VW schließt Donnerstagabend alle Werke

Wolfsburg.  Die Produktion soll für zwei Wochen unterbrochen werden. Volkswagen will Kurzarbeitergeld beantragen.

Karosseriebau im VW-Werk Wolfsburg.

Karosseriebau im VW-Werk Wolfsburg.

Foto: Christophe Gateau / dpa

Schutz der Mitarbeiter, absehbare Unterbrechungen der Lieferketten, zum Erliegen gekommene Automärkte: VW hat sich aus diesen Gründen entschlossen, die Produktion in den deutschen und europäischen Werken zu stoppen. Nach Angaben von Ralf Brandstätter, operativer Chef der Marke VW, endet die Produktion am Donnerstag nach der Spätschicht. Sie soll für zwei Wochen unterbrochen werden. „Wir werden deshalb Kurzarbeitergeld beantragen“, sagte er.

Die Produktion soll in den deutschen Werken Wolfsburg, Braunschweig, Salzgitter, Hannover, Emden, Osnabrück, Kassel, Chemnitz, Zwickau und Dresden, bei der VW-Tochter Sitech sowie in den Werken Bratislawa (Slowakei), Pamplona (Spanien) und Palmela (Portugal) unterbrochen werden.

Mit der Entscheidung, die Produktion am Donnerstag zu beenden, kommt das Unternehmen dem Betriebsrat entgegen. Der hatte zuvor die ursprüngliche Planung kritisiert, die Produktion bis einschließlich Freitag laufen zu lassen. Dadurch wäre aus Sicht der Arbeitnehmervertreter eine Zweiklassen-Gesellschaft entstanden. Auf der einen Seite die Bürokräfte, denen Heimarbeit ermöglicht werde, auf der anderen Seite die Produktionskräfte, die weiterhin auf engem Raum zusammenarbeiten müssten.

Nach Angaben von Daniela Cavallo, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende, ist die Verunsicherung in der Belegschaft sehr groß – und sie sei durch das Ermöglichen von Heimarbeit noch größer geworden. „Wir wollen die Menschen beruhigen, solch eine große Krise haben wir alle noch nicht erlebt“, sagte sie.

Brandstätter und Cavallo erläuterten, dass nun die Abteilungen identifiziert würden, die die Arbeit beenden, und jene, die weiterhin arbeiten müssten. Dazu gehörten etwa der Werkschutz und die Mitarbeiter des Kraftwerks in Wolfsburg. „In sehr wichtigen Projekten für das Unternehmen wird weitergearbeitet“, sagte Brandstätter. Das gelte zum Beispiel für die Software-Entwicklung des rein elektrischen Kompaktmodells ID.3, der ab diesem Sommer ausgeliefert werden soll. Brandstätter betonte, dass das Unternehmen alles daran setze, die Krise zu meistern. „Es gibt für diese Situation keine Blaupause. Wir als Volkswagen-Familie werden die Krise aber bewältigen. Wir halten zusammen“, betonte er.

Das Unternehmen habe einen Krisenstab eingerichtet, der täglich zusammenkomme und die Situation bewerte. Brandstätter äußerte sich nicht dazu, ob die zweiwöchige Produktionsunterbrechung möglicherweise verlängert wird. Ein Vorhersage sei derzeit nicht möglich.

VW-Vorstandschef Herbert Diess sagte am Dienstagmorgen auf der VW-Bilanz-Pressekonferenz, dass ein Herunterfahren der Werke erforderlich sei, um das Ausbreiten des Coronavirus einzudämmen. Es gehe nun vorrangig darum, die VW-Mitarbeiter und ihre Mitarbeiter zu schützen.

In China, wo das Coronavirus zuerst aufgetreten war, werde die Produktion dagegen aktuell wieder hochgefahren, sagte Diess. Die chinesische Regierung betreibe ein „sehr konsequentes“ Krisenmanagement. Die Reaktion auf den Corona-Ausbruch sei zwar recht spät erfolgt, dann aber zielgerichtet gewesen. Dazu hätten Reisebeschränkungen gehört, Abstandsvorgaben für die Bevölkerung und das Tragen von Masken. Gleichzeitig sei die chinesische Regierung bestrebt, Logistikketten – zum Teil auch mit Sondergenehmigungen – aufrechtzuerhalten. China steuere zudem „sehr schnell um“, um die Wirtschaft wieder anzuschieben. Diess sagte weiter, dass er in diesem Jahr noch mit Sondermaßnahmen der chinesischen Regierung rechne, um die Konjunktur zu beleben.

Die bisherigen Ankündigungen der Politik auf europäischer und auf Bundesebene begrüßte der VW-Chef.

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