Die Mahner wollen dran bleiben

Helmstedt  Gemeinsam-Kandidaten 2018: Die Bürgerinitiative Morsleben fordert mehr Transparenz bei der Suche nach einer Lösung für den Atommüll.

Setzen sich für mehr Transparenz ein (von links): Volker Möll, Andreas Fox und Hans-Joachim Doil.

Setzen sich für mehr Transparenz ein (von links): Volker Möll, Andreas Fox und Hans-Joachim Doil.

Foto: Erik Beyen

Sie haben schon viel erreicht, die Mitglieder der Bürgerinitiative Morsleben (BI). Etwa den endgültigen Einlagerungsstopp für schwach- und mittelradioaktives Material im ehemaligen Kali- und Steinsalzbergwerk in Morsleben (Sachsen-Anhalt) – nur einen Steinwurf von Helmstedt entfernt.

Weil sich Wirkung und die Folgen der Einlagerung von Atommüll aber weder lokal eingrenzen noch wirklich überschauen lassen, wollen die etwa 30 Mitglieder der Bürgerinitiative um ihren Vorstand Andreas Fox, Volker Möll und Hans-Joachim Doil weiter kämpfen. Es gehe um Verantwortung, im biblischen Sinne für die Schöpfung, so Hans-Joachim Doil, im weltlichen Sinne für das Leben auf der Erde weit über die Zeit des Menschen hinaus. „Die Folgen unsers Handelns reichen eine Million Jahre in die Zukunft“, sagt Volker Möll.

Seit 1991 kämpfen die Mitglieder der Initiative, sie stammen aus Sachsen-Anhalt, Wolfsburg und Helmstedt, vor allen Dingen um mehr Transparenz bei der Suche nach einer Lösung für den Atommüll, aber: „Rausholen, Sorgen los – das klappt hier nicht“, sagt Volker Möll. Man könne anderen Menschen nicht einfach die eigenen Probleme auferlegen. Er erklärt das Dilemma, in dem die Verantwortlichen für Morsleben stecken: „Wie soll nachfolgendes Leben in 50 000 Jahren wissen, was wir da hinterlassen haben?“

Was die drei Herren sagen, klingt unglaublich theoretisch, doch sie denken ziemlich praktisch. Morsleben, sagen sie, eigne sich nicht als Endlager. Sie fordern Transparenz auf allen Ebenen, wollen wissen, was dort passiert. „Es geht darum, Gefahren zu vermeiden“, erklärt Andreas Fox. Wenngleich momentan keine Belastungen in der Umwelt spürbar seien, gebe es reale Risiken: Austritte in die Biosphäre, Brände. Die tägliche Arbeit der Initiative ist eher unspektakulär. Anfangs haben sie demonstriert, Banner in die Höhe gehalten, dann mit zwei Klagen die Einlagerung gestoppt. Doch gegen Zuständigkeitsgerangel und falsche Ansätze, sagen sie, helfe nur die Detailarbeit – Informationsabende für die Öffentlichkeit, Teilnahme an Atomkonferenzen. Andreas Fox war Mitglied der Kommission, die das Gesetz zur Lagerung für hoch radioaktive Abfälle entwickelt hat. Ziel der BI: „Das Lager muss mit größtmöglicher Sicherheit geschlossen werden.“ Bis dahin wollen sie weiter Netzwerk- und Aufklärungsarbeit leisten, offene Fragen zur Diskussion stellen und möglichst viele Menschen für das Thema sensibilisieren. Ihr Ehrenamt finanziert sich aus Spenden.

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