Wäre drinlassen doch besser?

Hannover  Der Experten-Bericht zur Asse enthält politischen Sprengstoff.

Asse-Arbeiter nehmen im Asse-Schacht Bohrungen vor.

Foto: Uwe Hildebrandt

Asse-Arbeiter nehmen im Asse-Schacht Bohrungen vor. Foto: Uwe Hildebrandt

Auf der Tagesordnung stand die Asse unter „Verschiedenes“, doch beraten wurde der Bericht „Strahlenschutz bei der Stilllegung der Schachtanlage Asse II – Empfehlungen der Strahlenschutzkommission“ (SSK) dann in der Sitzung am 11. und 12. Dezember gar nicht.

Denn der Entwurf hat es in sich: Auf knapp 100 Seiten rechnen die Experten mit dem Projekt Bergung des Asse-Mülls („Rückholung“) und ganz nebenbei auch mit dem aktuellen Betreiber der Asse, dem Bundesamt für Strahlenschutz, ab. Kernvorwurf: Die Risiken-Nutzen-Abwägung beim Projekt Rückholung sei unzureichend, die Machbarkeit des Ganzen fraglich, Alternativen denkbar.

Sailer zweifelte an Bergung

2010 hatte das Bundesamt seinen „Optionenvergleich“ zum Stilllegen der Asse vorgestellt. Ergebnis: „Nur für die Rückholung kann nach derzeitigem Kenntnisstand ein Langzeitsicherheitsnachweis erbracht werden.“ Zweifel an dieser Entscheidung gibt es seit jeher.

Die Rückholung sei nach wie vor mit großen Unsicherheiten behaftet, sagte etwa der Vorsitzende der Entsorgungskommission des Bundesumweltministeriums, Michael Sailer, 2010. Ein kritischer Punkt laut Sailer: die Strahlenbelastung. Sailer hat seine Zweifel am Mammutprojekt Bergung regelmäßig wiederholt. „Aus Sicht der SSK sind die Betrachtungen zur Langzeitsicherheit (...) für alle zu erörternden Stilllegungsvarianten erforderlich“, heißt es nun in dem Entwurf.

Auch bei der „vollständigen Rückholung“ blieben schließlich radioaktive Stoffe in der Asse zurück. Ausdrücklich bringen die Fachleute eine „Teilrückholung“ oder auch den Verbleib aller Abfälle ins Spiel. Sogar bei einem unbeherrschbaren Lösungszutritt könnten die radiologischen Kriterien der Langzeitsicherheit „eventuell einhaltbar“ sein. Verwiesen wird auf Berechnungen des Öko-Instituts aus dem Jahr 2012, Chef: Michael Sailer.

Das Bundesumweltministerium habe der SSK keinen Auftrag erteilt, eine Stellungnahme zur Asse zu erarbeiten, heißt es im Bundesumweltministerium. Die Rückholung der radioaktiven Abfälle aus der Asse sei gesetzlich festgeschrieben. „Es wäre hilfreicher, wenn alle Experten die langfristig sichere Schließung der Asse unterstützen würden“, sagt Florian Emrich, Sprecher des Bundesamtes für Strahlenschutz. Seit Juli 2008 gibt es eine „Ad-hoc-Arbeitsgruppe Asse“ von Entsorgungskommission und Strahlenschutzkommission.

Verweis auf die „Lex Asse“

Aus Sicht des Bundesumweltministeriums und des BfS sind alle Abwägungen erfolgt. Eine fortlaufende Prüfung der Bergung, insbesondere unter Strahlenschutz-Gesichtspunkten, sei in der „Lex Asse“ festgeschrieben. Dass die Experten dem Bundesamt mangelnde Information der Öffentlichkeit vorwerfen und feststellen, der Zustand der Asse sei kritischer als dargestellt, sieht man intern eher als Foulspiel. Unter Tage laufen umfassende Arbeiten zur Stabilisierung, laut BfS gehen die Verformungen des Gebirges zurück.

Aufhorchen lässt eher, dass das SSK-Papier die Bergung als „geplante Expositionssituation“ definiert. Und da scheinen die Experten höhere Schutzmaßstäbe anlegen zu wollen als an eine „bestehende“ Strahlenexposition – unter Verweis auf EU-Vorgaben. Soll wohl heißen: Drinlassen ist besser.

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