Berlin. Russlands Truppen und Raketen sind gefährlich für die Nato. Und unter der Meeresoberfläche ist das Bündnis besonders verwundbar.

Die Spannungen zwischen Russland und der Nato sind seit dem russischen Angriff auf die Ukraine auf einem neuen Höhepunkt. Auch Deutschland befindet sich in „Putins Fadenkreuz“, wie der Generalinspekteur der Bundeswehr dieser Redaktion sagte. Doch nicht nur Russlands Raketen und Truppen sind eine potenzielle Gefahr für Europa. Wie Vize-Admiral Didier Maleterre, stellvertretender Kommandant des Nato Allied Maritime Command (Marcom), dem „Guardian“ sagte, besteht auch eine massive Bedrohung für die Unterwasser-Infrastruktur.

Was sich bereits bei den Sabotageakten an Nord Stream 1 und 2 sowie Balticconnector zeigte, könnte laut Maleterre zu einem massiven Sicherheitsproblem der Nato werden. Denn nicht nur Gasleitungen verlaufen unter dem Meer, auch für die Kommunikation sind Unterwasser-Leitungen von entscheidender Bedeutung. „Mehr als 90 Prozent des Internets befinden sich unter dem Meer. Alle unsere Verbindungen zwischen den USA, Kanada und Europa werden unter dem Meer übertragen“, erklärte der Nato-Kommandant.

Verlauf der für Deutschland relevanten Gaspipelines
Verlauf der für Deutschland relevanten Gaspipelines © FUNKE GRAFIK NRW | Anna Stais

Unterwasser-Leitungen sind Ziel von Russlands hybrider Kriegsführung

Dort sind sie laut dem Offizier vergleichsweise leichte Ziele für Russlands „hybride Kriegsführung“, die bis hin zu Atom-U-Booten reichen soll. Die Firmen, die für die Infrastruktur verantwortlich sind, seien nicht auf eine solche Entwicklung vorbereitet gewesen. „Wir wissen, dass die Russen eine Menge hybrider Kriegsführung unter dem Meer entwickelt haben, um die europäische Wirtschaft zu stören, durch Kabel, Internetleitungen, Pipelines. Unsere gesamte Wirtschaft unter dem Meer ist bedroht“, so Maleterre. Ein Angriff darauf sei ein „Sicherheitsrisiko für fast eine Milliarde Zivilisten in der Nato“.

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Für die Sicherheit in der Ostsee und dem Arktischen Ozean seien die kürzlichen Nato-Beitritte von Finnland und Schweden ein wichtiger Fortschritt gewesen. Schwedens Erfahrung in beiden Regionen „wird die Fähigkeit der Nato, jegliche regionale Aggression zu erkennen und abzuschrecken, unmittelbar verbessern“, so Malaterre.

Um verdächtige Aktivitäten frühzeitig zu erkennen, setzt Marcom laut dem Offizier auch Satellitenüberwachung und Künstliche Intelligenz ein. Außerdem seien zu jedem Zeitpunkt „mehr als 100 Schiffe, Atom-U-Boote und konventionelle U-Boote“ des Marcom in den Meeren unterwegs. Aber jede Leitung dauerhaft zu überwachen, sei unmöglich, so der Offizier weiter. Auch im Nachhinein sei es schwer, herauszufinden, wer für einen Angriff verantwortlich war. Das zeigen auch die Sabotageakte an den Nord Stream-Pipelines, bei denen die Ermittlungen kürzlich eingestellt wurden.

fgö