Kommt die Wegfahrsperre für Alkoholisierte?

Braunschweig.  Der Verkehrsgerichtstag in Goslar diskutiert Alkohol-Wegfahrsperren. Der ADAC warnt vor Vorverurteilungen.

Ein Mann stellt ein elektronisches „Alkolock“-Gerät vor, das die Zündung außer Kraft setzt, wenn der Fahrer unter Alkoholeinfluss steht. Das Foto entstand in Wien. In anderen europäischen Ländern ist diese Form der Wegfahrsperre schon  in der Praxis angekommen.

Ein Mann stellt ein elektronisches „Alkolock“-Gerät vor, das die Zündung außer Kraft setzt, wenn der Fahrer unter Alkoholeinfluss steht. Das Foto entstand in Wien. In anderen europäischen Ländern ist diese Form der Wegfahrsperre schon in der Praxis angekommen.

Foto: Herbert Pfarrhofer / dpa

Der 57. Verkehrsgerichtstag in Goslar wagt in diesem Jahr erneut einen Vorstoß und diskutiert über Alkohol-Wegfahrsperren in Kraftfahrzeugen. Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR), Christian Kellner, fordert gegenüber unserer Zeitung, in Deutschland die Voraussetzungen für den Einbau sogenannter „Alkolocks“ in Autos zu schaffen . „Die Grundlage hat sich seit Jahren nicht verändert. Es sterben immer noch zu viele Menschen auf deutschen Straßen, weil Alkohol im Spiel ist.“

Wer Alkohol getrunken hat, sollte das Auto stehen lassen. Dass die Sinne in diesem Zustand oft vernebelt sind, zeigt die Polizeistatistik aus dem Jahr 2017. Die Polizei registrierte bundesweit mehr als 12.000 Unfälle bei denen fast rund 230 Menschen starben und mehr als 4500 schwer verletzt wurden, weil Alkohol im Spiel war. So lautet die ernüchternde Bilanz. Im Bereich der Polizeidirektion Braunschweig endeten im gleichen Zeitraum 466 Trunkenheitsfahrten vorzeitig in einem Unfall mit Sach- und Personenschäden.

Der ADAC Niedersachsen sagte gegenüber unserer Zeitung: „ Da Alkoholfahrten mit Fahrzeugen, in denen ein Alkolock-Gerät verbaut ist, ausgeschlossen sind, tragen diese zur Verkehrssicherheit bei. Damit werden die Straßen sicherer gemacht “, erklärte eine Sprecherin. Der größte deutsche Autofahrerverband warnt aber vor Vorverurteilungen. Er hält nichts davon, auffällig gewordene Verkehrsteilnehmer zum Einbau einer atemgesteuerten Wegfahrsperre zu verpflichten. Die Bereitschaft, vor jeder Fahrt freiwillig in ein vorinstalliertes Gerät zu pusten, sollte sich daher im Zweifel strafmildernd auswirken.

Die Politik ist offenbar gewillt, die Rahmenbedingungen in Deutschland für die neue Technik zu gewährleisten. Im Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD im Bund ist niedergeschrieben, eine gesetzliche Regelung für den neuartigen Wegfahrsperren-Einsatz zu schaffen. Kellner, der auf dem Verkehrsgerichtstag die Arbeitsgruppe „Alkolock“ leitet, empfiehlt deutschen Autobauern, bei der Konstruktion ihrer Autos vorzusorgen. „Es macht auch für VW und die anderen Hersteller Sinn, bei der hochkomplexen Elektronik in Fahrzeugen, schon heute Schnittstellen für den serienmäßigen Einbau anzulegen.“ Grundlage für den Einbau solcher technischen Systeme in Serie müsste allerdings die rechtliche Abstimmung auf europäischer Ebene sein.

In Deutschland müssen Verkehrsteilnehmer, die mit einem Promillewert von mindestens 1,6 am Steuer erwischt worden sind, sich einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) unterziehen. Eine neueste Umfrage im Auftrag des Verbands der Tüvs ergab, dass drei von vier Bundesbürgern für ein strengeres Vorgehen bei schweren Fällen von Alkohol am Steuer plädieren. 73 Prozent der Befragten fordern die Grenze bei einer verpflichtenden MPU auf einen Promillewert von 1,1 abzusenken.

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