Corona: Niedersachsen stoppt alle Großveranstaltungen

Hannover.  Ministerin Carola Reimann will so die weitere Ausbreitung eingrenzen. Der Höhepunkt sei noch nicht erreicht, sagte sie.

Carola Reimann (SPD), Sozialministerin in Niedersachsen, spricht 2019 bei einer Pressekonferenz. Im Kampf gegen das  Coronavirus hat Reimann nun die Absage aller Großevents angekündigt.

Carola Reimann (SPD), Sozialministerin in Niedersachsen, spricht 2019 bei einer Pressekonferenz. Im Kampf gegen das Coronavirus hat Reimann nun die Absage aller Großevents angekündigt.

Foto: Foto: Christophe Gateau / dpa

Niedersachsens Landesregierung zieht im Kampf gegen Corona die Zügel an. Um ein weiteres Ausbreiten des Virus im Land zu verlangsamen und einzugrenzen, untersagt das Land Großveranstaltungen aller Art mit mehr als 1000 Teilnehmern. Einen entsprechenden Erlass an die Gesundheitsbehörden gab Sozial- und Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) am Freitag vormittag vor der Landespressekonferenz bekannt. Die Menschen im Land und die Behörden wollten „noch mehr Orientierung“, sagte Reimann.

Auch Veranstaltungen mit weniger als 1000 Besuchern seien keineswegs harmlos, warnten Reimann und die leitende Expertin im Ministerium, Claudia Schröder. „Jede Veranstaltung in Niedersachsen steht auf dem Prüfstand“, sagte Reimann. Sie müssten unter anderem danach beurteilt werden, woher die Besucher kämen und wie die räumliche Situation sei. Auch hier seien die Behörden gefordert, sagte Reimann.

Risiko durch Rückkehrer

Am Dienstag abend waren in einem weiteren Erlass laut Ministerium Regelungen für Rückkehrer aus Italien und Teilen Frankreichs getroffen worden. Diese würden vermutlich bald auch für Österreich gelten, sagte die Ministerin. Unter anderem gelten für Rückkehrer, die in den vergangenen 14 Tagen dort waren, Betretungsverbote unter anderem für Schulen und Hochschulen, Kitas, Kinderheimen, Krankenhäusern sowie Alten- und Pflegeheimen. Klassenfahrten-Rückkehrer aus Risikogebieten kommen 14 Tage in Quarantäne.

„Das sind drastische Maßnahmen und erhebliche Eingriffe“, so Reimann. Diese seien aber notwendig, um ein freies Zirkulieren des Virus in Niedersachsen zu verhindern. „Wir haben es mit einem Infektionsgeschehen zu tun, das eine sehr hohe Dynamik hat, und wir haben den Höhepunkt noch nicht erreicht“, sagte die SPD-Politikerin.

Kommunen sollen kontrollieren

Bisher können die Behörden jeden der am Vormittag bekannten 74 Fälle zurückverfolgen. Kommunen sollen über ihre Vollstreckungsbeamte sicherstellen, dass Quarantäneauflagen eingehalten werden. Rechtsgrundlage ist das Infektionsschutzgesetz, Verstöße sind laut Land Straftaten. Schulschließungen sollen vermieden werden. Bayern habe viele Rückkehrer aus Südtirol, sagte Reimann zum strengeren Vorgehen des Bundeslandes im Süden.

Die Ministerin wies auch auf das Risiko schwerer Verläufe der Krankheit bei Älteren und Vorerkrankten hin. Mit mehr als 2300 Intensiv-Betten sei Niedersachsen aber gut ausgestattet. Bei weiterem Bedarf müssten andere planbare Eingriffe möglicherweise verschoben werden. Bus und Bahn seien in Stoßzeiten ein „Hotspot“, hieß es weiter. Bessere Hygienebedingungen, beispielsweise durch öftere Reinigung der Busse und Bahnen, sind angestrebt.

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