die Chance gebe, den Wettbewerb sportlich zu Ende zu bringen, „müssen wir sie uns offenlassen.“ Man halte sich da auch an die Fußball-Liga und schlage sich die Tür nicht selbst zu.

BBL kritisiert Vertragsauflösungen

Nach Informationen unserer Zeitung geht es dabei vor allem um das Vermeiden von Regressforderungen durch TV-Sender und Sponsoren. Verbieten irgendwann die Behörden die Austragung des Spielbetriebs, ist das höhere Gewalt. Doch beendet eine Liga ihren Betrieb sozusagen „freiwillig“, könnten ihr Rückzahlungen drohen.

Vor diesem Hintergrund ist auch verständlich, dass BBL-Geschäftsführer Stefan Holz in den vergangenen Tagen diejenigen Standorte kritisiert hatte, die bereits Spielerverträge aufgelöst hatten, um Geld zu sparen. „Da sollte man schon andere Lösungen finden, so wie wir“, stimmt Schmidt ihm zu. Bei den Löwen sollen Trevor Releford, Jairus Lyles und Joe Lawson zurückkehren, falls die Saison fortgesetzt wird.

„Wir Bundesligisten müssen auch das Große und Ganze, das Liga-Konstrukt, sehen, wir dürfen nicht nur auf unseren jeweiligen Standort schauen, auch wenn das für jeden einzelnen im Vordergrund steht“, formulierte Schmidt sein Tages-Fazit und verdeutlichte damit, dass wohl vor allem die BBL-Führung auf die Regelung gedrängt hatte. „Was nützt es uns, wenn wir halbwegs durch die Krise kommen, aber die Liga zugrunde geht und vielleicht kein Basketball mehr gespielt werden kann oder es keine Fernseh-Übertragungen mehr gibt.“

Es drohen Geisterspiele

Die getroffene Entscheidung bedeutet nicht unbedingt, dass die Klubs wirklich noch an eine Fortsetzung der Saison glauben. Aber sie werden sich dafür wappnen. Die BBL will in den nächsten Tagen Varianten eines reduzierten Spielplans vorstellen.

Die Standorte wollen parallel die Hallenverfügbarkeiten im Mai und Juni prüfen und stellen sich dabei auch auf Geisterspiele ein. „Die Wahrscheinlichkeit, dass wir ohne Zuschauer spielen müssten, ist größer als die, dass Fans zugelassen wären“, weiß Schmidt. Und auch, dass dies seine GmbH mit sieben Heimspielen teurer zu stehen kommen würde als andere mit nur vier Partien in eigener Arena. Aber das sei ja wieder reines Standortdenken.

Schmidts nächste Aufgabe ist es, sich im Blick auf die nächsten Wochen und eine möglicherweise bis Juni verlängerte Saison mit seinen Profis auseinanderzusetzen. Dabei wird es um Gehaltsverzicht gehen, sei es durch Kurzarbeit, unbezahlten Urlaub oder weitere Vertragsauflösungen mit Rückkehroption. „Es muss klar sein für die Jungs, dass wir unser Ökosystem hier in Braunschweig erhalten müssen“, betont er, schließlich seien die Personalkosten der größte Kostenfaktor. „Es wird keiner lachend rausgehen, alle müssen Abstriche machen.“

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