Unfallforscher fordert Entlastung für Crash-Autobahn 2

Hannover.   Immer wieder kracht es auf der A2, meistens sind Lkw beteiligt. Ein Unfallforscher sieht die Landesregierung am Zug. Was ist zu tun?

Lastwagen stehen nach einem Unfall auf der Autobahn A2 hinter der Anschlussstelle Langenhagen in Fahrtrichtung Dortmund. An dem Unfall waren fünf LKW beteiligt (Archivbild).

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Lastwagen stehen nach einem Unfall auf der Autobahn A2 hinter der Anschlussstelle Langenhagen in Fahrtrichtung Dortmund. An dem Unfall waren fünf LKW beteiligt (Archivbild).

Zur Reduzierung der Unfallzahlen auf der stark befahrenen Autobahn 2 hält der Unfallforscher Heiko Johannsen eine bessere Baustellenplanung für unerlässlich. „Die A2 ist eine Dauerbaustelle. Es kracht meistens am Stauende“, sagte der Leiter der Unfallforschung an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) der Deutschen Presse-Agentur. Die Zahl der Baustellen müsse verringert werden. „Vor kurzem wurde die Fahrbahndecke erneuert, jetzt reißt man die Leitplanken ab. Warum hat man das nicht in einem erledigt?“

Die MHH-Unfallforscher analysieren seit 45 Jahren Verkehrsunfälle im Auftrag der Bundesregierung. Pro Crash sammeln die Wissenschaftler Tausende technische und medizinische Daten.

2017 gab es auf dem niedersächsischen A2-Abschnitt 3538 Crashs, in mehr als die Hälfte waren Lastwagen verwickelt. Die Zahl der LKW-Unfälle auf der A2 ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. 2017 waren dabei acht Tote zu beklagen, fünf weniger als im Vorjahr. Zahlen für das erste Halbjahr liegen dem Innenministerium zufolge noch nicht vor. Laut Polizei gab es aber 2018 schon zehn Todesopfer.

Die jüngste Serie von LKW-Karambolagen hat auch die Forderung nach einem generellen Tempolimit für die Ost-West-Verbindung laut werden lassen. „Aus unserer Sicht ist es ein Überfüllungsproblem, das mit einem Tempolimit nicht zu lösen ist“, sagte Fahrzeugtechnik-Ingenieur Johannsen. „Man muss sich die Verkehrsströme ansehen.“ So könnte etwa der Verkehr von Osten nach Norden, der im Moment über das Kreuz Hannover auf die A7 wechselt, auch zum Beispiel über Wolfsburg geleitet werden.

„Mittelfristig kann die Verlängerung der A39 zwischen Wolfsburg und Lüneburg Abhilfe schaffen“, erklärte das niedersächsische Verkehrsministerium. Bei der geplanten Verlängerung seien Entflechtungen von Verkehrsströmen zugunsten des Ballungsraumes Region Hannover zu erwarten. Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) hatte zudem bereits im Mai ein besseres Baustellenmanagement für die A2 angekündigt. Angestrebt werden möglichst kurze Bauzeiten bei der Erhaltung möglichst vieler Fahrspuren.

Hauptgrund für die Crashs an Stauenden ist nach Auswertung der MHH-Wissenschaftler meist Unachtsamkeit. „Das ist nicht nur das Smartphone, es kann auch ein Mitfahrer, emotionale Ablenkung oder Ähnliches sein“, sagte der Experte. „Ein Unfallfahrer gab sogar an, er habe nicht auf den Verkehr geachtet, weil er auf ein Schild mit der Aufschrift „Nicht ablenken lassen“ geguckt hat.“

Die Daten der MHH-Unfallforscher werden laut Johannsen hauptsächlich zur Verbesserung von Fahrzeugen genutzt. So schauen sich die Wissenschaftler nach einem Crash immer auch das Automatische Notbremssystem an, sollte es in einem Wagen vorhanden sein. dpa

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Leserkommentare (5)