Tierhalter melden mehr Wolfsrisse – „schnelle Gefahrenabwehr“

Hannover.  Weidetierhalter fordern schärferes Vorgehen. Beim Umgang mit Wölfen stehen sich Interessen von Naturschützern und Tierhaltern gegenüber.

Die Halter von Weidetieren verlangen wegen neuer Angriffe von Wölfen ein schärferes Vorgehen gegen die Raubtiere (Archivbild).

Die Halter von Weidetieren verlangen wegen neuer Angriffe von Wölfen ein schärferes Vorgehen gegen die Raubtiere (Archivbild).

Foto: Julian Stratenschulte / dpaDeutsche Presse-Agentur! Honorarfrei für FMG-Tageszeitungen!

Die Halter von Weidetieren verlangen wegen neuer Angriffe von Wölfen ein schärferes Vorgehen gegen die Raubtiere. „Ohne Regulierung wird die Anzahl in den nächsten zwei Jahren auf dreitausend Wölfe in die Höhe gehen“, warnte Wendelin Schmücker, Chef des Fördervereins der Deutschen Schafhaltung. Laut seiner Schätzung leben in Deutschland derzeit bis zu 1500 Tiere - ein Bestandswert, den auch das Landes-Agrarministerium für realistisch hält. Zuletzt habe sich die Zahl der Wolfsrisse aber stark erhöht, sagte Schmücker. „Die Politik muss endlich handeln, vom Zuschauerstatus wegkommen und die nichtregulierte, experimentelle Raubtieransiedlung beenden.“

Beim Umgang mit neu angesiedelten Wölfen stehen sich die Interessen von Naturschützern und Tierhaltern gegenüber. Im Kreis Uelzen hatte jüngst ein Naturschutzverein gegen zwei Wolfs-Abschussgenehmigungen geklagt, eine entsprechende Ausnahmeregelung wurde daraufhin vorläufig ausgesetzt. Ein Grund für die Rücknahme ist nach Angaben des Ministeriums in Hannover, dass sich weibliche Wölfe im Frühjahr auch um ihre Welpen kümmern müssen. Nach langer erfolgloser Suche nach dem „Rodewalder Rüden“ bei Nienburg hatte das Land Niedersachsen Anfang April zunächst drei andere Wölfe zum Abschuss freigegeben.

Ministerium geht von etwa 230 Wölfen in Niedersachsen aus

Schmücker betonte, die wirtschaftlichen Belange der Tierhalter müssten stärker berücksichtigt werden: „Insbesondere die ausgesetzten Abschussverfügungen bereiten schlaflose Nächte.“ Die Population der Wölfe dürfe nicht zu sehr wachsen. „Eine wirksame schnelle Gefahrenabwehr fehlt völlig“, meinte er zur begonnenen Weidesaison.

Seit der Jahrtausendwende breiten sich die Raubtiere in Deutschland wieder aus, nachdem sie lange ausgerottet waren. Die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes hatte zum Jahreswechsel 2019/2020 von insgesamt 105 Wolfsrudeln, 25 Paaren und 13 Einzeltieren berichtet. Wie viele Tiere ein Rudel bilden, schwankt. In Niedersachsen wurden zuletzt 26 Rudel, 5 Paare und ein einzelnes Tier gezählt. Bei geschätzt 8 bis 10 Tieren je Rudel gehe man damit derzeit von etwa 230 Wölfen in Niedersachsen aus, hieß es am Mittwoch aus dem Agrarministerium.

„Berechtigte Sorgen der Bevölkerung“

Der Bundestag hatte im Dezember ein Gesetz beschlossen, demzufolge Wölfe zum Schutz von Schafen und anderen Weidetieren leichter abgeschossen werden dürfen. Vorausgegangen war ein monatelanger Streit. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sprach von „berechtigten Sorgen der Bevölkerung“ und ernstzunehmenden Interessen der Weidetierhaltung. Der SPD-Umweltexperte Carsten Träger hob aber auch hervor: „Es wird kein unkontrolliertes Rudelschießen geben.“ Die Linke forderte stärkere Hilfen und Entschädigungen für Schäfer.

Länderbehörden müssen jeden Abschuss einzeln genehmigen. Die Umweltschutzorganisation WWF betonte, die Tötung eines Wolfes dürfe auch bei der neuen Gesetzeslage nur die Ultima Ratio sein. Um ein langfristiges Miteinander von Menschen, Weide- und Wildtieren zu ermöglichen, seien flächendeckende Maßnahmen zum Herdenschutz in allen Bundesländern mit Wolfsvorkommen das A und O. dpa

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