Wolfsburg. Die Entwicklung trifft VW in einer Phase milliardenschwerer Investitionen. Seit Jahresbeginn sind die Verkaufszahlen deutlich gesunken.

Die Größe und Entwicklung der Marke VW, aber auch des VW-Konzerns stehen in direktem Zusammenhang mit der starken Position des Autobauers als Marktführer in China. Glänzte das Reich der Mitte bis 2017 noch mit deutlichen Wachstumsraten, gab es auf dem Automarkt im vergangenen Jahr erstmals ein Minus. Nach Einschätzung von Professor Stefan Bratzel, der das Auto-Institut in Bergisch-Gladbach leitet, wird sich das Auto-Geschäft dort auch in diesem Jahr rückläufig entwickeln. Und das ausgerechnet in einer Phase, in der VW vor milliardenschweren Investitionen steht.

Nach Angaben Bratzels ist der chinesische Automarkt im vergangenen Jahr um 3,8 Prozent geschrumpft. Auch die ersten drei Monate des laufenden Jahres schlossen demnach mit einem Minus. Für das Gesamtjahr erwartet Bratzel einen Rückgang um 5 Prozent. Als Gründe für diese Entwicklung nennt der Autoexperte den Handelskonflikt zwischen den USA und China, die Steuerpolitik Chinas sowie ein sinkendes Verbrauchervertrauen.

Bratzel erwartet nicht, dass sich die alten Marktverhältnisse rasch wieder herstellen. Im Gegenteil: „Die mehr als zwei Dekaden währende Wachstumsperiode neigt sich dem Ende zu. Künftig ist mit einer höhren Volatilität des Marktes inklusive Phasen der Stagnation und rückläufiger Zulassungen sowie einer Veränderung der Nachfragemuster zu rechnen.“ Zudem werde die Elektro-Mobilität massiv an Bedeutung gewinnen. Die Autobauer werden sich also auf magere Zeiten einstellen müssen. Die Abkühlung in China habe Folgen für den Weltmarkt. Bratzel: „In den nächsten Jahren ist mit einer eher stagnierenden Pkw-Weltmarktentwicklung zu rechnen bei gleichzeitig hohen Ausgaben für neue Technologien.“

Trotz rückläufigen Geschäfts in China hat sich VW nach eigenen Angaben im Reich der Mitte besser geschlagen als der Wettbewerb und Marktanteile hinzugewonnen. Dennoch sinken die Verkaufszahlen immer deutlicher: Legte der Konzern im vergangenen Jahr noch um 0,5 Prozent zu, sanken die Verkäufe im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,9 Prozent, im Februar um 7,4 und im März um
9,4 Prozent. Ähnlich ist die Entwicklung der Marke VW: Schon das vergangenen Jahr schloss mit einem Minus von 2,1 Prozent. Im Januar sanken die Verkaufszahlen um 3,1 Prozent, im Februar um 8,8 und im März um 9,9 Prozent.

Die Bedeutung Chinas für die Wolfsburger ist enorm. Im März verkaufte der VW-Konzern dort ein Drittel seiner Produktion, die Marke VW knapp 45 Prozent. In der Wolfsburger VW-Zentrale werden daher viele Hebel im Bewegung gesetzt, um die starke Position zu behaupten. Dazu gehören der Ausbau der Elektro-Mobilität, das erweiterte Angebot im SUV-Segment sowie die Gründung der Marke Jetta.

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Der Erfolgsdruck ist groß. Die anstehenden Milliarden-Investitionen müssen erst noch verdient werden. Der Konzern will nach eigenen Angaben bis 2023 etwa 44 Milliarden Euro für Elektrifizierung, Digitalisierung, Mobilitätsdienste und autonomes Fahren ausgeben. In die Entwicklung der E-Mobilität sollen davon allein 30 Milliarden Euro fließen.

Einen Kommentar zum Thema lesen Sie hier: Schicksalsjahr für VW