Appell an Kliniken: Nicht dringende Operationen verschieben

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Anästhesisten bereiten einen Patient auf eine Operation vor. Niedersachsens Kliniken sollen nicht dringende Operationen verschieben, um immer Platz für Corona-Intensivpatienten zu haben.

Anästhesisten bereiten einen Patient auf eine Operation vor. Niedersachsens Kliniken sollen nicht dringende Operationen verschieben, um immer Platz für Corona-Intensivpatienten zu haben.

Foto: Marijan Murat / dpa (Archivfoto)

Hannover.  Gesundheitsministerin Reimann appelliert an die Krankenhäuser, planbare Operationen zu verschieben, um in den Intensivstationen Plätze freizuhalten.

Bei anhaltend hohen Corona-Infektionszahlen hat Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) an die Kliniken appelliert, planbare Operationen zu verschieben. Im Land wächst die Sorge, dass in absehbarer Zeit nicht mehr alle schwerkranken Patienten auf Intensivstationen behandelt werden können. Das berichtete die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ am Montag. Demnach bereitet das Land eine Verordnung vor, die den Krankenhäusern vorschreibt, bestimmte Operationen zu verschieben - wie auch im März bei der ersten Corona-Welle.

„Die Lage in den Kliniken spitzt sich zu, aber sie ist noch weit entfernt von Dramatik – wenn wir es schaffen, das Wachstum der Pandemie weiter zu begrenzen“, sagte der Leiter des Krisenstabes des Landes, Staatssekretär Heiger Scholz, der HAZ. „Krebs wird natürlich weiter behandelt werden, auch Herzinfarkte oder Schlaganfälle. Es geht um Knie- oder Hüftoperationen, die man auch später durchführen könnte.“ Von den mehr als 2400 Betten auf den Intensivstationen würden etwa 900 für den dringend notwendigen Betrieb gebraucht, sagte er.

Reimann: Der Lockdown wirkt sich erst nach Wochen auf die Infektionszahlen aus

Nur in wenigen Krankenhäusern seien derzeit alle Intensivbetten belegt, etwa in Delmenhorst, sagte Scholz. Reimann sagte, derzeit sehe es so aus, als stabilisierten sich die Infektionszahlen auf hohem Niveau. „Wir wissen aus dem Frühjahr, dass es einige Wochen dauert, bis sich die Kontaktbeschränkungen in sinkenden Infektionszahlen bemerkbar machen“, sagte sie.

Die Ärzteorganisation Marburger Bund und die intensivmedizinischen Fachgesellschaften hatten zuvor kritisiert, dass Krankenhäuser sich aus Umsatzgründen nicht auf Covid-19-Patienten konzentrieren. Bisher ist dem Bericht zufolge aber nicht geklärt, wer für die finanziellen Ausfälle der Kliniken aufkommt. Derzeit liefen Verhandlungen zwischen dem Bund und den Ländern über die Kostenübernahme. „Der Bund ist jetzt dringend gefordert, einen finanziellen Ausgleich zu schaffen, damit die Kliniken diesen Kraftakt stemmen können“, sagte Reimann.

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