Der Erzieher-Nachwuchs soll schneller in die Kitas

Hannover.  Der Trend ist klar, doch der große Wurf lässt noch auf sich warten: Die Reform der Erzieherausbildung in Niedersachsen dauert vielen zu lange.

Erzieher Mario Byell bastelt mit den Kindern Finn-Ole und Melissa in der Kindertagesstätte «Naturtalent» in der Holzwerkstatt. Die Einführung der praxisorientierten, dreijährigen Erzieherausbildung in Mecklenburg-Vorpommern hat sich nach Ansicht von Bildungsministerin Hesse bewährt.

Erzieher Mario Byell bastelt mit den Kindern Finn-Ole und Melissa in der Kindertagesstätte «Naturtalent» in der Holzwerkstatt. Die Einführung der praxisorientierten, dreijährigen Erzieherausbildung in Mecklenburg-Vorpommern hat sich nach Ansicht von Bildungsministerin Hesse bewährt.

Foto: Jens Büttner / dpa

Niedersachsen fehlen Erzieher, laut Niedersächsischem Städtetag mehr als 4000 in den nächsten drei Jahren. Bereits 2017 kündigte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) Verbesserungen an. Mittlerweile wirbt das Ministerium mit einem „Niedersachsen-Plan“, der unter anderem eine Ausbildung zum Erzieher in Teilzeit vorsieht. Der CDU-Landtagsfraktion und auch dem niedersächsischen Städtetag geht das alles zu langsam. „Modellprojekte , wie Minister Tonne sie macht, brauchen wir eigentlich nicht mehr“, sagt die CDU-Landtagsabgeordnete Mareike Wulf.

Zwei Jahre bis zum Sozialassistenten, weitere 2 Jahre bis zum Erzieher mit Fachhochschulreife: so sieht die Ausbildung im Regelfall derzeit aus. Dass sie bei vielen als nicht attraktiv gilt, liegt auch am Thema Vergütung. „Es kann nicht sein, dass angehende Fachkräfte für die Bildung, Betreuung und Erziehung unserer Kinder während ihrer Ausbildung auch noch Schulgeld aufbringen müssen“, sagte Tonne im März. Für die freien Träger wolle das Land 2019 das Schulgeld übernehmen, kündigte der Minister an. Die staatlichen, öffentlichen Fachschulen würden kostenfrei zur Verfügung gestellt, betont ein Sprecher des Ministeriums. In „Teilzeit“ sollen außerdem angehende Erzieher schnell auch in Kitas arbeiten können – und dabei auch Bezahlung erhalten können. Für vorgebildete Quereinsteiger, etwa Pfleger oder Ergotherapeuten, soll der Einstieg leichter werden. In Braunschweig und Wolfsburg läuft außerdem eine Ausbildung mit „dualisierten Elementen“ - jene Modellversuche, von denen Wulf spricht. Beim Schulgeld an Schulen in freier Trägerschaft, das das Land übernehmen will, geht es um insgesamt 5 Millionen Euro jährlich.

Die CDU will dagegen flächendeckend eine konsequent „duale Ausbildung“. Sie soll Theorie und Praxis kombinieren wie im dualen System der deutschen Berufsausbildung. Von Anfang an wäre der Nachwuchs dann auch in den Tagesstätten. „Diese Auszubildenden wären gut als dritte Kraft in Kitas und Krippe einsetzbar“, sagt Wulf. Leiten dürfen sie noch nicht. Danach würde eine dreijährige, ebenfalls dualisierte Ausbildung zum Erzieher folgen. Während der gesamten Ausbildung wären die Betreffenden also bereits in Kitas –die Kitas könnten viel besser ihre Personalentwicklung planen, sagt Wulf. Durch das Streichen der Schulferien soll der Theorieanteil der Ausbildung hoch bleiben, mit den Kitas gibt es einen Arbeitsvertrag als Sozialassistent – und eine Vergütung. Weil Erzieher nicht nur an Kitas, sondern auch in Behörden eingesetzt werden können, müsste es vermutlich Ausbildungsverbünde geben.

Der Städtetag hatte Ende August ebenfalls Druck gemacht: „Es kann nicht sein, dass wir auf ein Konzept bis zum Frühjahr warten müssen“, hieß es in einer Mitteilung des Städtetags. Der Verband spricht von einem Personalnotstand in den Kitas. Das Land hatte für November ein zweites „Forum“ zum Thema Ausbildung angekündigt. Dann soll ein neues Ausbildungsmodell entwickelt werden. „Drei Jahre Erzieherausbildung, eine angemessene Ausbildungsvergütung sowie ein verlässlicher Ausbildungsvertrag für die Bewerber sind aus unserer Sicht wesentliche Bausteine für eine dualisierte Ausbildung“, hatte Salzgitters Oberbürgermeister Frank Klingebiel (CDU), Vizepräsident des Niedersächsischen Städtetags, auf ein Positionspapier des Städtetags verwiesen. Die CDU-Fraktion orientiert sich laut Wulf an Modellen in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. In Baden-Württemberg gab es laut Wulf ein Plus von rund 30 Prozent bei den Absolventen. Von einer „Billiglösung“ auf Kosten der Kommunen spricht dagegen die Grünen-Abgeordnete Julia Hamburg. Die Kommunen müssten dann die Kosten für die Ausbildung tragen. Die Ausbildung werde zudem von vier auf fünf Jahre verlängert - und damit unattraktiver. Das Land warb Ende August noch einmal um Geduld. „Einen zusätzlichen Ausbildungsweg schüttelt man nicht so einfach aus dem Ärmel“, erklärte Tonne.

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