Berlin. Corona ist überall: Das halbe Land scheint gerade infiziert zu sein. Was man jetzt noch tun kann, damit Weihnachten kein Risiko wird.

Corona ist wieder überall – im Freundeskreis, in der Familie, in Büros und Betrieben. Das Virus treibt den Krankenstand in die Höhe und füllt die Arztpraxen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) geht inzwischen wieder von Rekordinzidenzen aus – und sorgt sich um ungeimpfte Risikopatienten. Auch die deutschen Hausärzte mahnen dringend, das Virus ernst zu nehmen. Testen, impfen, Maske tragen: Was hilft jetzt am besten, um gut durch die Weihnachtszeit zu kommen?

Corona-Welle in Deutschland: Wie ist die aktuelle Lage?

Lauterbach spricht aktuell von einer Sieben-Tage-Inzidenz von rund 1700 Neuinfektionen pro 100.000 Personen. Der hohe Wert ergibt sich nicht durch offizielle Meldezahlen, sondern ist ihm zufolge eine Hochrechnung, die sich vor allem aus den klinischen Fällen ableiten lasse. Die amtlichen Zahlen dagegen zeigen nur ein unzureichendes Bild – weil kaum noch systematisch getestet und noch seltener Testergebnisse anschließend auch an das Robert-Koch-Institut gemeldet werden.

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Trends, die die aktuelle Welle belegen, lassen sich aber klar erkennen: Laut Pandemie-Radar des Bundesgesundheitsministeriums lag die 7-Tage-Inzidenz der offiziell gemeldeten Infektionsfälle zuletzt bei 27 Covid-Fällen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner und damit sieben Prozent höher als in der Vorwoche. In der Altersgruppe bei den über 80-Jährigen lag der Wert mit 100 am höchsten. Dieser Wert ist seit der Vorwoche ebenfalls gestiegen.

Auch die Zahl der Arztbesuche wegen einer akuten Atemwegserkrankung stieg im Wochenvergleich an – auf jetzt mehr als 230 Praxisbesuche je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner wegen Corona. Bei den Abwasser-Untersuchungen geht die Kurve ebenfalls nach oben: Die über alle meldenden Standorte gemittelte Viruslast im Abwasser stieg an. Zudem lagen zu Wochenbeginn 965 Patientinnen und Patienten mit Covid-19 in intensivmedizinischer Behandlung – sechs Prozent mehr als in der Woche zuvor.

Weihnachtsfeiern, Festtage, Silvester – Wie groß ist das Risiko?

Experten raten vor allem Risikopatienten dringend dazu, sich besser zu schützen. Bislang haben sich laut Bundesgesundheitsministerium erst drei Millionen Deutsche mit dem angepassten Impfstoff boostern lassen. „Das ist sehr enttäuschend. Wir nutzen diese Möglichkeiten nicht ausreichend“, beklagte Lauterbach. Doch es geht nicht nur ums Impfen. Weihnachtsfeiern seien in diesem Jahr wieder ein Gefahrenherd – zumindest für Menschen, die mit einem schwereren Verlauf rechnen müssen: Er rate jedem, der ein Risiko trägt, sich entweder vorher impfen zu lassen, gar nicht teilzunehmen oder sich mit einer Maske zu schützen, so Lauterbach.

Im Moment werde die Gefahr, die von Covid-19 ausgeht, von vielen unterschätzt. An alle, die über die Weihnachtstage Familie und Freunde treffen wollten, appellierte der Minister, sich selbst und die Verwandten zu schützen. Wer sich jetzt impfen lasse, bei dem entwickele sich der größtmögliche Schutz bis zum Weihnachtsfest: „Der Schutz ist nicht perfekt und hält nicht lange, aber das Infektionsrisiko ist deutlich reduziert.“ Und: Wer schlecht geschützte Risikopatienten treffe, solle besser Maske tragen.

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Lauterbach geht davon aus, dass aktuell drei Prozent der Corona-Infizierten im Verlauf ihrer Infektion auch an Long-Covid-Symptomen leiden. Das Risiko für Ungeimpfte sei doppelt so hoch. Auch deshalb sei ein ausreichender Impfschutz wichtig. Zum jetzigen Zeitpunkt gebe es keine Heilung: „Long Covid ist noch nicht gelöst.“ Eine Überlastung der Kliniken drohe in diesem Winter dagegen wohl nicht, so der Minister. Aber: Die Krankenhäuser seien stark belastet. Er habe deswegen „volles Verständnis“, wenn die Kliniken wieder eine Maskenpflicht ausgerufen würden. Per Hausrecht ist das auch ohne geltende Corona-Regeln möglich.

Schutz vor Corona-Infektion: Was empfehlen die Hausärzte?

Die Hausärzte warnen vor allem vor einem erhöhten Risiko zu Weihnachten: „An den anstehenden Weihnachtsfeiertagen werden viele von uns mit Eltern und Großeltern auf engem Raum zusammenkommen. Für vulnerable Gruppen, gerade, wenn sie keinen ausreichenden Impfschutz haben, können sowohl Covid-19 als auch die Grippe nach wie vor schwere Erkrankungen darstellen“, so der Bundesvorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes. Das Problem: Nicht nur der Impfschutz gegen Corona ist bei vielen zu schwach. „Leider ist auch die Quote bei der Grippeschutzimpfung seit Jahren zu niedrig.“

Markus Beier, Vorsitzender des Hausärzteverbands mahnt: „Es ist noch nicht zu spät, sich gegen Grippe und Corona impfen zu lassen.“
Markus Beier, Vorsitzender des Hausärzteverbands mahnt: „Es ist noch nicht zu spät, sich gegen Grippe und Corona impfen zu lassen.“ © Funke Foto Services | Maurizio Gambarini

Die Hausärzte appellieren daher ebenfalls mit Blick auf Weihnachten: Jeder sollte seinen Impfstatuts überprüfen lassen. „Es ist noch nicht zu spät, sich gegen Grippe impfen zu lassen oder sich eine Corona-Auffrischungsimpfung abzuholen“, so Beier. Schwere Verläufe seien zwar aktuell die Ausnahme, gerade für hochbetagte Menschen oder Patientinnen und Patienten mit Vorerkrankungen, könne eine Corona-Infektion aber deutlich heftiger verlaufen.

Der Hausärztechef empfiehlt zudem dringend, sich im Verdachtsfall zu testen: „Bei entsprechenden Symptomen ist es daher nach wie vor sinnvoll, einen Schnelltest zu machen.“ Gerade an den Weihnachtsfeiertagen, an denen viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen, „schadet es definitiv nicht, im Zweifel schnell einen Test zu machen“.