Beleidigt eine Glosse alle Amateurfußballer?

Der Ombudsrat befasst sich mit einem Hinweis in Sachen Amateurfußball.

Der Ombudsrat befasst sich mit einem Hinweis in Sachen Amateurfußball.

Foto: Peter Sierigk / Sierigk, Peter

Leser Walter Strauß aus
Salzgitter schreibt zur Kolumne „Spaß-Kick auf’m Dorf“ auf der Niedersachsenseite vom
7. Oktober:

Unser Bundespräsident hat vor einigen Wochen unsere aktuelle Sprache kritisiert. Wir verlieren die Höflichkeit und den Stil, so sinngemäß Frank-Walter Steinmeier. Und das finde ich in der Kolumne von Frau Jasper bestätigt.

Sollte sie es ironisch gemeint haben, hätte ich Verständnis, leider finde ich den Hinweis nicht oder übersehe ihn.

Dass sie über familiäre Ereignisse berichtet, ist in Ordnung, aber dass sie die Fußballspielfelder, die sich kleine Vereine mühevoll herrichten, als „Dorfäcker“ bezeichnet, die Spieler sogar als „… im Leben zu kurz gekommene Stiernacken und Bierwampen, kurzatmige Klumpfüße und Runkelrübentruppe“ beschreibt, geht doch über das Ziel einer Kolumne hinaus.

Dieser Stil sollte nicht Eingang in eine Zeitung finden.

In einem Rundumschlag werden Menschen beleidigt, diffamiert und ehrenamtliche Arbeit, die in Fußballspielfelder investiert wird, verunglimpft.

Die Autorin Susanne Jasper nimmt Stellung:

Da ich auf dem Dorf lebe und zwei fußballspielende Söhne habe, bin ich seit knapp 20 Jahren auf Dorffußballplätzen unterwegs. Meine Glosse ist keine Berichterstattung. Auch thematisiere ich in keiner Zeile die auch von mir hoch geschätzte ehrenamtliche Arbeit. Darum ging es in meiner glossierenden Kolumne nicht.

Ironisch war diese Glosse aber auch nicht gemeint. Es ging mir um den für mich als Mutter erschreckenden Satz „Okay Jungs, ab jetzt nur noch auf die Kniescheiben!“, laut gebrüllt aus den Reihen einer zuvor schon brutal agierenden Dorfmannschaft. Darin sehe ich eine Verrohung der Gesellschaft, an der unser Bundespräsident womöglich auch keine Freude hätte.

Der Ombudsrat schreibt zum
Hinweis und der Stellungnahme:

Bei der montags auf der Seite „Niedersachsen & Region“ erscheinenden Kolumne „Kinder, Kinder“, in der Susanne Jasper Anekdoten aus ihrem Familienleben aufspießt, handelt es sich um eine sogenannte Glosse.

Diese wird in Journalismus-Lehrbüchern als unterhaltsamer, mitunter attackierender, bissig-böser oder sarkastischer Kommentar definiert.

Die erkennbar unernste, übertriebene, groteske, verzerrte oder verfremdete Kommentierung von Personen und Ereignissen ist dabei ein zulässiges Stilmittel der Satire. Susanne Jasper kommentiert in bissig-böser Weise ein Fußballspiel in der Kreisklasse, über dessen Verlauf sie entsetzt war.

Jaspers Wortwahl ist bildhaft und derb – aber im Rahmen einer Glosse nicht zu beanstanden. Aufbau und Inhalt des Gesamttextes lassen keinen Zweifel daran, dass sich die Kolumne auf das konkrete, von der Redakteurin besuchte Fußballspiel bezieht und nicht die Aktiven und Ehrenamtlichen der Kreisliga oder auch anderer Ligen allgemein meint. „Dorfäcker“ steht sicherlich nicht für die Beschaffenheit des Platzes, sondern für den mangelnden Sportsgeist, der mit der Kolumne thematisiert wird.

Ein Werturteil über alle Amateurfußballer oder gar der weiteren in Vereinen tätigen Ehrenamtlichen beinhaltet die Kolumne nicht, sicherlich aber ein nicht zu beanstandendes Werturteil über Spieler oder Mannschaften, denen es an Fairness und Sportsgeist fehlt.

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