Auch Mutti ist bei Facebook

Braunschweig  Werbespezialisten sind überzeugt, dass die Zukunft des Marketings digital ist.

Auszubildenden und Studenten der Welfenakademie hörten einen Vortrag über Journalismus in der digitalen Welt.

Auszubildenden und Studenten der Welfenakademie hörten einen Vortrag über Journalismus in der digitalen Welt.

Foto: Peter Sierigk

Geht in die Online-Welt! Diese Botschaft dürften die Teilnehmer des „Digital Day“ mit nach Hause genommen haben. 120 junge Männer und Frauen, Studierende der Welfenakademie und Auszubildende aus dem Programm „Zukunft Bilden“ unserer Zeitung, widmeten sich am Donnerstag in der Welfenakademie in Braunschweig in Vorträgen und Workshops den digitalen Medien.

„Wir machen den ganzen Tag geilen Scheiß“, beschrieb Felix Jahnen die Arbeit seiner Abteilung Digitales Marketing bei Jägermeister. „Die Zukunft spricht 2.0“, sagte Nina Schwerdtfeger von der Firma Löwenstark Online-Marketing in ihrem Vortrag. „Wir machen nichts, worauf wir keinen Bock haben. Sonst könnten wir ja auch einen richtigen Job machen“, erklärten Tim Sadler und Babak Khosrawi-Rad, die Geschäftsführer des Start-Up-Unternehmens Stereolove, das unter anderem das Braunschweiger Holi-Festival organisiert.

Doch was ist dieser Job? Die Referenten einte, dass sie in den sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter, Instagram und Co. für ihre Unternehmen werben. Schwerdtfeger beschrieb am Beispiel ihrer Mutter, wie Facebook von einem Unternehmen genutzt werden könne, um eine Interessensgemeinschaft aufzubauen. Dort könne sie sich mit Gleichgesinnten über ihr Hobby, den Gartenbau, austauschen. So könne Bedarf nach den eigenen Produkten geweckt werden, und am Ende kauft die Mutter das Gartenhaus bei ihrem „Facebook-Bekannten“, dem Unternehmen, das die Gruppe organisiert.

Seit sechs Jahren arbeite sie in diesem Beruf, so Schwerdtfeger, und sie mache jeden Tag etwas Neues. Das sei es, „warum Online-Marketing richtig geil ist“. Das und die Tatsache, dass der Online-Handel 2015 in Deutschland voraussichtlich 43 Milliarden Euro umsetzen werde.

Auch Felix Jahnen ist überzeugt: „Digitales Marketing ist die Zukunft des Marketings.“ Dafür brauche es Agilität. Das unterstrich er mit einem Bombardement von mehr als 100 Folien und einer Fülle von Videos und Bildern aus Jägermeister-Werbekampagnen. Das Ziel sei, maximale Aufmerksamkeit zu erzeugen – durch die richtige Botschaft und möglichst große Nähe zum Kunden. Das könne auch mal schiefgehen, so Jahnen. Doch im digitalen Marketing, sei es besser, einfach „zu machen, statt zu warten, dass etwas perfekt wird“.

In diesem Feuerwerk der Online-Begeisterung wirkte Armin Maus geradezu zurückhaltend. Der Chefredakteur unserer Zeitung sprach über den Journalismus in der digitalen Welt und beschrieb an seinem eigenen Berufsweg, der 1987 begann, die Entwicklung des Journalismus – vom Foto, das in der Dunkelkammer entwickelt wurde bis zur Echtzeitberichterstattung im Internet. Heute trenne nur eine Datenverbindung den Redakteur von seinem Leser, so Maus. Das fördere den Dialog und mache letztlich auch den Journalismus besser in seiner Funktion, „Informationen auszutauschen, damit die Gesellschaft besser funktioniert“.

ZUKUNFT BILDEN

Die Vermittlung von Medienkompetenz ist das Ziel von „Zukunft Bilden“, einer gemeinsamen Bildungsinitiative unseres Medienhauses mit verschiedenen Partnerunternehmen für Auszubildende in unserer Region. Die Teilnehmer werden mit einem medienpädagogischen Programm begleitet.

Bei den Zuhörern kam die Mischung aus nüchterner Analyse und Marketing-Begeisterung gut an. „Die Referenten waren kompetent, die Vorträge unterhaltsam“, fasste Kevin Grotzke, Student an der Welfenakademie, zusammen. Seine Kommilitonin, Sina Brackmann, die privat keine sozialen Medien nutzt, zeigte sich ebenfalls beeindruckt. Sie sei nun toleranter gegenüber Facebook und Co.: „Für Unternehmen ist das ein gutes Instrument, um in den Markt einzusteigen.“

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