Bei Eintracht gibt es viele komplizierte Vertragslagen

Braunschweig.  Eintrachts Planungen für die nächste Saison waren auch ohne Coronavirus schon schwierig. Doch nun wird es erst recht kompliziert.

Braunschweigs Robin Becker köpft im Spiel gegen Uerdingen einen Ball aus der Gefahrenzone.

Braunschweigs Robin Becker köpft im Spiel gegen Uerdingen einen Ball aus der Gefahrenzone.

Foto: Florian Kleinschmidt / BestPixels.de

Im Nachhinein werden sich Robin Becker und sein Berater nun wahrscheinlich ärgern, dass sie das Vertragsangebot von Eintracht Braunschweig vor ein paar Monaten nicht angenommen haben. Denn auch wenn gerade im Fußball wie überall die Ungewissheit groß ist, scheint eines dennoch klar: In Corona-Zeiten werden die Gehälter der Profis tendenziell eher sinken, da wegen der wegbrechenden Einnahmen praktisch alle Klubs zum Sparen gezwungen sind – nicht nur die Eintracht.

Unabhängig von Kurzarbeit und Gehaltsverzicht hat sich Beckers Verhandlungsposition in den vergangenen Wochen durch das Coronavirus also stark verschlechtert. Der Eintracht steht das Wasser angesichts der Saisonunterbrechung sowie einer drohenden Pause von mehreren Monaten finanziell bis zum Hals. Sollte Becker doch noch beim Drittligisten bleiben, wird er im Vergleich zum ursprünglichen Angebot wohl deutliche Abstriche machen müssen. Damit ist der Innenverteidiger aber nicht allein. Alle Fußball-Profis, deren Verträge am 30. Juni auslaufen, stecken in der Warteschleife und vielleicht sogar in der Klemme. Wenn die Klubs aufgrund einer anhaltenden Spielpause sparen müssen, sind sie die ersten Opfer. Kontrakte werden nicht verlängert und neue Jobs gibt es wahrscheinlich nur zu geringeren Bezügen als in Vor-Corona-Zeiten.

Bei der Eintracht gibt es sogar auffallend viele Spieler, die nun in der Luft hängen und nicht wissen, wie es für sie nach dem 30. Juni weitergeht. Von den 29 Spielern des aktuellen Kaders besitzen nur zwölf auch einen Vertrag für die nächste Spielzeit. Dazu kommt mit Nick Otto, der wie sein Bruder Yari noch bis 2021 an Eintracht gebunden ist, ein Leihspieler, der im Sommer von Regionalligist SSV Jeddeloh II zu den Löwen zurückkehrt. Ansonsten muss Braunschweigs Sportdirektor Peter Vollmann in den nächsten Monaten viele Vertragsgespräche führen.

Eigentlich hat er diesen relativ entspannt entgegengeblickt. Bietet sich der Eintracht durch die vielen auslaufenden Verträge doch auch die Chance, den Etat im Sommer deutlich zu entlasten. Diese Möglichkeit besteht immer noch, trotzdem stellt die aktuelle Ungewissheit Vollmann vor weitere Probleme. Denn bei etlichen Spielern ist die Vertragslage etwas komplizierter. Gleich neun Spieler haben nach Informationen unserer Zeitung eine Option in ihrem aktuellen Kontrakt stehen, die Verträge könnten sich unter Umständen automatisch verlängern.

Das gilt zum Beispiel für Leihspieler Patrick Kammerbauer. Der Mittelfeldspieler ist bis Juni von Erstligist SC Freiburg ausgeliehen, wo er noch bis 2022 unter Vertrag steht. Er kann aber auch noch ein Jahr in Braunschweig dranhängen, wenn er will. Entscheidungsgewalt hat wohl auch Linksverteidiger Niko Kijewski, der ebenfalls die Option besitzen soll, eine weitere Saison bei den Blau-Gelben zu spielen.

Bei anderen Profis wie Stephan Fürstner, Felix Burmeister, Marc Pfitzner oder auch Ersatztorwart Marcel Engelhardt entscheidet das sportliche Abschneiden der Löwen, wie es für sie weitergeht. Im Falle eines Zweitliga-Aufstiegs verlängern sich ihre Verträge automatisch. Und bei Danilo Wiebe hängt es davon ab, wie viele Spiele er in dieser Saison für die Eintracht absolviert. Angeblich fehlen ihm nur noch ein paar Einsätze für eine automatische Vertragsverlängerung. Doch da im Moment nicht gespielt wird, ist seine Zukunft weiterhin ungeklärt und wird es auch noch eine Weile bleiben. Und wie schwierig es bei den verschiedenen Vertragsoptionen erst wird, wenn die Saison nicht bis zum 30. Juni zu Ende gespielt werden kann, will man sich gar nicht ausmalen.

Diese Unsicherheit hätte sich Becker mit einer Unterschrift im Januar ersparen können. Nun muss er wie alle bald vertragslosen Spieler ausharren, wie es weitergeht.

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