Atomgegner besetzen Industriestraße

Bleckenstedt  1500 Besucher kommen zur Frühstücksmeile, trotzen dem Aprilwetter und protestieren gegen die Atompolitik.

Dicht gedrängt saßen die Besucher an den Frühstückstischen der Anti-Atom-Meile auf der Industriestraße.

Dicht gedrängt saßen die Besucher an den Frühstückstischen der Anti-Atom-Meile auf der Industriestraße.

Foto: Holger Neddermeier

Frühmorgens phasenweise Hagel- und Schneeschauer verbunden mit frostigem Wind – mittags viel Sonnenschein und „Kuschel-Atmosphäre“ an den Frühstückstischen auf der Industriestraße Nord. Die vierspurige Straße vor dem Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle Schacht Konrad war auf einer Länge von gut anderthalb Kilometern den ganzen Tag gesperrt.

1500 Menschen, so die Polizei, aus Salzgitter und der Region saßen zusammen auf der bunten Frühstücksmeile und hatten überwiegend gute Laune. Auch wenn der Anlass ein sehr ernster war: Vor dreißig Jahren geschah der Supergau im Kernreaktor bei Tschernobyl, vor fünf Jahren havarierte das Atomkraftwerk (AKW) im japanischen Fukushima. Hieran wurde gedacht und erinnert.

Der Sozialdiakon in Rente Paul Koch sprach mit der Weißrussin Anna Fitseva, die von den verheerenden Folgen der Tschernobyl-Katastrophe vor Ort berichtete. Sie unterteile das Leben in zwei Abschnitte. Das Leben vor dem Unglück und das danach. Und letzteres sei geprägt von Missbildungen und Krebserkrankungen und zahlreichen Totgeburten in ihrer Heimat.

Auch in Fukushima sei die Situation fünf Jahre danach noch immer verheerend, berichtet der in Braunschweig lebende japanische Filmemacher Takashi Kunimoto. Die Atom-Lobby seines Landes beeinflusse dort die Medien. „Die Japaner neigen dazu, das Thema zu verdrängen“, sagt Kunimoto. Das sehe er auch an seinen dort lebenden Verwandten.

Aber auch die aktuelle Situation in der Region um Schacht Konrad und den Asse-Schacht oder auch das AKW Grohnde, das Nukleartechnik-Unternehmen Eckert und Ziegler in Braunschweig standen im Fokus der Kritik an den Tischen und auf der Bühne. „Widersetzt Euch – an die Frühstückstische“ – so die launige Aufforderung, der viele gerne folgten.

Von den 140 im Voraus reservierten Tischen waren zwar nicht alle komplett besetzt – aber dennoch zeigten sich die Veranstalter beeindruckt und zufrieden. „Wer hätte das gedacht bei diesen bescheidenen Wetteraussichten“, sagt Mitorganisator und Schacht-Anlieger Ludwig Wasmus.

Ursula Schönberger von der AG Schacht Konrad, Ulrike Jacob-Prael, Mitglied der Bürgeraktion sichere Asse, und Anti-Atomreferentin des Asta-Braunschweig, Emilie Schmidt, führten durchs Bühnen-Programm mit Musik.

Eine von den Organisatoren gemietete Drohne sollte im Tiefflug Aufnahmen von der Frühstücksmeile machen. Doch nach einem Kurzeinsatz griff die Polizei ein. Aufgrund des Obama-Besuchs in Hannover sei der Luftraum im Umkreis von etwa 60 Kilometern gesperrt.

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